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Notfälle
Weiter Sorge im Kreis Ludwigsburg um die Rettung aus der Luft

Im Notfall kommt es auf jede Minute an – da kann auch ein Rettungshubschrauber die beste Lösung sein.Archivfoto: 7aktuell.de/Simon Adomat
Im Notfall kommt es auf jede Minute an – da kann auch ein Rettungshubschrauber die beste Lösung sein.Archivfoto: 7aktuell.de/Simon Adomat
Die erste Hürde haben die Kämpfer für den Erhalt des Rettungshubschrauber-Standorts Leonberg geschafft – doch nun herrscht mancherorts wieder Enttäuschung.

Hemmingen/Pattonville. Die Freude war riesig Anfang November, als die Marke von knapp 22000 geknackt wurde – nicht nur, weil diese nötige Zahl an Unterschriften gesammelt wurde, sondern weil das auch noch vor der eigentlichen Frist vier Wochen später passierte. Die Sammler sahen sich damit deutlich in ihrem Anliegen bestätigt, dass der Rettungshubschrauber Christoph41 an seinem Standort am Leonberger Krankenhaus bleiben und nicht wie vom Land angedacht in die Nähe von Reutlingen/Tübingen verlegt werden sollte. Doch trotz des Erfolgs – die Signale aus der Politik sind unverändert, sehr zur Verärgerung auch von Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer, der sich wie viele andere Kollegen und kommunale Gremien der Petition angeschlossen hatte.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats – er hatte sich noch nach Erreichen des Quorums Anfang November einstimmig hinter die Sache gestellt, um dem Ganzen mehr Gewicht zu verleihen – gab Schäfer die Antwort aus dem Innenministerium auf sein Begleitschreiben zur Kenntnis, nicht ohne entsprechende Kommentierung. „Mit wohlfeilen Worten“ habe der Staatssekretär darin begründet, wie es zu den Verlegungsplänen im Land kommt. Diese basierten nicht etwa nur auf abstrakten Einsatzradien oder Bevölkerungsschwerpunkten, sondern es sei das tatsächliche Notfallgeschehen zu Luft und am Boden in einem Bezugszeitraum „akribisch erfasst und ausgewertet“ worden, insgesamt über 290000 Notarzt- und 14000 Hubschraubereinsätze. Zudem sei mit Blick auf die Unterschiede Land/Ballungsraum eigens auch ein sogenannter Luftrettungsindex mit Berücksichtigung der Entfernungen zu den nächstgelegenen Notarztstandorten, der Auslastung des nächstgelegenen Rettungsmittels sowie Fällen mit besonders zeitkritischen Diagnosen (etwa Herzinfarkt oder Schädel-Hirn-Trauma) entwickelt worden.

Mit Pattonville und von Karlsruhe aus „bessere Versorgung“

Die Sorge, dass die Versorgung der Hemminger nach der Verlegung des Hubschraubers gefährdet sei, weil sie dann nur noch vom Standort Pattonville aus bedient würden, sei „unbegründet, um es zu klar zu sagen“, so Staatssekretär Wilfried Klenk. Ziel der Pläne sei es schließlich, die seit den Siebzigern bestehenden Strukturen zu untersuchen, um insgesamt eine bessere Versorgung aller Menschen im Land zu erreichen.

Und das gelte dann auch „deutlich“ für Hemmingen und die Umgebung, die weiterhin im Einsatzradius von Christoph41 und Christoph51 aus Pattonville lägen, zumal letzterer in einen 24-Stunden-Betrieb gehen soll. Ergänzend könne der westliche Teil des Kreises Ludwigsburg künftig auch von Christoph43 bedient werden. Dieser Hubschrauber ist derzeit am Baden-Airpark stationiert, soll aber nach dem Ende eines Umbaus zurück nach Karlsruhe ziehen, wohl noch dieses Jahr, so das Innenministerium auf Anfrage. „Versorgungsprobleme sind nach den Feststellungen der Gutachter in der gesamten Region auszuschließen, im Gegenteil“, so Klenk.

So ganz ausgeräumt sind die Bedenken aber nicht – Schäfer kündigte an, in einer Antwort ans Ministerium darauf zu dringen, dass auch die – oft nicht erreichten und politisch immer wieder diskutierten – bodengebundenen Fristen eingehalten werden. „Da sehen wir uns auch in einer Verantwortung gegenüber dem DRK, das sehr viele Einsätze übernimmt, vor allem als Helfer vor Ort.“ Er hatte überdies Einsatzzahlen angefordert, demnach kam der Hubschrauber 2020 zwar in sechs von zehn Fällen bereits aus Pattonville, im ersten Halbjahr 2021 dann aber mehrheitlich (sieben von neun) aus Leonberg.

Antworten von Abgeordneten auf Petition

Und auch andere haben sich zwischenzeitlich geäußert. Denn aufgrund des Erfolgs der Petition waren die Landtagsabgeordneten zu einem Votum aufgerufen. Dabei forderte etwa Hans-Dieter Scheerer (FDP Leonberg), dass nicht nur die Gutachter gehört werden sollten, sondern auch die Hubschrauber-Experten und die lokalen Verbände von DRK und THW – wobei vor allem die Position der Leonberger klar ist, hatten diese doch die Petition mitinitiiert. Scheerer sieht auch das Verhältnis zwischen Notfall- und Transportflügen, die gerade von Pattonville aus starten, vernachlässigt. Zudem sei das Land nicht auf die Kostenfrage eingegangen, warum man eine neue Station bei Tübingen schaffen wolle, wo doch Leonberg vor knapp zehn Jahren komplett saniert worden sei.

Aber vielleicht gibt es dazu bald weitere Antworten. Denn noch ist das Verfahren nicht abgeschlossen. „Die Regierungspräsidien arbeiten mit Hochdruck an den Umsetzungsbewertungen, welche sich jedoch aufgrund der Vielzahl der zu berücksichtigenden Faktoren als aufwändig erweisen“, so das Innenministerium auf Nachfrage. Der Abschluss der Arbeiten sei „derzeit noch nicht absehbar“ – ganz so schnell am Ziel sein wie die Petition wird man also sicher nicht.