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Steillagen
Von Besigheim bis Mundelsheim: Kapitalanleger sollen Weinberge übernehmen

Einige Wengerter haben schon aufgegeben. Denn die Pflege der Reben und das Ausbessern von Mauern kosten Kraft.Archivfoto: Alfred Drossel
Einige Wengerter haben schon aufgegeben. Denn die Pflege der Reben und das Ausbessern von Mauern kosten Kraft.Archivfoto: Alfred Drossel
Die Weinmanufaktur exNicrum aus Hessigheim will Investoren mit Wengertern zusammenbringen. Herbert Müller vom Consortium Montis Casei spricht von einem neuen Weg zum Erhalt von Steillagen in der Kulturlandschaft.

Hessigheim/Mundelsheim. Viele Wengerter haben keine Lust mehr, Steillagenweinberge zu bewirtschaften, weiß Herbert Müller vom Consortium Montis Casei. Viele hätten im vergangenen Jahr einen miserablen Herbst erlebt und spielten mit dem Gedanken, aufzugeben. Die Lage ist nach Ansicht von Müller dramatisch. Jetzt zeichne sich aber ein interessanter Weg ab: „Kapitalanleger sind bereit, sich für Weinberge zu engagieren.“ Die Hessigheimer Weinmanufaktur exNicrum bringe sie mit Wengertern, die aufgeben wollten, und solchen, die Weinberge gegen Geld bewirtschaften möchten, zusammen. Die Idee, Investoren und Wengerter zusammenzuführen, sei ein wichtiger Baustein beim Erhalt der Steillagen, ist sich Herbert Müller sicher (wir berichteten).

Ansatz zu einem Strukturwandel

„Die Zeit ist reif für einen Quantensprung in die Zukunft. So wie die Industrie mit der Digitalisierung zur vierten Revolution ansetzt, braucht der Steillagenweinbau einen revolutionären Ansatz zu einem großen Strukturwandel“, so Müller, der mit dem Consortium Montis Casei und der exNicrum Weinmanufaktur nach eigenen Angaben gute Erfahrungen im Steillagenweinbau gesammelt hat. Er will diese Erfahrungen nun für eine größere Aktion nutzbar machen. „Wir können das Problem aber nicht alleine stemmen. Viele Akteure müssen zusammenwirken“, sagt Müller. Insbesondere müsse ein größerer Teil der Steillagenweinberge in neue Hände. Dafür sei privates Kapital erforderlich: Weinliebhaber müssten gewonnen werden, die Weinberge kauften. Sie wiederum müssten aktive Wengerter beauftragen, die bereit seien, für Geld Steillagenweinberge zu bewirtschaften. Der nächste Schritt sei dann, die Trauben aus Steillagen an Weinerzeuger zu verkaufen, sie zu Premiumweinen zu verarbeiten und diese zu auskömmlichen Preisen zu vermarkten. „Nur wenn wir neue, unternehmerische Geldquellen erschließen und konsequent auf ein neues Geschäftsmodell setzen, können wir den Steillagenweinbau erhalten“, betont Müller. Kellermeister Fabian Alber, ebenfalls beim Consortium Montis Casei aktiv, der Weine ausbaut und in seinem Gastronomiebetrieb in Hessigheim ausschenkt sowie verkauft, betont: „Wir können die Akteure zusammenbringen, allerdings begrenzt auf die Lagen zwischen Besigheim und Mundelsheim, also den Käsberg und Wurmberg.“

Pläne für ein Pilotprojekt

Das Rechenmodell sei ausgewogen. Jeder bekomme einen fairen Preis für seine Leistung und trage das Risiko seines Wertschöpfungsbeitrags. Es gebe bereits Pläne für ein Pilotprojekt. Dafür seien Persönlichkeiten gefunden worden, die sich als Kapitalanleger engagierten und Weinberge kaufen wollten. Wenn das Pilotprojekt zustande komme und sich ein größeres Interesse abzeichne, könnte das Modell in größerem Stil mit mehreren Weinbaubetrieben und einer Genossenschaft umgesetzt werden. Der Wein müsse in einen größeren Vertriebskanal. „Wenn man eine Chance im Lebensmittelhandel haben will, muss man eine gewisse Menge zusammenbringen. Man sollte 50000 Flaschen und später 100000 Flaschen anpeilen. Das entspräche einer Rebfläche von zehn bis später 20 Hektar“, so Alber. Viele Weinliebhaber träumten insgeheim davon, selbst Winzer zu werden. Vielleicht finde das Projekt eine positive Resonanz.

Müller und Alber sondieren jetzt weiter die Lage. Interessierte können sich bei der exNicrum Weinmanufaktur in Hessigheim melden. Dort ist auch eine Broschüre zu dem Thema erhältlich.