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Verkehr

Wie geht’s weiter für den Anschluss?

Nach der Ablehnung der Vorschläge für den B 10-Knoten bei Müllerheim durch den Gemeinderat müssen Stadt und Regierungspräsidium über Lösungen verhandeln. Und das ist nicht die einzige Baustelle der Verwaltung.

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Die B 10-Anschlussstelle Müllerheim liegt nahe an der A 81 und zu nahe am Knotenpunkt bei Zuffenhausen. Sie soll deshalb Richtung Westen (rechts oben) verlegt werden. Foto: Werner Kuhnle
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Korntal-Münchingen. Viel Verkehr, viele Diskussionen, viele Neubauvarianten – und am Ende doch gar keine Lösung. So mancher dürfte bei der Sitzung des Korntal-Münchinger Gemeinderats ein Déjà-vu gehabt haben, als es um die erforderliche Verlegung des B 10-Knotens bei Müllerheim ging. Erforderlich zum einen, weil der Abschnitt der Bundesstraße zwischen der A 81 und Schwieberdingen auf vier Fahrspuren ausgebaut werden soll, und zudem der Abstand zur Anschlussstelle Zuffenhausen mit zwei Kilometern zu gering und damit nicht regelkonform ist. Das Regierungspräsidium hatte deshalb schon mit einer Schließung des Anschlusses gedroht (wir berichteten).

Sechs verschiedene Varianten lagen auf dem Tisch, einen davon hatten Stadtverwaltung und das RP schließlich favorisiert, und Bürgermeister Joachim Wolf war sich dabei auch der Zustimmung des Gemeinderats sicher. Doch letztlich war nur er es, der für die Variante 3a stimmte. Grund war, dass diese Variante zwar am wenigsten kostet und Fläche verbraucht, aber über Grundstücke einer Gärtnerei führt.

Das Ergebnis der gescheiterten Abstimmung musste Wolf nun dem Regierungspräsidium mitteilen. „Wir warten auf Rückmeldung zur Klärung der weiteren Vorgehensweise“, heißt es aus dem Korntaler Rathaus zum aktuellen Stand. Eine von der Behörde gesetzte Frist gibt es aber nicht, heißt es aus dem RP. „Wir sind und bleiben im Gespräch mit der Stadt.“ Ein Sprecher machte aber auch deutlich, dass es keinen Bestandsschutz für die Anschlussstelle gebe und sie auch wegfallen könnte, sollte es keine Einigung geben.

Doch die Anschlussstelle ist nicht die einzige Baustelle. Denn im Zuge des B 10-Ausbaus soll auch die überlastete „Tampoprint-Kreuzung“ südlich der Anschlussstelle ausgebaut werden. Und auch hier war es im Frühjahr 2015 ein bisschen ähnlich verlaufen wie bei der B 10. Im Prinzip waren sich zwar fast alle Stadträte einig, dass man dort etwas tun müsse, auch ein Gutachten hatte das belegt – wurden 2014 in der morgendlichen Spitzenstunde knapp 1800 Fahrzeuge gezählt, so wird 2030 mit über 2200 gerechnet. Favorisiert war von den Planern eine 1,2 Millionen Euro teure Lösung mit neuer Ampelanlage und unter anderem einer zusätzlichen Spur auf der südlichen Zufahrt zur B 10.

Doch dann stellte erst die eine, dann die andere Fraktion einen Änderungsantrag, mal für einen Kreisverkehr, mal für mehr Spuren. Die jeweiligen Anträge fanden nur Zustimmung bei den eigenen Leuten. An sich kein Problem, bis aber von einem Ratsmitglied der Hinweis kam, dass man, nachdem man eigene Vorschläge unterstützt habe, nicht mehr am Ende für den der Verwaltung votieren könne. Und der deshalb schließlich ebenfalls scheiterte.

Ein Scheitern, das man sich aber nicht leisten kann, auch wenn der ursprünglich so massiv geplante Ausbau zum regionalen Gewerbeschwerpunkt so nicht kommt. Doch schon jetzt staut sich rund um die Tampoprint-Kreuzung zu den Stoßzeiten der Verkehr. Kombiniert mit der Anschlussstelle kam das Ingenieurbüro deshalb zum Schluss: „Die gesamte Situation ist aus verkehrlicher Sicht als in Zukunft nicht leistungsfähig und in Bezug auf das Wohngebiet Müllerheim als unverträglich einzustufen.“

Die Stadt hat dabei auch die Zukunft des Gewerbegebiets im Blick. Immer mal wieder hat der Bürgermeister bei verschiedenen Gelegenheiten einfließen lassen, dass es dort angesiedelte Unternehmen gibt, die gerne erweitern würden, aber auch abwandern, wenn sie keine zusätzlichen Flächen dafür bekommen. Und auch wenn die Anschlussstelle Müllerheim zugemacht werden sollte, und der Verkehr dann durch Münchingen oder Kallenberg rollen müsste, dürfte das für den einen oder anderen den Ausschlag geben, woanders einen neuen Standort zu suchen.

Nicht nur deshalb heißt es aus dem Korntaler Rathaus: „Derzeit eruiert die Stadtverwaltung, wann die Planungen zur „Tampoprint-Kreuzung“ wieder aufgenommen werden.“