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Kriminalstatistik

Weniger Einbrüche, mehr Gewalttaten

Die Zahl der Straftaten im Landkreis Ludwigsburg geht zurück, die Aufklärungsquote steigt – Dennoch bleibt für das Polizeipräsidium viel zu tun

Zahlen, Daten und Fakten auf knapp 100 Seiten: Polizeipräsident Frank Rebholz (Mitte) und sein Team präsentieren den Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Foto: Holm Wolschendorf
Zahlen, Daten und Fakten auf knapp 100 Seiten: Polizeipräsident Frank Rebholz (Mitte) und sein Team präsentieren den Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Als der Ludwigsburger Polizeipräsident Frank Rebholz am Montagnachmittag zum letzten Mal eine Kriminalstatistik präsentiert, bevor er im Mai in den Ruhestand geht, legt er auch ein Geständnis ab. Nur allzu gerne hätte Rebholz sich mit einem doppelten Erfolg verabschiedet: einer gestiegenen Aufklärungsquote und weniger Straftaten im Jahr 2018.

Doch dabei spielt der Landkreis Böblingen, für den sein Präsidium auch verantwortlich ist, nicht mit. Eine Serienstraftat in Herrenberg mit mehr als 2800 Fällen des Anlagebetrugs sorgt dafür, dass die registrierten Straftaten um 7,2 Prozent auf fast 41.000 Fälle steigen. Gegenläufig ist der Trend im Kreis Ludwigsburg: Hier zählen die Beamten gut 200 Straftaten weniger – nämlich 21.739.

Zufrieden bilanziert Rebholz zudem, dass der Anteil der aufgeklärten Delikte zum sechsten Mal in Folge gestiegen sei. Die Aufklärungsquote liege jetzt bei 66,4 Prozent. Der Polizeipräsident ist angesichts dieser Werte überzeugt: „Wir leben in einer der sichersten Regionen in Baden-Württemberg.“ Dennoch bleibe viel zu tun.

Straftaten gegen das Leben: 13 Morde und Totschlagsdelikte ermittelte die Polizei im vergangenen Jahr im Kreis Ludwigsburg, was sechs Fälle weniger als 2017 sind. Die meisten Delikte blieben im Versuchsstadium hängen. Der Leiter der Kriminalpolizei, Frank Spitzmüller, sagt: „Sämtliche Straftaten gegen das Leben wurden aufgeklärt.“ Was ihm Sorge bereitet: Dass Konflikte vermehrt mit Messern ausgetragen werden.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung kletterten 2018 auf ein Fünfjahres-Hoch. Im Kreis Ludwigsburg kam es nach Angaben der Polizei zu 300 Fällen (plus 67). Nach oben zeigen vor allem sexueller Missbrauch von Kindern, Verbreitung pornografischer Schriften und sexuelle Belästigung.

Immerhin: Vergewaltigungen sind im Kreis deutlich rückläufig. Hier sank die Zahl von 35 auf 28. Der Leiter der Kripo, Spitzmüller: „Wir haben auch keine Gruppen herummarodierender Flüchtlinge, die Frauen antatschen.“

Gewalt gegen Polizeibeamte: Sie erreichte laut Rebholz einen neuen Höchststand. Demnach wurden 165 Polizisten im Einsatz angegangen, was ein Plus von 12,2 Prozent darstellt. „Wir können uns diesen Trend nicht erklären“, sagte er gestern. Hilfe erhofft sich die Polizei nun durch den Einsatz von Körperkameras.

Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum: Darunter subsumiert die Polizei Angriffe auf Straßen und Plätzen, die das Sicherheitsempfinden der Menschen besonders berühren. Das Problem: Die Gewalt im öffentlichen Raum ist im Kreis Ludwigsburg gravierend gestiegen – von 1051 Fällen auf gut 1200. Allerdings wurde auch die Aufklärungsquote laut Polizei auf 87,2 Prozent verbessert.

Diebstahlskriminalität: Hier setzte sich der rückläufige Trend zum vierten Mal infolge fort. 5766 Fälle im Kreis sind so wenig wie seit mindestens zehn Jahren nicht. „Das gilt auch für Wohnungseinbrüche, die in beiden Landkreisen deutlich rückläufig sind“, so Rebholz. Das führt er auch auf die Arbeit spezieller Ermittlungsgruppen in Böblingen und Ludwigsburg zurück.

Flüchtlinge: Während Flüchtlinge landesweit offenbar weniger Straftaten begehen, zeigen die Zahlen im Kreis nach oben. Besonders bei Gewalt gegen Polizisten, Rauschgiftdelikten und Einbrüchen registrieren die Beamten zweistellige Zuwachsraten. „Die Qualität hat sich verändert“, sagt Rebholz. Bisher seien Flüchtlinge eher bei Ladendiebstählen oder als Schwarzfahrer auffällig geworden. Unter den Top fünf seien Menschen aus Syrien, Afghanistan, Gambia, Irak und Nigeria.

Der Polizeipräsident verabschiedet sich mit einer Kriminalstatistik in den Ruhestand, die aus seiner Sicht Licht und Schatten aufweist. Ganz von der Bildfläche wird Rebholz übrigens nicht verschwinden. Im Mai will der Ludwigsburger für die Grünen in den Kreistag einziehen.

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