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Warum sich nicht alle Marbacher auf die Sanierung der Fußgängerzone freuen

Die seit Oktober laufenden Bauarbeiten in der Marktstraße halten viele Kunden von einem Besuch der Innenstadt ab; das Citymanagement will jetzt gegensteuern. Archivfoto: Ramona Theiss
Die seit Oktober laufenden Bauarbeiten in der Marktstraße halten viele Kunden von einem Besuch der Innenstadt ab; das Citymanagement will jetzt gegensteuern. Archivfoto: Ramona Theiss
Die Marbacher Fußgängerzone wird erneuert. Doch bevor sich alle über eine gelungene Sanierung freuen können, muss eine zweijährige Bauzeit überstanden werden. Anlieger haben Sorgen und Bedenken, wie eine Informationsveranstaltung der Stadt zeigte.

Marbach. Wie die Planer in der Stadthalle erläuterten, erfolgen die nach den Sommerferien beginnenden Arbeiten in sechs Bauabschnitten. Start ist am tiefsten Punkt in der Niklastorstraße. Dabei gilt die Devise: Bevor eine perfekte Optik mit einem die Barrierefreiheit fördernden großformatigen Granitpflaster sowie großzügigen Aufenthaltsbereichen mit Podesten und Sitzmöglichkeiten dran ist, geht es in den Untergrund: Der Abwasserkanal wird ebenso erneuert wie Wasserleitungen samt Hausanschlüssen, Straßenbeleuchtung, Gas- und Stromleitungen. Es werden Leerrohre für Glasfaser verlegt, und es entsteht eine Fernwärmetrasse mit Hausanschlüssen von der Charlottenstraße bis zur Höhe des Rathauses. Der Bauablauf soll dabei so erfolgen, dass sämtliche Zugänge zu den Häusern und Geschäften samt Anlieferverkehr möglich bleiben, eine Fußgängerführung stets gewährleistet ist und die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge möglich bleibt. Eine wahre Herkulesaufgabe in der verwinkelten Altstadt.

Wenig Euphorie zu spüren

Bei den Anliegern ist da wenig von Euphorie zu spüren. Sie haben Sorgen, dass ihre Häuser durch die Erschütterungen während der Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden und Risse bekommen. Wie Bauamtsleiter Dieter Wanner informierte, nimmt ein Gutachter im Vorfeld alle betroffenen Häuser auf und erfasst den Gebäudezustand, um später festzustellen, ob mögliche Schäden von den Bauarbeiten stammen.

Erst Corona und jetzt eine zweijährige Baustelle: Viele sorgten sich am Montagabend auch um die Zukunft der Geschäfte und die Gastronomie. Da ging es um Bäume, die keine Wirtshausschilder verdecken sollen, und um die neuen LED-Leuchten, die nicht zu grelles Licht spenden dürften. Laut Architekt Christof Weigel werden die Baumstandorte so ausgesucht, dass sie nichts verdecken, Pflanztröge würden zudem mobil gestaltet. Bei den neuen Leuchten gebe es weniger Streulicht und auch eine Nachtabsenkung. „Wir schauen, dass wir keine Zufahrt behindern“, versprach Bürgermeister Jan Trost zum Standort von Leuchten und Bäumen. Anwohner machten nochmals darauf aufmerksam, dass sie in ihren Häusern in der Altstadt aus Denkmalschutzgründen keine Rollläden einbauen dürfen. Da würden Straßenlampen die Nachtruhe stören. Das soll sich allerdings durch die neue Technik bessern.

„Wo soll ich während der Bauarbeiten mein Auto abstellen?“, fragte ein Anwohner, dem Lösungen aufgrund seiner persönlichen Situation versprochen wurden. Ein Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde sorgte sich um die Zugänglichkeit zur Stadtkirche sowie um die Entwässerung. Auch hier gab es Entwarnung: Die Kirche könne während der Bauarbeiten immer besucht werden. Die Straßenentwässerung sei so ausgelegt, dass kein Wasser in das Gotteshaus gelangen könne.

Ein Marketingkonzept unter dem Motto „Lasst Marbach schillern“ soll die Vorfreude auf die neue Fußgängerzone erhöhen. Dazu gehören auch Bonushefte als Anreiz für den Einkauf während der Bauphase. Außerdem soll es einen Kreativwettbewerb und eine ausführliche Infobroschüre über die einzelnen Bauabschnitte und den Zeitplan geben. Am Ende stellte Bürgermeister Jan Trost fest: Die letzte Neugestaltung der Fußgängerzone liege 40 Jahre zurück, die jetzt anstehende werde wohl weitere 40 Jahre halten.