Logo

Artenschutz

Wildkatze findet auf ihrem Korridor in den Kreis zurück

Vor zwei Jahren wurde erstmals seit über 170 Jahren wieder ein Wolf im Kreis beobachtet, jetzt scheint auch eine zweite, ebenfalls im 19. Jahrhundert hier ausgerottete Wildtierart zurückzukehren: Bei Oberstenfeld wurde offenbar eine Europäische Wildkatze gesichtet – genau dort, wo ein Wildtierkorridor eine Artenschutzbrücke vom Schwäbisch-Fränkischen Wald zum Stromberg schlagen soll.

Die Wildkatze ist offenbar auch auf freier Wildbahn wieder im Kreis angekommen. Unser Foto zeigt ein Exemplar aus Tripsdrill. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Wildkatze ist offenbar auch auf freier Wildbahn wieder im Kreis angekommen. Unser Foto zeigt ein Exemplar aus Tripsdrill. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Oberstenfeld. Das Tier sei bereits vor einigen Wochen in den frühen Morgenstunden von einer Wildkamera des Jägers und Wildtierschützers Wolf Graf von Einsiedel aufgenommen worden, so die Natur- und Umweltschutzorganisation BUND. „Wahrscheinlich“ habe es sich um eine Wildkatze gehandelt. Ein eindeutiger Nachweis, dass es sich bei der Katze um ein Exemplar der sehr scheuen und bundesweit auf der Roten Liste stehenden Art handelte, fehlt allerdings noch.

Wild- und Hauskatzen unterschieden sich zwar in einigen Merkmalen, doch selbst Fachleute könnten sie „nicht immer eindeutig unterscheiden“, erläutert dies BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender: „Sicherheit bringt letztendlich nur ein Gentest!“ Daher werde der BUND zur kommenden Ranz – also zur Fortpflanzungszeit der Wildkatzen im Winter – Lockstöcke aufstellen. Der Baldrian an den Holzpflöcken verlocke die Tiere dazu, sich am Holz zu reiben und auf diese Weise Haar zu hinterlassen. Das Senckenberg-Forschungsinstitut soll diese Haarproben genetisch untersuchen, um so zweifelsfrei festzustellen, ob es sich auch wirklich um eine Wildkatze gehandelt hat.

„Die Lockstöcke und die genetischen Untersuchungen werden uns helfen, Wildkatzen zu identifizieren. Eindeutige Nachweise wären ein enormer Erfolg für unsere Arbeit und die vielen Aktiven des BUND“, sagt Dahlbender. Denn das Grundstück bei Oberstenfeld, auf dem die mutmaßliche Wildkatze vor die Kamera gelaufen ist, liegt am Beginn des vom Schwäbisch-Fränkischen Wald zum Stromberg verlaufenden Wildkatzenkorridors, den der BUND-Kreisverband Ludwigsburg seit 2017 plant und errichtet. Im Rahmen eines bundesweiten Wildkatzenprojektes schafft der BUND in ganz Deutschland solche grünen Korridore zwischen den Wäldern – Wege mit Sträuchern, Hecken und Bäumen, damit die Wildkatzen und andere Wildtierarten in der offenen Landschaft Deckung finden und Straßen oder andere gefährliche Barrieren überwinden könne. Dazu gehören Querungshilfen wie Grünbrücken. Die derzeit einzige im Kreis besteht zwischen Steinheim und Großbottwar, der BUND wünscht sich aber eine weitere Grünbrücke über die Autobahn81 auf Höhe des Kälblings.

Doch schon jetzt ist der Korridor im Norden des Landkreises dank einer Autobahnunterführung bei Winzerhausen für Wildtiere die einzige Querungsmöglichkeit zwischen Stuttgart und Heilbronn. Konkret „ausgerufen“ wurde er vom BUND im März 2018 – als zweiter Wildkatzenkorridor Baden-Württembergs. In den nächsten Jahren soll vor allem durch Pflanzungen eine vernetzte grüne Infrastruktur entstehen. Der Korridor im Kreis verknüpft dann nicht nur die Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald und Stromberg-Heuchelberg, er soll Wildtieren auch die Weiterwanderung vom und in den Nordschwarzwald ermöglichen.

Autor: