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Widerstand gegen Abbruch der Vaihinger Stallscheune

Bauträgerin wartet Gutachten ab und will dann Bebauung planen – Initiative fordert Erhalt des historischen Gebäudes – Landtagsabgeordnete signalisieren Unterstützung

Das rund 6000 Quadratmeter große Gelände in der Vaihinger Stadtmitte: Links die Stallscheune, deren Zukunft weiter ungewiss ist. Foto: Alfred Drossel
Das rund 6000 Quadratmeter große Gelände in der Vaihinger Stadtmitte: Links die Stallscheune, deren Zukunft weiter ungewiss ist. Foto: Alfred Drossel

Vaihingen. Ein Vaihinger Aktionsbündnis kämpft weiter um den Erhalt der historischen „Engelschen Stallscheune“. Unterdessen wartet die Bauträgerin, die Wohnbau Oberriexingen, auf ein Gutachten. Erst wenn das vorliege, werde geplant, betont der Wohnbau-Geschäftsführer Kim Hasenhündl – und auch erst dann würde eine Entscheidung fallen.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses, Reinhard Wahl, befürchtet, dass die Eigentümerin den Abbruch der Stallscheune weiterhin betreibt. Wohnbau-Geschäftsführer Kim Hasenhündl bestätigt, dass seine Firma einen Abbruchantrag gestellt habe, aber gleichzeitig ein Gutachten über den Wert des Kulturdenkmals und die Wirtschaftlichkeit bei einer Sanierung in Auftrag gegeben habe. Hasenhündl rechnet damit, dass das Gutachten in drei Wochen vorliegt. Ursprünglich waren dort Wohnungen, aber auch Gewerbeeinheiten geplant. „Unsere Planungen passen sich in das Einzelhandelskonzept der Stadt ein“, sagt Hasenhündl.

Das Aktionsbündnis „Rettet die Stallscheune“ hatte gestern die Landtagsabgeordnete Barbara Saebel (Grüne), Sprecherin für Denkmalschutz und Kulturliegenschaften, sowie ihren Vaihinger Kollegen Markus Rösler vor Ort eingeladen, um über die Bedeutung von Kulturdenkmälern für eine Stadt und deren Schutzstatus zu diskutieren. Das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg hatte im Juli dem Abgeordneten Rösler mitgeteilt, dass eine Wirtschaftlichkeitsberechnung die Grundlage für die Entscheidung über Erhalt oder Abriss der Stallscheune sei.

Das Vaihinger Aktionsbündnis stellt nun fest, dass es nicht sein könne, dass ein wirtschaftlich sanierungsfähiges und vielfältig nutzbares Kulturdenkmal vom Eigentümer „abrissreif“ kalkuliert werde. Insbesondere dann, wenn mit dem Gesamtareal definitiv Geld verdient werden solle. Hier stellten sich wirtschaftliche, politische und nicht zuletzt moralische Fragen.

Dem Aktionsbündnis sei es wichtig, betont Wahl, der Öffentlichkeit und den Entscheidungsträgern in Verwaltung und Politik deutlich zu machen, dass der Erhalt der stadtbildprägenden Stallscheune nicht das „nette Hobby von linksökologischen, bürgerbewegten und geschichtsinteressierten Vaihingern“ sei, sondern eine Vorbildfunktion für die Bewahrung der historischen Altstadt von Vaihingen habe.

Ingeborg Braun-Frederick, Stadträtin der Bürger bewegen Vaihingen (BbV) ergänzte am Montag: „Wenn selbst der wirtschaftlich leistungsfähigen Wohnbau Oberriexingen der Abriss eines Kulturdenkmals allein aus wirtschaftlichen Gründen erlaubt würde, wem könnte er dann von Seiten der Denkmalbehörden noch ernsthaft verweigert werden?“ Die langfristigen Auswirkungen auf die Vaihinger Altstadt könnten verheerend sein.

Der örtliche Landtagsabgeordnete Rösler unterstreicht das Anliegen des Aktionsbündnisses: „Für Vaihingen wäre es ein Gewinn, wenn das Kulturdenkmal erhalten und wieder mit Leben gefüllt werden könnte. Die Argumente zur Wertigkeit der Stallscheune und des Bauten-Ensembles, die die überparteiliche Initiative vorbringt und die ich unterstütze, werden vom Landesamt für Denkmalpflege in vollem Umfang mitgetragen.“ Dies habe ihm der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer schriftlich bestätigt.

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