Logo

Energiekrise und Wärmehallen
Wie Gemeinden im Bottwartal ihren frierenden Bürgern helfen wollen

350_0900_43669_AdobeStock_302684866.jpg
Die Gemeinden sind auf eine eventuelle Gasknappheit vorbereitet und können ihren Bürgern Aufenthaltsmöglichkeiten in Wärmehallen bieten. Probleme wie Corona oder Knappheit anderer Rohstoffe erschweren die Situation aber zusätzlich.

Steinheim/Marbach/Großbottwar. Zu Hause sitzen im dicken Skipullover, mit Mütze und Schal: ein Horrorszenario, aber nicht ganz unrealistisch, wie auch der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter betont. „So wie sich die Gaspreise wahrscheinlich entwickeln werden, werden sich manche Familien überlegen müssen, ob sie die Heizung anmachen“, betont er. Schließlich spreche man von einer Verdrei- oder Vervierfachung der Kosten und damit vielleicht von 400 Euro statt 100 Euro pro Monat. Und die Strompreise steigen genauso wie die Lebensmittelkosten zusätzlich.

Die Stadt hat sich als mögliche Wärmehalle für frierende Menschen die Riedhalle ausgesucht. Die Gebäude auf dem Schulcampus sind an die Holzhackschnitzelanlage angeschlossen und somit vom Gas unabhängig. Zudem steht in der Riedhalle ein Notstromaggregat. Den Menschen soll ein Platz angeboten werden, um sich aufzuwärmen, sie sollen auch einen Tee oder eine heiße Suppe bekommen.

In Höpfigheim gibt es die Melchior-Jäger-Halle, die ebenfalls am Gas hängt, hier soll eine mobile Heizung mit Öl oder Diesel aufgestellt werden. „Hier hängt ja auch das Restaurant dran.“ In Kleinbottwar ist man noch auf der Suche nach passenden Räumen – die Bottwartalhalle ist zu groß und deren Lüftungsanlage nicht im besten Zustand. „Wenn gar kein Gas geliefert wird, werden wir überrannt“, befürchtet Winterhalter eine hohe Nachfrage. Ein Nachtlager könne man den Bürgern aber sicherlich nicht bieten, weshalb sich die Frage der Öffnungszeiten stelle.

Corona weiterer Aspekt des Problems

Aber auch das Thema Corona spiele hier mit hinein: „Wie sollen die Menschen zu Hause arbeiten, wenn sie es sich nicht leisten können, zu heizen?“, fragt sich Winterhalter. Und was tun mit den Menschen, die erkrankt sind, aber zu Hause frieren würden? „Schicke ich dann die alte kranke Oma mit positivem Coronatest in ihr kaltes Zuhause zurück?“, weist Winterhalter auf den gesellschaftspolitischen Sprengstoff hin.

Auch die Stadt selbst wäre von einer Gaskrise betroffen, in fast allen städtischen Gebäuden ist der Energieträger Gas. Das Absenken der Temperaturen wird geprüft, aber in Schulen, Kindertagesstätten und auch Sporthallen gibt es Vorgaben zur Mindesttemperatur, schließlich müssen die Gebäude frostgeschützt sein. Auch die Duschen einfach abzustellen sei nicht so einfach, da teilweise daran auch die Heizkreisläufe hängen. „Im Bestand gibt es da einige Herausforderungen“, so Winterhalter.

Auch in Marbach hat man sich dem Problem bereits gestellt. Die Stadt hat ebenfalls eine Holzhackschnitzelanlage im Schulzentrum, die Wärme erzeugen kann. Im Zuge des Ukraine-Kriegs hat die Stadt zudem Betten und sonstige Ausstattung für die Unterbringung von Flüchtlingen besorgt, „so dass wir präpariert wären“, so Bürgermeister Jan Trost. Da die Halle möglichst barrierefrei sein sollte, kommen nur die Karl-Nusser-Halle, die Stadionhalle und die Sporthalle im Lauerbäumle infrage. Kurzfristig einsatzbereit wären auch das Deutsche Rote Kreuz und die freiwillige Feuerwehr. Trost hat zudem bei Kreisbrandmeister Andreas Dorroch angeregt, eine landkreisweite Task Force zu gründen. Die Frage der Prioritätensetzung werde ebenfalls spannend, schließlich werden viele Kitas mit Gas geheizt.

Die beiden Rathäuser sind ebenfalls an die Gasversorgung angeschlossen, weshalb man hier eventuell mit Temperaturabsenkung arbeiten müsse. Warmwasser abzustellen sei nur bedingt möglich. Die Kommune fördere, dass ihre Mitarbeiter mit dem Rad kommen, dann könne man nicht so einfach die Duschen abschalten. Sobald die Sanierung der Fußgängerzone abgeschlossen ist, werden die Gebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen und sind dann unabhängig vom Gas. Große Unruhe gibt es bei den Kulturtreibenden wegen der Stadthalle. „Nach der Corona-Zwangspause bangen viele um ihre Existenz, wenn noch mehr ausfällt“, hat Trost erfahren. Auch die Netzstabilitätsanlage bereitet ihm Sorgen: Die Marbacher werde als eine der wenigen mit Heizöl betrieben, die meisten Anlagen in Bayern aber mit Holz. „Was bedeutet das also für unsere?“, fragt sich Trost. Bei der Entwicklung des Neubaugebietes in Rielingshausen habe man deshalb eine CO-neutrale Lösung gesucht und sie mit Erdkollektoren auch gefunden. An den Energiefressern wie Hallenbad, das 20 Prozent des Gases brauche, aber auch Stadionhalle und Haffnerhalle sei man noch auf der Suche nach Optimierung.

Auch Pellets werden teurer

Schon vor Corona hat die Stadt Großbottwar einen Notfallplan erarbeitet. „Wenn es einen großen Stromausfall gibt, fällt die Heizung auch aus“, erklärt Bürgermeister Ralf Zimmermann. Die Wunnensteinhalle verfügt über einen 200000- Liter-Öltank. 150000 Liter seien noch vorhanden, der jährliche Verbrauch liege bei 20000 Liter, da komme man also gut durch den Winter. In Hof und Lembach gebe es das Schulhaus, in Winzerhausen die Kelter. Kindergärten und das Schulzentrum könnten zur Not komplett mit Pellets beheizt werden. „Da gibt es nur zwei Nachteile: Auch die Pellets werden teurer und man kann keine großen Vorräte anlegen“, gibt Zimmermann zu bedenken. Auch Feldbetten habe die Stadt bereits gekauft. Allerdings bedeute die Nutzung einer Sporthalle als Wärmehalle auch immer, dass der Sport ausfalle, nennt er ein weiteres Argument, warum man immer mit Augenmaß handeln solle. Probleme gebe es im Rathaus, das komplett mit Gas beheizt werde.

Der Gemeinderat habe vor einiger Zeit die Ludwigsburger Energieagentur beauftragt, eine Wärmeplanung zu erstellen, das gehe aber auch nicht von heute auf morgen. „Da muss man sich auch überlegen, welche Wärmequelle man will“, so Zimmermann. In Winzerhausen gebe es Überlegungen, sich ans Ilsfelder Wärmenetz anzuschließen, da hier auch ein neuer Radweg gebaut werden soll. „Da kann man zumindest schon die Rohre legen“, sagt Zimmermann.