Logo

Natur
Wenn eine Mücke den Garten in Korntal zur No-go-Zone macht

Lucas Auguanno spritzt in einen Wasserbehälter im Garten von Jutta Lindenmann ein Mittel gegen die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke.
Lucas Auguanno spritzt in einen Wasserbehälter im Garten von Jutta Lindenmann ein Mittel gegen die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke.
Das wichtigste Werkzeug im Kampf gegen den Krankheitsüberträger.
Das wichtigste Werkzeug im Kampf gegen den Krankheitsüberträger.
350_0900_44153_frei_3029005_67714758_Kopie.jpg
Die Asiatische Tigermücke ist erstmals in Korntal nachgewiesen – und plagt dort mit ihrer Angriffslust so manchen Gartenbesitzer. Nicht nur deshalb hat die Kommune jetzt professionelle Stechmückenbekämpfer zu Hilfe gerufen – doch ob das hilft?

Korntal-Münchingen. Lucas Auguanno hat einen dankbaren Job. Als er am Montagnachmittag in Korntal unterwegs ist, rennt der Mitarbeiter der Icybac GmbH – einem in Heidelberg ansässigen Unternehmen, das sich auf biologische Stechmückenbekämpfung spezialisiert hat – offene Türen ein. Gemeinsam mit einem Kollegen klingelt er an diesem Tag an 90 Haustüren, um in Korntaler Gärten potenzielle Brutstätten der Asiatischen Tigermücke ausfindig zu machen.

„Kommen Sie in den Garten“, sagt der Bewohner eines Mehrfamilienhauses in der Charlottenstraße, als er die Tür öffnet. „Sie können die Mücken gerne einzeln erschießen. Wir werden regelmäßig von denen gefressen, zu jeder Tageszeit.“ Dabei habe er gar keine Wasserstelle im Garten, berichtet der Mann. Im Garten eines Nachbarn aber befinde sich ein kleiner Teich – solche stehenden Gewässer bieten der Tigermücke optimale Voraussetzungen, um ihre Eier abzulegen. Um sich und seine Familie zu schützen, habe er für 200 Euro eine Fliegenfalle gekauft, erzählt der Mann und zeigt Auguanno ein Netz, in dem sich Hunderte von toten Mücken verfangen haben. Man könne keine fünf Minuten mehr auf der Terrasse sitzen. Sein kleiner Sohn sei schon so zerstochen worden, dass sich die Erzieherinnen im Kindergarten erkundigt hätten, ob er an einer Allergie leide. Im vergangenen Jahr sei es noch schlimmer gewesen. „Die Mückenfalle haben wir erst in diesem Sommer gekauft, das hat ganz gut funktioniert.“

Erster Nachweis vor zwei Jahren

Die vermutlich aus Italien eingeschleppte Tigermücke breitet sich seit einigen Jahren im Südwesten aus, in Korntal wurde sie erstmals 2020 nachgewiesen. Die Kommune sieht Handlungsbedarf und hat nun die professionellen Stechmückenbekämpfer zu Hilfe gerufen. Zudem informiert die städtische Umweltschutzstelle mit einem Flyer über die Tigermücke und gibt schon seit 2021 kostenlos sogenannte Bti-Tabletten aus, die in Wasserstellen ausgebracht werden und die Mückenlarven vernichten.

Viel geholfen habe das aber nicht, informierte die Stadtverwaltung im Frühjahr im Gemeinderat – und bat um zusätzlich 44000 Euro für den so bezeichneten „Häuserkampf“ sowie weitere Mittel für ein Monitoring mit aufzustellenden Fallen und deren Auswertung bis zum Jahr 2024. Geld, das Bürgermeister Joachim Wolf gerne vom Kreis oder dem Land dann wieder erstattet bekommen hätte, schließlich sorge man dafür, dass sich die als gefährlicher Krankheitsüberträger titulierte Art nicht noch mehr ausbreite. Doch Fehlanzeige.

Bti für Menschen ungefährlich

Mit Bti arbeitet aber auch Auguanno. „Das ist ein Protein von Bakterien“, erklärt er. „Für Menschen, Tiere und Pflanzen ist es völlig ungefährlich, nur eben nicht für die Stechmücken.“ Das Bti müsse alle vier Wochen ausgebracht werden, sonst könne sich die Tigermücke schnell verbreiten. Bei heißen Temperaturen um die 30 Grad brauche eine Mückengeneration gerade mal fünf bis sechs Tage, um sich von der Larve über die Puppe zum ausgewachsenen Insekt zu entwickeln.

Die Tigermücke legt ihre Eier in stehenden Teichen, aber auch in Regentonnen, Eimern, Gießkannen, Vogelbädern oder verstopften Regenrinnen ab. Schon kleine Wasseransammlungen in Schirmständern, Untersetzern von Blumentöpfen oder in Autoreifen reichen aus. Durch den Export von Autoreifen gelang es der Tigermücke wohl auch, ihre ursprüngliche Heimat in den südostasiatischen Tropen zu verlassen und sich in Afrika, Nord- und Südamerika sowie in Europa auszubreiten.

Auch sie werde häufig von Mücken gestochen, berichtet eine Bewohnerin in der Hans-Sachs-Straße, einer weiteren Station der Mückenbekämpfer. So häufig, dass sie sich eigentlich gar nicht mehr im Garten aufhalte, klagt die Frau. Ein klarer Fall für Auguanno, zumal die Plagegeister schon tagsüber zubeißen – das könnte auf die Tigermücke hinweisen, denn im Gegensatz zu heimischen Mückenarten sind die stechfreudigen Vampire nicht nur nacht-, sondern auch tagaktiv. Auguanno geht durch den Garten und gießt das Bti in sämtliche Regentonnen. Den Teich spart er aus, denn im Wasser tummeln sich Goldfische. „Die Fische essen sämtliche Larven auf“, weiß der Mückenbekämpfer.

Eher nur punktuelles Auftreten

Das Verhalten der Tigermücke gibt Rätsel auf, so Auguanno. In einem Garten werde sie zur Plage, aber mitunter könnten schon die Nachbarn ihren Grillabend ungestört genießen. Immerhin: Der Mückenbekämpfer hat eine beruhigende Botschaft für die Korntaler – zumindest vorläufig. In tropischen und subtropischen Gefilden überträgt die Tigermücke, wie das immer wieder auch die Stadtverwaltung betont hat, gefährliche Krankheitserreger wie das Dengue- oder das Zika-Virus. „In Deutschland ist das bislang nicht der Fall“, so Auguanno. Experten gehen aber davon aus, dass sich das in nicht allzu ferner Zukunft ändern könnte.