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Viermal Schmieren gegen ein Quietschen

Mit einer Gleisschmieranlage wollen die Strohgäubahnmanager Anwohner vor Lärm schützen – Jetzt wird das Projekt ausgeweitet

Eine Strohgäubahn in Hemmingen: Wenn sich die Züge in die Kurven legen, kann es zu unangenehmen Geräuschen kommen. Archivfoto: Karin Rebstock
Eine Strohgäubahn in Hemmingen: Wenn sich die Züge in die Kurven legen, kann es zu unangenehmen Geräuschen kommen. Foto: Karin Rebstock

Strohgäu. Vor drei Jahren startet in der Nähe der Betriebswerkstatt am Korntaler Bahnhof ein Versuch. Die Strohgäubahnmanager lassen in der Kurve an der Banater Straße auf 150 Metern Länge Schmiermittel auf die Gleise bringen. Sie reagieren damit auf Beschwerden der Anwohner, wonach die Strohgäubahn beginne zu quietschen, wenn sie sich in die Kurve legen würde. Das Phänomen tritt offenbar nicht nur in Korntal auf, sondern auch in Hemmingen, Münchingen und Schwieberdingen. Und zwar wenn Metall auf Metall trifft und zwischen Rad und Schiene Reibungskräfte entstehen, die zu Schwingungen führen.

Im Winter 2020 sind die Versuche mit den Schmiermitteln längst abgeschlossen – erfolgreich, wie der Geschäftsführer des Zweckverbandes Strohgäubahn, Axel Meier, während der jüngsten Sitzung im Kreishaus betonte. „Die Laufruhe der Fahrzeuge hat sich erhöht, die Lärmbelästigungen durch die vorbeifahrenden Züge konnten deutlich reduziert werden“, so der Experte. „Das hat auch eine Abfrage bei den Anliegern bestätigt.“

Das Pilotobjekt am Korntaler Bahnhof, das auf den sperrigen Namen Schienenkopfkonditionierungsanlage hört, soll nun dauerhaft betrieben werden. Außerdem hat der Zweckverband vor, auch an drei anderen Stellen Schmiermittel auf die Schienen zu bringen: zweimal in Münchingen an der Kurve am Hallenbad und zwischen dem Bahnübergang Betonplattenweg und dem Haltepunkt Rührberg. Die dritte Anlage kommt an die Hemminger Bahnhofsstraße an der Kurve beim Silo.

Der Einbau kann nach Ansicht des Geschäftsführers Meier noch diesen Monat erfolgen, wenn es das Wetter zulässt. „Derzeit sieht es aber so schlecht nicht aus“, sagte er im Zweckverband. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf knapp 49000 Euro. Hinzu kommen etwa 11200 Euro an Wartungsarbeiten pro Jahr. Ein Partner, der die Gleisschmieranlagen errichten soll, ist laut Meier bereits gefunden.

Der Korntal-Münchinger CDU-Stadtrat Joachim Winter hätte sich gefreut, wenn die Anlagen schon mit der Erweiterung des Fahrplans gekommen wären. Dann hätte man den Kritikern „den Wind aus den Segeln nehmen können“. Allerdings spielte hier wohl auch die Pandemie eine Rolle. „Wir mussten ebenfalls Personal zur Corona-Nachverfolgung abstellen“, sagte Meier im Zweckverband.

Rund um den Korntaler Bahnhof hatten und haben es die Strohgäubahnmacher seit Jahren mit Anwohnern zu tun, die sich über Lärmbelastungen beklagen und Gerichte einschalten. Ausgestanden sind die Streitigkeiten nicht, da der Zweckverband noch den Korntaler Bahnhof umbauen will. In Kürze sollen die dafür nötigen Unterlagen an das Regierungspräsidium in Stuttgart gehen, das dann ein Planfeststellungsverfahren einleiten würde. „Sollten keine Einwände vorliegen, können die Bautätigkeiten im Jahr 2022 erfolgen“, sagt Meier. Noch seien keine Beschwerden angekommen. „Ob das so bleibt, müssen wir abwarten.“

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