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Landwirtschaft

Viele Hände für den Öko-Anbau

Stellvertretend für die fünf neuen Bio-Musterregionen hat der Landwirtschaftsminister dem Kreis und der Stadt Stuttgart eine Förderzusage des Landes überreicht.

Freuen sich über die Förderung (von links): das Ehepaar Simone und Swen Seemann, Michael Münter (Stadt Stuttgart) mit Minister Peter Hauk, Christian Sußner (Landratsamt) sowie die Wahlkreis-Abgeordneten Markus Rösler, Konrad Epple und Gabriele Reich-
Freuen sich über die Förderung (von links): das Ehepaar Simone und Swen Seemann, Michael Münter (Stadt Stuttgart) mit Minister Peter Hauk, Christian Sußner (Landratsamt) sowie die Wahlkreis-Abgeordneten Markus Rösler, Konrad Epple und Gabriele Reich-Gutjahr. Foto: Holm Wolschendorf

Eberdingen/Kreis Ludwigsburg. Als Landwirtschaftsminister Peter Hauk am Donnerstagnachmittag fragend sein Handy hochhebt, tun es ihm nur wenige gleich. Denn kaum einer der Gäste, die zur offiziellen Ernennung des Kreises Ludwigsburg und der Stadt Stuttgart zu einer der fünf neuen Bio-Musterregionen auf den Biohof Seemann gekommen waren, hat jene App des Ministeriums auf dem Smartphone, die einen der nächstgelegenen Hofläden oder Gaststätten anzeigt, die einen Schwerpunkt auf Gerichte mit regionalen Erzeugnissen setzen. Gut: Viele der Gäste sind der Biolandwirtschaft zwar ohnehin verbunden, aber Hauk nimmt die geringe Resonanz als greifbares Beispiel und sagt: „Wir müssen mehr tun.“

Das Land hat deshalb Anfang Februar zu den vier bestehenden fünf neue Bio-Musterregionen bekanntgegeben. Diese werden mit bis zu je 100.000 Euro pro Jahr gefördert, um die ökologische Landwirtschaft weiter zu stärken. Denn die liegt mit einer Quote von neun Prozent an der gesamten Produktionsfläche hinter dem Bundesschnitt von elf Prozent – und die Bundesregierung hat als Ziel bis 2030 20 Prozent gesetzt. „Dann sehe ich für Baden-Württemberg 30 Prozent“, habe er daraufhin selbstbewusst gesagt.

Erreicht werden soll das zum einen über einen verbesserten Dialog zwischen den Erzeugern und dem Verbraucher. Kunden sollen überzeugt werden, dass sie von Bioprodukten einen Mehrwert haben, sagte Hauk. Das sei nachhaltiger als Verbote, teilte er ein wenig gegen den grünen Koalitionspartner aus. Gute Ansatzmöglichkeiten gebe es schon im Kindergarten, wenn man den Kleinen Geschmackserlebnisse vermittele.

In dem Zusammenhang sollen über die Bio-Musterregionen die Vertriebswege für die Erzeuger gestärkt werden – auch deshalb waren die Partner Stuttgart und der Kreis Ludwigsburg zusätzlich aufgenommen worden, obwohl man gerade die Landeshauptstadt weniger mit Landwirtschaft verbinde. „Für uns ist spannend: Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Produzenten und einer Stadt mit über einer halben Million Einwohner als mögliche Abnehmer?“, sagte Hauk und spielte auf Abo-Angebote von Landwirten an, die nur wenig vom „Bio-Boom“ in den Discountern profitieren – aber auch auf die Tatsache, dass Angebot und Nachfrage nicht immer im Einklang stünden.

Einen Schwerpunkt hat die neue Bio-Musterregion zudem auf die Außer-Haus-Verpflegung gelegt, sagte Christian Sußner, Dezernent für Bauen, Umwelt und Technik im Landratsamt. „Kantinen sind so etwas wie Mikrobotschafter, dort können die Nutzer erfahren, dass Bio genauso schmeckt“, ergänzte Michael Münter, verantwortlich für strategische Planung und nachhaltige Mobilität der Landeshauptstadt. „Aber wir können da noch eine ordentliche Schippe drauflegen.“ Wichtig ist ihm an der Kooperation auch die Vernetzung der Akteure. Und dazu zählten nicht nur Biobauern, sondern auch Landwirte, die konventionell anbauen – das betonten alle Redner.

Zumindest für die Antragstellung haben die bestehenden Netzwerke gut funktioniert. Nur wenig Zeit sei für die Bewerbung gewesen. Mehrere Nachtschichten hätten die Beteiligten eingelegt, um das 20 Seiten starke Konzept zu erstellen, so Sußner. Bauernverbände, Biobetriebe und viele mehr hätten ehrenamtlich zusammengearbeitet, unterstützt von Luise Pachaly, Fachbereichsleiterin im Landratsamt.

Unterstützung für die einzelnen Vorhaben innerhalb der Bio-Musterregion soll es ab Herbst dann durch eine Projektstelle geben, die das Land mit 75 Prozent fördert. 20.000 Euro trägt der Kreis. Ganz in trockenen Tüchern ist alles aufgrund der Kurzfristigkeit aber bislang nicht. Der Kreistag muss der Schaffung der Stelle bei seiner Sitzung im April noch zustimmen. Die Resonanz war aber deutlich positiver als bei der Frage nach der Ministeriums-App: Bei der Vorberatung im Ausschuss am Montag gab es, berichtet Ingersheims Bürgermeister und Kreisrat Volker Godel, der als Kreisvorsitzender der Obst- und Gartenbauer am Konzept mitgewirkt hatte, nicht nur viel Lob, unter anderem vom Kreisbauernchef Eberhard Zucker. Vor allem aber gingen sämtliche Hände hoch.

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