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Familienbesuche

Weihnachten: Wer feiert mit wem?

Robert-Koch-Institut befürchtet weitere Anspannung der Lage – Wie die Polizei kontrolliert – Schnelltest an Heiligabend

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Kreis Ludwigsburg. Über 30 Jahre alt ist die Weihnachtsschnulze von Chris Rea, „Driving home for Christmas“, aber in diesem Jahr hängen viele Menschen ein Fragezeichen an den Satz: Sollen wir wirklich an Weihnachten nach Hause fahren? Die Bundeskanzlerin rät zu so wenig Kontakten wie möglich, in den sozialen Netzwerken kursieren düstere Prophezeiungen, es könnte wirklich das letzte Weihnachten für Oma und Opa sein, weil man trotz Pandemie unterm Weihnachtsbaum meint, kuscheln zu müssen, und Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut befürchtet eine weitere Anspannung der Coronalage durch die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage. Wie kann, soll, darf man also feiern?

Lothar Wieler, der Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), hat die Frage so beantwortet: Kontakte auf das absolute Minimum reduzieren, nicht verreisen, Hygieneregeln einhalten!

Die Bundesregierung sagt: An den Weihnachtstagen vom 24. bis 26. Dezember dürfen sich im engsten Familienkreis bis zu vier über den eigenen Hausstand hinausgehende Personen treffen. Das gilt auch, wenn dadurch mehr als zwei Haushalte zusammenkommen oder die Gesamtzahl von fünf Personen überschritten wird. Kinder bis 14 Jahren zählen bei der Berechnung nicht mit. Zum engsten Familienkreis gehören Großeltern, Eltern, Kinder, Geschwister, Ehegatten, Lebenspartner und Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft sowie deren Haushaltsangehörige.

Damit reagierte die Bundesregierung auf Zwischenrufe von Menschen, die keine Familie haben, keinen Kontakt mit der Familie pflegen, die in anderen Konstellationen leben. Motto: „Geschwister, mit denen ich mich treffen könnte, habe ich nicht. Aber was ist mit meiner Cousine? Das ist meine nächste Verwandte!“ Auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hatte kritisiert, dass nur leibliche Verwandte als wichtigste Bezugspersonen gelten. Daraufhin war die Weihnachtslockerung etwas revidiert worden (siehe Grafik).

Die Einhaltung dieser Regeln obliegt der Polizei. Was bedeutet das? Wenn es an Heiligabend an der Haustür klingelt, muss man dann damit rechnen, dass draußen nicht der Weihnachtsmann steht, sondern der Kommissar, der nachzählt und prüft, wie viele Menschen in welchem Verwandtschaftsverhältnis gerade unterm Tannenbaum sitzen? „Natürlich nicht!“, sagt Polizeipressesprecher Stefan Hermann, „das könnten wir personalmäßig gar nicht stemmen.“ Allerdings: Kontrolliert werde durchaus, aber nicht anlasslos. „Wenn jemand anruft, weil in der Nachbarschaft eine Riesensause im Gange ist, gehen wir da schon hin, das wird wie eine Ruhestörung behandelt. Aber es muss konkrete Hinweise geben.“

Manche Menschen setzen als Vorsichtsmaßnahme deshalb auf Schnelltests vor Heiligabend, wie sie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in 15 Kommunen im Kreis Ludwigsburg anbietet. Wer sich jetzt noch anmelden möchte, hat allerdings Pech: Die 4200 Tests, die das Land Baden-Württemberg kostenlos zu Verfügung gestellt hat, sind bereits ausgebucht. „Die Leute sind total scharf drauf“, sagt Steffen Schassberger, Pressesprecher des DRK-Kreisverbands. Eigentlich waren die Tests für Menschen gedacht, die Verwandte aus Risikogruppen besuchen wollen, der Andrang war aber quer durch alle Bevölkerungsschichten groß. „Dabei“, sagt Steffen Schassberger, „ist der Test nur eine Momentaufnahme. Er sagt nichts darüber aus, wie die Lage acht Stunden später aussieht. Er ist halt eine kleine Beruhigung.“ Der DRK-Kreisverband wird an den Testtagen mit rund hundert Helfern vor Ort sein.

Hotels, die über Weihnachten geöffnet haben dürfen, melden allenfalls eine verhaltene Nachfrage.

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