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Bürgermeisterwahl

Visionen und altbekanntes Konzept

LKZ-Podiumsdiskussion lockt 300 Neugierige in die Ingersheimer SKV-Halle – Zum Auftakt eine lockere Fragerunde

Schlussspurt vor der Wahl zum Bürgermeister in Ingersheim: Stephan Wolf (stehend), Leiter der LKZ-Kreisredaktion, und Redakteur Frank Elsässer (Mitte) fühlten Andreas Oberman, Thorsten Majer, Simone Haist und Ulrich Raisch (von links) bei der Podiums
Schlussspurt vor der Wahl zum Bürgermeister in Ingersheim: Stephan Wolf (stehend), Leiter der LKZ-Kreisredaktion, und Redakteur Frank Elsässer (Mitte) fühlten Andreas Oberman, Thorsten Majer, Simone Haist und Ulrich Raisch (von links) bei der Podiumsdiskussion auf den Zahn. Foto: Andreas Becker

Ingersheim. Die Ingersheimer entscheiden am 16. Februar über die Nachfolge von Volker Godel, der sich nach 24 Amtsjahren als Rathauschef in den Ruhestand verabschiedet. Vier Kandidaten haben den Hut in den Ring geworfen: die 41-jährige Diplom-Verwaltungswirtin Simone Haist, der ebenfalls 41 Jahre alte Rechtsanwalt Thorsten Majer, der Internet-Händler Andreas Oberman (56) und der 59-jährige Musikpädagoge Ulrich Raisch aus Stuttgart.

Bei der von Stephan Wolf, dem Leiter der LKZ-Kreisredaktion, und LKZ-Redakteur Frank Elsässer moderierten Podiumsdiskussion hatten die Bewerber gestern Abend noch einmal Gelegenheit, sich einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Rund 300 Besucher waren in die SKV-Halle gekommen – nicht zuletzt, um den Kandidaten noch einmal gründlich auf den Zahn zu fühlen. (In der morgigen Samstagsausgabe berichten wir ausführlich über die inhaltliche Auseinandersetzung.)

Zum Auftakt stand eine lockere Fragerunde auf dem Programm, bei der das Publikum unter anderem von Majers Ausdauervermögen, Obermans Reiselust und Raischs Musikbegeisterung erfuhr. Ferner nahm das Publikum zur Kenntnis, dass Haist offensichtlich keinen ausgeprägten Hang zur Schlagermusik hat. „Da würde ich nur hingehen, wenn Sie mir eine gute Begleitung an die Seite stellen“, entgegnete die Kandidatin auf die Frage, ob sie ein Konzert von Andrea Berg besuchen würde. Nach den Reaktionen des Publikums dürfte ihr Musikgeschmack der Kandidatin am 16. Februar aber nicht zum Nachteil gereichen.

Konkreter wurde es, als Wolf das Quartett einen Blick in die Zukunft werfen und im Jahr 2028 eine kurze Rede über die Erfolge ihrer imaginären ersten Amtszeit halten ließ. Dabei ging es mitunter durchaus visionär zu. „Ingersheim ist dann noch lebendiger und attraktiver als jetzt“, sagte Haist. „Klein- und Großingersheim sind in den Herzen und Köpfen eng zusammengewachsen, die Gemeinde ist Vorbild für andere Kommunen.“ Im Rathaus fänden die Bürger kompetente Ansprechpartner, das Neubaugebiet „Beeten II“ verfüge über innovativen Klimaschutz, die Gemeinde über solide Finanzen.

Majers Rede wies zahlreiche Parallelen auf, wobei er einer Stabilisierung der angespannten Finanzlage und dem Schuldenabbau größere Bedeutung beimaß. Die Verwaltung werde regelmäßige Bürgergespräche anbieten, „damit wir mehr miteinander als übereinander reden“. Auf keinen Fall dürfe die Gemeinde die Sozialstation in externe Hände abgeben, „wir müssen Herr im eigenen Haus bleiben“. Majer blickte grundsätzlich optimistisch in die Zukunft: „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir Ingersheim ein gutes Stück lebenswerter machen.“

Oberman gab sich eher wortkarg und nutzte seine zweiminütige Redezeit nicht ganz aus, schloss sich den Ausführungen seiner beiden Vorredner aber grundsätzlich an. Auch er betonte die Bedeutung solider Finanzen. „In acht Jahren sollten wir schuldenfrei sein und eine anständige finanzielle Lage erreicht haben“, so der 56-Jährige. Obermann pries den scheidenden Amtsinhaber Godel. Dieser sei zwar keine „schillernde Persönlichkeit“, dafür aber ein Charakter wie der ehemalige Ministerpräsident Teufel. „Jemand, der da ist, seine Sache gut macht und irgendwann geht.“

Nach Haists und Majers ansatzweise visionären Blicken in die Zukunft stellte Raisch am Ende der Einstiegsrunde ein altbekanntes Konzept vor. Der Stuttgarter tritt bereits zum 49. Mal als Bürgermeisterkandidat in einer Kommune im Landkreis Ludwigsburg an, da sind seine Pläne für einen Musikkindergarten wohlbekannt. Musik eignet sich laut Raisch aber nicht nur als pädagogischer Ansatz im Kleinkindbereich, sondern könnte auch auf ältere Bürger positive Effekte haben. „Die Babyboomer gehen in Rente“, so Raisch. „Der demografische Wandel ist die größte Herausforderung, die auf alle Kommunen zukommt – eine musizierende und tanzende Gemeinde wäre ein Alleinstellungsmerkmal.“

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