Logo

Landeswettbewerb

Wie Dörfer sich Zukunft sichern

Ortsvorsteher und Vereinsvertreter aus dem ganzen Land im Forum am Schlosspark – Ehrenamt spielt entscheidende Rolle

Bei einer Feierstunde im Forum hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz am Samstagnachmittag die Gewinner des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet. Die Preisverleihung ist eine Leistungsschau des Ehrenamts, das in ländlichen Gebieten einen hohen Stellenwert genießt.

Bürgermeister, Ortsvorsteher und Vereinsvertreter aus ganz Baden-Württemberg sind zur Preisverleihung des 26. Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ gekommen. Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, verleiht jeweils fünf Bronze- und Silbermedaillen sowie vier Goldmedaillen an Initiativen, deren Engagement zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum beigetragen hat. Zudem werden 14 Projekte mit Sonderpreisen ausgezeichnet.

Zu Beginn überrascht Hauk mit einigen augenzwinkernden, aber pauschalisierenden Breitseiten gegen Stadtbewohner. „Sie gehören zum glücklichen Drittel der baden-württembergischen Bevölkerung, das nicht in Städten wie Ludwigsburg, Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg wohnt“, begrüßt der Minister das Publikum. In ländlichen Kommunen stünden Zusammengehörigkeitsgefühl und Ehrenamt in voller Blüte. „Ländliche Gemeinden sind Mitmachgesellschaften, das fehlt in den Städten“, meint Hauk. „Davon könnte sich jeder in Ludwigsburg oder Stuttgart eine Scheibe abschneiden.“

Der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk sieht sich zu einer Antwort genötigt. Lebensqualität und ehrenamtliches Engagement gebe es durchaus auch in Ludwigsburg, betont Ilk. In den Stadtteilen seien dörfliche Strukturen mit intakten Vereinslandschaften noch vorhanden. Dennoch könnten die Städte vom Dorf lernen, räumt der Baubürgermeister ein. „Wir sollten schauen, was die Dörfer zu bieten haben und das Gute auch selbst nutzen.“

Carmen Hess sieht die Sache ähnlich pragmatisch. Sie ist Ortsvorsteherin von Eckenweiler, einem rund 560 Einwohner zählenden Ortsteil von Rottenburg (Landkreis Tübingen). Dort wurde vor zehn Jahren der Förderverein „Eckenweiler - Lebendiges Dorf“ gegründet und jetzt für „außergewöhnlich hohes Maß an Gemeinschaftssinn“ mit einer Bronzemedaille beim Landeswettbewerb ausgezeichnet. „Ich denke, dass Ehrenamt überall funktionieren kann, auf dem Dorf wie in der Stadt“, sagt die Ortsvorsteherin. „Aber es braucht dafür Leute, die vorangehen und akzeptiert werden.“

In Eckenweiler stand vor zehn Jahren die Auflösung des örtlichen Kindergartens im Raum, weil zu wenig Kinder auf die Welt kamen. Der Förderverein wurde ins Leben gerufen, um den Ort attraktiver für junge Familien zu machen. Die zwei wichtigsten Projekte waren die Finanzierung einer Blockhütte für Jugendliche und der Ausbau des Dorfhauses. Die Blockhütte wurde 2012, das Dorfhaus 2014 eingeweiht. 4000 Stunden ehrenamtliche Arbeit und 30000 Euro flossen in die beiden Projekte.

Nachdem diese Ziele erreicht waren, wurde im vergangenen Jahr über eine Auflösung des Fördervereins diskutiert, erzählt Hess. Doch die von Studenten der Fachhochschule Rottenburg ins Gespräch gebrachte Bewerbung für den Landeswettbewerb habe der Initiative neuen Schwung verliehen. Der Förderverein will jetzt ein Mehrgenerationenhaus in Eckenweiler bauen, zudem soll ein Repair-Café im Ort entstehen.

Mit seinen Angeboten habe der Förderverein das Dorfleben bereichert, sagt die Ortsvorsteherin. Neben den niedrigen Zinsen und der damit verbundenden Bereitschaft zu Investitionen im Immobilienbereich seien auch diese kulturellen und sozialen Angebote ein Grund dafür, dass in den vergangenen Jahren vermehrt junge Familien mit Kindern nach Eckenweiler zogen. „Wir haben es geschafft, den Ort in der Region bekannter zu machen“, zieht Hess nach zehn Jahren Förderverein eine positive Bilanz.

Ehrenamtliches Engagement steht auch in Müllheim-Feldberg hoch im Kurs, der im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gelegene Ort wird für „Anpackkultur“ und bürgerschaftliches Engagement mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Örtliche Vereine und Initiativen stemmen zum Teil seit Jahrzehnten eine Vielzahl an Projekten, das Feuerwehrhaus und ein Großteil der Gemeindehalle wurden in Eigenleistung ausgebaut. Jetzt soll ein neues Buch Einblicke in die Geschichte der im Ort beheimateten Familien bieten. Von den 600 Einwohnern sei praktisch jeder in einem Verein organisiert, sagt Ortschaftsrat Ulli Waldkirch, viele auch in mehreren Vereinen. „Man kann wirklich sagen, dass das Ehrenamt bei uns zu 300 Prozent gelebt wird.“