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Tiere

Von wegen blöde Kuh: Molly kann viel mehr

Laura Runkel bildet zwei Kühe und einen Ochsen als Reittiere aus – Auch Ziegen vor dem Schlachter gerettet – Unterstützung in der Pflege

Molly ist sehr geduldig und lässt sich von Ihrer Besitzerin Laura Runkel und auch Kindern gerne streicheln.Fotos: Andreas Becker
Molly ist sehr geduldig und lässt sich von Ihrer Besitzerin Laura Runkel und auch Kindern gerne streicheln. Foto: Andreas Becker

Beilstein. Neugierig schiebt sich Sir George Michael nach vorne, schnüffelt am Block der Redakteurin und scheint ihr zuzuzwinkern – zumindest kann man sich das einbilden. Denn George Michael ist ein Ochse. Gemeinsam mit den Kühen Molly und Maggy steht er in einem Stall in Beilstein. Die Tiere gehören Laura Kunkel, die das Trio zu Reittieren ausbildet und von ihrem Potenzial überzeugt ist. „Man denkt, das ist nur eine blöde Kuh, aber das ist nicht so. Das will ich beweisen.“

Laura Runkel ist von Kindesbeinen an nicht nur Tiernärrin, sondern auch eine passionierte (Dressur-)Reiterin. Bereits mit vier Jahren bekam sie ihr erstes Shetlandpony, gemeinsam mit ihrer Mutter besitzt sie Pferde, bildet diese aus. Mit 15 adoptierte sie ihre ersten zwei Schafe – aus Tierliebe und um sie vor dem Schlachter zu retten. „Ich hatte Interesse an Tieren, besonders an Nutztieren. Ich wollte ihnen einen anderen Sinn geben als Futter.“ Miny und Maxy sollten nicht auf der Schlachtbank landen, sondern ein Leben wie Gott in Frankreich führen. Sie brachte ihnen Kunststücke wie den spanischen Tritt oder das Stehen auf zwei Beinen bei. Schaf Nummer drei, Sir Cooper, stieß mit sechs Jahren zur Familie.

Eines Tages erzählte ihr ein Bekannter aus Kißlegg, dass er drei Kühe zum Schlachter bringen müsse – darunter die zweijährige Molly. Das Mitleid der 20-Jährigen war geweckt. Zudem war sie überzeugt, dass in den Kühen mehr steckt als nur das Dasein als Fleischlieferant. „Ich wollte deshalb auch immer Kühe haben. Ich wusste, dass mehr möglich ist.“ Sie nahm ihr ganzes Erspartes – mehr als 1000 Euro – und reiste nach Kißlegg, um Molly abzuholen. Das war im September 2018. „Sie war sehr ängstlich, aber dominant“, berichtet Runkel von ihrem ersten Eindruck. Aber sie habe gleich gesehen, dass „Mrs Molly Mysteriuos“, so nannte sie sie, das Potenzial habe, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Molly hatte Charme und war die Ruhe selbst. Runkel holte sich das Okay von Tierarzt und Veterinäramt und begann mit der Ausbildung. Schnell hatte sich Molly an extra für sie umgearbeitete Sattel und Zaumzeug gewöhnt – das Braunvieh ist nicht so groß wie ein Pferd, dafür aber breiter. „Sie ist sehr schlau und lernt sehr gerne“, berichtet Runkel. Mit Karotten und Mineralfutter als Leckerlis begann sie die Ausbildung. Bereits im Sommer vergangenes Jahr galoppierte Molly mit Laura über das Stoppelfeld, die ersten Kinder durften auf ihrem Rücken über die Felder reiten. Inzwischen ist die Kuh so an Menschen gewöhnt, dass sie sich nicht nur von jedem streicheln lässt, sondern sogar geduldig stehen bleibt, wenn Runkels Nichte Neli auf ihrem Rücken kleine akrobatische Kunststücke ausführt. „Molly ist ein bisschen faul und liebt es, zu stehen.“

Dann kam die nächste Nachricht des Freundes aus Kißlegg; Maggy sollte verkauft werden. Auch ein männliches Kalb sollte entsorgt werden. Maggy McFlow war von allen drei die traurigste und schüchternste, sie wollte zunächst immer nur flüchten. Doch mit viel Liebe und der Hilfe von Georgy entspannte sich auch Maggy immer mehr. Sir George Michael, der so heißt, weil er so blond war wie der britische Sänger, ist der Neugierigste von allen. Er läuft bereits mit, wenn Molly geritten wird. Maggy lässt sich bis jetzt lieber nur bestaunen.

Alle hören auf ihre Namen und reagieren auf Befehle. „Sie hören einem zu und verstehen einen“, ist Runkel überzeugt. Auch zeigten sie Gefühle. So habe Maggy geweint, als sie aus dem Transporter kam und Molly im Stall gesehen habe. „Da wusste sie, dass sie nicht beim Schlachter ist“, glaubt die Großbottwarerin. Schließlich sei sie auch abgehauen, als sie in Kißlegg in den Transporter steigen sollte.

Im Waldstück hinter der Beilsteiner Glaubensgemeinschaft Libanon haben die drei Tiere die Idylle pur, um sie herum sind nur Wald und Wiesen. „Sie lieben die Ruhe“, sagt die 20-Jährige. Wer will, kann auf den Kühen reiten, mit ihnen kuscheln, sie aber auch putzen oder pflegen. Laura Runkel besucht mit ihnen Schulen und Kindergärten. Die junge, blonde Frau versucht, so viel Zeit wie möglich mit den Tieren zu verbringen, auch schon während ihrer Ausbildung zur Speditionskauffrau. Sie steckt ihr ganzes verdientes Geld in den Unterhalt der Tiere. „Ich gehe dafür nicht aus und gebe wenig Geld für andere Dinge aus. Es reizt mich mehr, den Tieren ein Zuhause zu geben und ihr Talent herauszukitzeln. Das macht mehr Sinn, als das Geld in mich und Firlefanz zu stecken.“

Internet: www.kuehe-aus-dem-bottwartal.com

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