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Trendsportart

Wasser-E Bike aus Eberdingen: Da staunen selbst die Seevögel

Neuseeländische Sportart Wasser-E-Biken soll den Südwesten erobern– Hochdorfer Firma „Blue Ride“ vertreibt „Hydrofoiler“

Da spritzt das Wasser: Fabrice Klaudt radelt hier sichtlich vergnügt mit dem „Hydrofoiler XE-1“ von „ Manta5“ einige Runden auf dem Zaberfelder See Ehmetsklinge. Foto: Hannah B. Lelek/Blue Ride
Da spritzt das Wasser: Fabrice Klaudt radelt hier sichtlich vergnügt mit dem „Hydrofoiler XE-1“ von „ Manta5“ einige Runden auf dem Zaberfelder See Ehmetsklinge. Foto: Hannah B. Lelek/Blue Ride

Eberdingen. Fahrräder und E-Bikes boomen in Deutschland wie noch nie. Aus dem Straßenbild unserer Städte sind die Zweiräder schon fast nicht mehr wegzudenken. Millionen Deutsche schwingen sich in die Sättel, um zum Einkaufen zu radeln, zur Schule, zum Bahnhof und zum Arbeitsplatz – oder in der Freizeit Radtouren zu machen. Wenn es nach Fabrice Klaudt geht, könnten die Radler in Zukunft auch auf Flüssen und Seen im Land auf Wasser-E-Bikes mit bis zu 22 Stundenkilometern quasi übers Wasser schweben – oder „foilen“. Auf Neckar und Enz, Rhein und Donau zur Arbeit radeln, oder einige Kilometer auf dem Bodensee zurücklegen? Das klingt nach viel Spaß für Sportfans. Da staunen sogar die Seevögel.

Natürlich kommt diese neue Trendsportart aus Neuseeland, denn viele Neuseeländer lieben bei Abenteuer- und Extremsportarten das Risiko. Auf diesem Gebiet kann fast kein Land mit dem südpazifischen Inselstaat mithalten. „Bungee Jumping“ und „Jet Boating“ (Jet-Boot fahren) wurden dort erfunden – und das „Foiling“. Dieser junge Trend schwappte vom Segeln her schnell auf das Windsurfen, Kitesurfen und jüngst auf das Wasserradfahren über, wie Klaudt begeistert erzählt.

Der neuseeländische Hersteller „Manta5“ hat sich die „Foiling“-Methode, bei denen Hydrofoils, also speziell geformte Ruder, die Yachten oder Surfboards mit zunehmender Geschwindigkeit durch den Auftrieb aus dem Wasser heben und schweben lassen, zunutze gemacht und mit seinem „Hydrofoiler XE-1“ das erste elektrische Wasserfahrrad der Welt entwickelt. Vom Aussehen erinnert es einen an eine Kreuzung aus Heimtrainer, Fahrrad und Tragflächenboot – mit einem Schuss Ein-Mann-Torpedo aus James-Bond-Filmen. „Ich habe den Hydrofoiler gesehen und war gleich begeistert. Wenn man ordentlich in die Pedale tritt, kann man auf der Wasseroberfläche regelrecht schweben“, betont der 29-jährige Hochdorfer. Im Sommer hat der Wirtschaftswissenschaftler, der bei einer großen Unternehmensberatung arbeitet und bereits auf mehrere Jahre Vertriebserfahrung zurückblicken kann, seine eigene E-Commerce-Firma „Blue Ride“ in Eberdingen gegründet, um das Wasser-E-Bike in Baden-Württemberg exklusiv zu vermarkten. Zudem strebt er auch den Deutschland-Vertrieb für „Manta5“ an.

„Die Reaktionen der Leute sind großartig und positiv. Sobald wir mit unserem Demo-Bike an einem See ankommen und aufbauen, bildet sich eine Traube von Neugierigen“, freut sich Klaudt. Die Zuschauer stellen viele Fragen, machen Fotos und Videos. „Natürlich möchten viele Personen das Wasser-E-Bike auch ausprobieren.“ Auch bei Testern sei das Grinsen obligatorisch. „Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, über das Wasser zu gleiten oder zu fliegen“, weiß der 29-Jährige.

Wassersportbegeisterte konnten sich auch im Kreis Ludwigsburg schon in den Sattel des „Manta5“ schwingen und einige Runden drehen. Unterwegs waren Klaudt und seine Frau Shoana zum Beispiel in Zaberfeld auf der Ehmetsklinge und den Seewaldseen in Horrheim. „Für die Ehmetsklinge konnten wir zweimal Sondergenehmigungen der Stadt erhalten“, betont der „Blue Ride“-Chef. „Leider sind wir auf Sondergenehmigungen der Gemeinden angewiesen, da das Wasser-E-Bike bisher noch auf allen Seen in Baden-Württemberg verboten ist“, so der Wirtschaftswissenschaftler. Ein gutes Beispiel dafür sei der Bodensee. „Nach unseren Bau- und Ausrüstungsvorschriften dürfen nur Fahrzeuge über 2,50 Meter motorisiert werden. Und der Elektroantrieb zählt bei uns gleich wie ein Verbrennungsmotor“, lautete die Antwort des zuständigen Amts auf eine Genehmigungsanfrage. Außerdem könnte die erforderliche Ausrüstung nicht in einem Wasser-E-Bike verstaut werden. Sehr schwer nachzuvollziehen sei, dass Boote mit Verbrennungsmotoren zwar erlaubt sind, ein emissionsloses und geräuschloses Wasser E-Bike aber verboten ist. „Hier bremst die Regulatorik neue, innovative Produkte aus“, findet der Unternehmer. An den Küsten und in anderen europäischen Ländern wie Italien, Spanien, Portugal und Polen sei die Nutzung kein Problem. Daher nimmt Fabrice Klaudt derzeit vor allem potenzielle Geschäftskunden ins Visier, bei denen das Sportgerät ebenfalls gut ankommt. Interesse zeigt zum Beispiel im Großraum Hamburg einer der größten deutschen Ferienparks. Auch die E-Foiler auf dem Main in Würzburg zeigten sich von dem Wasser-E-Bike begeistert.

Die Zielgruppen für das Bike, das mit 7990 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer eher zu den gehobenen Sportgeräten zählt, sind daher ambitionierte Sportenthusiasten sowie Yacht- und Bootsbesitzer. Anfragen gibt es bei „Blue Ride“ in Hochdorf auch von Triathleten. „Das ist ein richtiges Cardio-Workout“, weiß Klaudt, der sich das Wasser-E-Biken künftig auch als olympische Sportart vorstellen kann.

Info: Wer sich für das Wasser- E-Biken interessiert, kann sich bei Youtube zwei Filmclips ansehen – „Blue Ride“: https://youtu.be/8PI6hpGOGbQ und von „Manta5“: https://www.youtube.com/watch?v=XJvRnpsTxnw.

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