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Neue Ausstellung

Wie eine Rückkehr in die Kindheit

Das Gromusle in Gronau erweitert seine Ausstellung um das Thema „Spiele“ – Am kommenden Sonntag ist geöffnet

Kinderpost, Aquarium, Märchenwürfel, Halma, Mikado und Kartenspiele – die neue Ausstellung im Gromusle führt direkt in die Kindheit und macht Lust, mal wieder zu spielen. Fotos: privat
Kinderpost, Aquarium, Märchenwürfel, Halma, Mikado und Kartenspiele – die neue Ausstellung im Gromusle führt direkt in die Kindheit und macht Lust, mal wieder zu spielen. Foto: privat
Ein Tischkegelspiel: Hier darf man die Kugel auch selbst rollen lassen.
Ein Tischkegelspiel: Hier darf man die Kugel auch selbst rollen lassen.
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Oberstenfeld. Im Dunstkreis von Marbach kennt den Spruch vermutlich jeder, zumindest in seiner verkürzten Form: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt,“ schrieb Friedrich Schiller 1795 in seinem Text „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“. Am Sonntag kann man im Gromusle, dem Heimatmuseum im alten Gronauer Rathaus, ganz Mensch sein. Denn das engagierte Museumsteam hat die Ausstellung um das Thema „Spiele“ erweitert. Am Sonntag ist geöffnet.

Und wie immer bei den liebevoll aufbereiteten Ausstellungen des gar nicht so kleinen Museums wird man oft diesen Satz hören: „Ach, das hatte ich auch!“ Denn die neue Ausstellung ist eine Reise in die eigene Kindheit.

Das Museumsteam hat wieder einmal tief in die großen Kartons im Fundus gegriffen und dabei Bekanntes und Kurioses herausgeholt. „Es ist toll, was wir so alles haben“, freut sich Beatrix Hägele, eine der Kuratorinnen der Ausstellung.

Sie hat auch zu allen Spielen sorgfältig recherchierte Hintergrundinformationen zusammengetragen und dabei herausgefunden, dass manche Spiele seit Jahrtausenden bekannt sind – und in praktisch unveränderter Form gespielt werden. Murmeln zum Beispiel. 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung fanden Kinder in Ägypten heraus, dass man runde Steine anstupsen und rollen lassen kann. Spielt man zu mehreren mit vielen rollenden Steinen, macht das natürlich noch mehr Spaß. Ein Kind liebte das Spiel offenbar so sehr, dass man ihm bei seinem Tod runde Schmucksteine mit ins Grab legte. In den Palästen der Minoer auf Kreta spielten Kinder mit Murmeln, ebenso im alten Rom. Um 1500 herum wurde das Murmelspiel auch in Mitteleuropa bekannt; jetzt rollten keine Steine oder Nüsse mehr, sondern Kugeln aus Ton und seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch Glasmurmeln mit den geheimnisvollen bunten Einschlüssen. Mancher hütet seine Murmeln aus der Kindheit noch heute wie Schätze.

Oder „Mensch ärgere dich nicht“. Jeder kennt das Spiel auf dem quadratischen gelben Karton mit den bunten Männchen, das 1910 zum ersten Mal auf den deutschen Markt kam und sich bis 1920 eine Million Mal verkaufte, zum Preis von 35 Pfennig. (Ein Arbeiter verdiente in diesen Jahren rund 87 Mark im Monat.) Aber wer weiß schon, dass „Mensch ärgere dich nicht“ auf ein indisches Spiel namens „Pachisi“ zurückgeht und dass an orientalischen Höfen die Herrschaften gern Bedienstete auf riesengroßen Spielfeldern vor und zurück schoben? Die Mauren brachten das Spiel nach Spanien und so kam es nach Europa.

Auch Kegelspiele sind uralt: Entwickelt haben sie sich vermutlich aus den Zielwurfspielen germanischer Stämme in Mitteleuropa – da ging es mit Steinen gegen Knochen.

Nur eines konnte Beatrix Hägele trotz aller Recherche nicht herausfinden: Wer hat eigentlich das beliebte Kartenspiel „Schwarzer Peter“ erfunden? Wer etwas weiß, darf sich gerne melden.

Aber gespielt wird natürlich nicht nur mit den klassischen Brett- und Kartenspielen. Auf direktem Weg zurück in die Kindheit führt das Angelspiel: Wer geschickt ist, holt Fische oder auch einen alten Schuh per Magnet aus einem Karton.

Und dann gibt es noch Kinderbücher, „Hänschen im Blaubeerwald“ fehlt ebenso wenig wie die ersten in Deutschland verkauften Mickymaus-Hefte. In einer Glasvitrine stehen eine Kinderschreibmaschine, eine Kindernähmaschine und ein Kinderbügeleisen. Der wunderschöne alte Laden, in dem sonst Lebensmittel verkauft werden, hat sich in einen Spielzeugladen verwandelt.

Während diese Dinge nur betrachtet werden können, ist das große Tischkegelspiel auf dem ehemaligen Schreibtisch des Ortsvorstehers bespielbar. Eine kleinere Variante hatte das Gromusle-Team beim Neubürgerempfang dabei. „Und Sie glauben nicht, wer da alles gespielt hat!“, freut sich Beatrix Hägele noch heute. Der Mensch ist eben nur da ganz Mensch, wo er spielt.

Info: Das Gromusle in Gronau hat am Sonntag, 2. Juni, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Es gibt Kaffee und Kuchen.

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