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Weinbau

Weinbauverband sorgt sich um Absatz, Arbeiter und Förderung

Der Weinbauverband Württemberg hat über die hohen Anforderungen an die Branche, neue Vermarktungswege und das Thema Tourismus informiert.

Archivfoto: Holm Wolschendorf
Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Corona und die Folgen sowie einige anstehende Änderungen treibt die Winzer weiter um – das wurde bei der virtuellen Jahresauftakt-Pressekonferenz des Weinbauverbands Württemberg deutlich. War der Absatz aufgrund des Wegfalls zahlreicher bedeutender Kanäle 2020 schwächer als im Vorjahr, so setze sich das zu Beginn dieses Jahres fort. Wenngleich viele Betriebe durch Onlineshops und digitale Veranstaltungen den Weinverkauf über das Internet steigern konnten, kompensierten diese Zuwachsraten nicht die Verluste, die aus der Schließung von Gastronomie und den Absagen von Veranstaltungen resultierten, so Verbandspräsident Hermann Hohl. Auch von den Zuwächsen im Lebensmitteleinzelhandel profitierten nur wenige heimische Betriebe. Viele Verbraucher griffen dort zu Preiseinstiegs- und Billigweinen, die häufig aus dem Ausland kämen.

Die Winzer haben zudem Sorge, dass Saisonarbeitskräfte wegen Einreiseregelungen nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen könnten. Insbesondere die Ausweisungen von Mutationsgebieten könnten erhebliche Auswirkungen haben. Hier müssten frühzeitig Regelungen getroffen werden, um die Verfügbarkeit der Helfer sicherzustellen, so Hohl.

Ein weiteres Thema, das die Weinbranche umtreiben wird, ist die Novellierung der Weinverordnung, aus der das Bezeichnungsrecht für Weine hervorgeht. Während das Weingesetz bereits 2020 verabschiedet wurde, soll die Verordnung am 26. März im Bundesrat beschlossen werden und voraussichtlich Mitte des Jahres in Kraft treten. Präsident Hohl berichtete, dass die Schutzgemeinschaft Württemberg ebenfalls im März in einer Klausurtagung über die örtliche Umsetzung beraten werde. Die Schutzgemeinschaft definiert die Produktionskriterien im Weinbaugebiet und legt die möglichen Rebsorten, Hektarerträge und Bezeichnungen für Württemberger Weine fest. In den kommenden Jahren wird die Erarbeitung eines Profilierungskonzeptes für das Weinbaugebiet und dessen Umsetzung die zentrale Aufgabe des Verbandes werden. „Seit der letzten großen Weinrechtsreform in 1972 stellt das neue Weinrecht die größte Herausforderung für die Weinbranche dar. Es bietet die Chance, Württemberg auf dem internationalen Weinmarkt neu zu profilieren.“

In seinem Ausblick auf das aktuelle Vegetationsjahr und die Arbeiten der Winzer geht Hohl auf die Landesprogramme ein. In den vergangenen Jahren entstanden unter Mitwirkung des Weinbauverbandes zahlreiche Pilotprojekte, die mittlerweile auch in anderen Bundesländern angeboten werden. Mit der Förderung des Steillagenweinbaus und der Verwirrmethode sowie der Unterstützung des betrieblichen Risikomanagements durch Beteiligung des Landes an der Frostschutz- und Mehrgefahrenversicherung stehen den Winzern geeignete Mittel und Maßnahmen zur Verfügung. Ausdrücklich begrüßte Hohl die in einem weiteren Pilotprojekt neu geschaffene Möglichkeit der Förderung gemeinschaftlicher Infrastrukturen zur Bewässerung und Frostschutzberegnung.

Einen Einfluss auf die Förderkulisse des Landes wird aus der derzeit in Brüssel verhandelten Gemeinsamen Agrarpolitik resultieren. Förderungen werden zukünftig mit Ökoauflagen verbunden sein. In Baden-Württemberg hat man hierfür die Grundpfeiler bereits 2020 mit der Verabschiedung des Biodiversitätsstärkungsgesetzes gelegt. Weitaus mehr Sorge bereitet Hohl jedoch die Umsetzung des Aktionsprogramms Insektenschutzgesetz in Berlin. Die ursprüngliche Novelle des Naturschutzgesetzes wäre der Todesstoß für den Weinbau gewesen. Der in Baden-Württemberg bereits eingeschlagene Weg des „miteinander statt übereinander Redens“ sei der einzig zielführende. Im modernen Weinbau werden Insektizide seit Jahren durch die Verwirrmethode ersetzt, der integrierte Pflanzenschutz angewendet und durch die Dauerbegrünung der Rebzeilen Lebensraum für Insekten geschaffen.

Positiv stimmt laut Mitteilung offenbar das Thema touristische Vermarktung, hier nehme der Weinbau einen immer größeren Stellenwert ein. 2020 wurden etwa zahlreiche Weinbaugemeinden als „Weinsüden Weinorte“ ausgezeichnet, herausragende architektonische Beispiele erhielten im gleichen Jahr das neue Siegel „Wein & Architektur“. Dank des großen Engagements der Winzer werde das Angebot „von Jahr zu Jahr vielfältiger und professioneller“, so Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg. (red)