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Wenn Schüler sich Sorgen machen

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Heute erzählt Schulsozialarbeiterin Sarah Angst von ihren Erfahrungen mit Corona.

Instagram soll den Schulsozialarbeitern helfen, während des Lockdowns den Kontakt mit den Schülern aufrechtzuerhalten. Screenshot: LKZ
Instagram soll den Schulsozialarbeitern helfen, während des Lockdowns den Kontakt mit den Schülern aufrechtzuerhalten. Screenshot: LKZ
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Freiberg. Ein ganzes Team ist es, das sich in Freiberg – nicht nur in der OPS, sondern auch in den drei Grundschulen – um die Sorgen und Nöte der Schüler kümmert. Die Leitung der Schulsozialarbeit liegt bei Sarah Angst. Sie wird unterstützt von Elia Weberruss und Claudia Große sowie von ehrenamtlichen Konfliktmanagern. In normalen Zeiten hilft auch noch ein Absolvent eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) mit. Doch wegen Corona wurde die Stelle aktuell nicht besetzt. Dabei gibt es auch in der Pandemie Arbeit genug für die Schulsozialarbeit, wie Sarah Angst sagt.

Der erste Lockdown zum Start der Coronakrise sei auch für sie und ihr Team eine Herausforderung gewesen. Dass die Schüler plötzlich daheim und nicht mehr in der Schule waren, habe ein Umdenken erfordert. Wie erreicht man die Kids? Aber noch viel wichtiger: Wie erreichen die Schüler die Protagonisten der Schulsozialarbeit? „Also haben wir einen Instagram-Account erstellt“, sagt Sarah Angst im Gespräch mit unserer Zeitung. Unter „teamschulsozialarbeit“ gibt es dort die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und telefonischer Beratung. Neben Notfall-Telefonnummern, unter denen sich die Kinder und Jugendlichen bei Bedarf melden können – auch in den Ferien – gibt es dort alles Mögliche zum Entdecken. Tipps zum Lernen von Zuhause aus, zum Verhalten im Lockdown, Anleitungen zur Kritikfähigkeit, Rätsel, Rezepte, lustige Fakten, Motivationssprüche und vieles mehr ist dort zu finden. Keine Frage, dass die Seite auch beim aktuellen Lockdown aktiv und gut besucht ist. Immerhin 144 Personen haben sie abonniert. „Wir wollen den Schülern zeigen, dass wir für sie da sind und sie dazu ermutigen, über die Themen zu sprechen, die sie beschäftigen“, sagt Sarah Angst. Von zahlreichen ihrer Schützlinge hat das Schulsozialarbeitsteam sogar die Handynummern, um bei Bedarf schnell Kontakt mit ihnen herstellen zu können.

In der Zeit zwischen den beiden Lockdowns veränderte sich freilich auch die Kontaktaufnahme innerhalb der Schule. Die Schüler mussten im Gegensatz zu sonst einen Termin mit den Schulsozialarbeitern vereinbaren, „damit nicht wie sonst viele auf einmal kommen“, sagt Sarah Angst. Im Beratungsbereich sorgen Plexiglasscheiben für die notwendige Trennung. Diese Atmosphäre sei gewöhnungsbedürftig gewesen. Auch dass die Mimik hinter der Schutzmaske nicht eindeutig zu erkennen war, habe die Arbeit nicht gerade erleichtert. Mittlerweile sei aber auch an den Augen der Kinder und Jugendlichen viel abzulesen. Den Grundschülern in den drei Stadtteilen falle es unterdessen mitunter schwer, die Abstandsregeln einzuhalten. „Die rennen immer ganz gern auf einen zu“, sagt Sarah Angst und lacht. Dann müsse man sie in ihrem Übermut bremsen.

Mobbing, Ausgrenzung, Beleidigungen, körperliche Gewalt, Ärger, Stress – das Themenspektrum, mit dem Schüler zu den Sozialarbeitern kommen, ist groß. „Mit Corona sind neue Themen dazugekommen, während die alten immer noch präsent sind“, macht Sarah Angst deutlich, dass für sie und ihr Team die Arbeit zugenommen hat. Insbesondere während der Kontaktbeschränkungen beschäftigen viele Schüler vermehrt Beziehungsprobleme. Für sie stellt sich die Frage, wie man damit umgeht, wenn man die Freunde nicht mehr treffen kann. „Da haben schon einige Schüler Sorgen, ihre Freunde zu verlieren“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Sie zeigt ihnen dann Wege auf, wie sie die Freundschaftsbeziehungen gestalten und pflegen können. Manche Schüler empfinden die gesamte Situation rund um die Coronakrise als psychische Belastung, andere haben Schwierigkeiten damit, mit dem digitalen Unterricht und dem Lernen von zuhause aus klarzukommen. „Sie finden keine Struktur und können sich nicht motivieren“, sagt Sarah Angst. In der Folge kommen Bedenken dazu, ob bevorstehende Klausuren bestanden werden. Immer wieder äußern Kinder auch die Sorge, dass sich Familienmitglieder mit dem Coronavirus anstecken könnten, insbesondere dann, wenn diese zur Risikogruppe gehören. Hinzu kommen Existenzängste, wenn Kinder merken, dass die Coronakrise auch wirtschaftliche Auswirkungen haben kann. „Wir ermutigen die Schüler dann, ihre Eltern darauf anzusprechen und mit ihnen darüber zu reden“, so Sarah Angst.

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