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Firmenporträt

„Wir fertigen fast alles vor Ort in Freiberg“

Familienunternehmen Mesto seit 102 Jahren im Gründungsort ansässig – Spezialist für Sprühgeräte kommt gut durch Krise, kämpft aber auch mit Folgen

Gespräch an der Kunststoffspritzmaschine: Mesto-Mitarbeiter Thomas Kiemle (links) mit Firmenchef Bernd Stockburger. Fotos: Holm Wolschendorf
Gespräch an der Kunststoffspritzmaschine: Mesto-Mitarbeiter Thomas Kiemle (links) mit Firmenchef Bernd Stockburger. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Pinsel in die Fettdose, Weichen einschmieren und nach sechs Wochen das verharzte Fett mit dem Schaber abkratzen – so, erzählt Bernd Stockburger, hat das früher im Eisenbahnwesen funktioniert. In den 90er Jahren entwickelte seine Freiberger Firma ein Gerät, mit dem dieses Prozedere vereinfacht werden konnte: In regelmäßigen Abständen flüssiges Fett auf die Weichen sprühen – und fertig. Abschaben muss man nichts mehr.

Stockburger ist Geschäftsführer der Firma Mesto, bei der es um die gleichmäßige und effiziente – also wirtschaftliche – Verteilung von Flüssigkeiten aller Art geht. Die tragbaren Sprühgeräte aus Freiberg kommen in vielen Bereichen zum Einsatz, vor allem im Bausektor, in der Landwirtschaft und der Reinigung. Beispiel Bau: Folien wurden früher aufwendig auf die Betondecke gelegt, heute werden sie in flüssiger Form aufgesprüht. „Das geht deutlich schneller“, sagt Stockburger.

Mit Hilfe von Mesto-Produkten wird auch desinfiziert und gewartet, werden Autofelgen gereinigt und Schädlinge bekämpft – besprühte Innenwände bekämpfen in Afrika Moskitos und verhindern laut dem Firmenchef so, dass Menschen an Malaria erkranken. Mesto beliefert außerdem den Fachhandel für Maler und Fließenleger, die die Freiberger Geräte fürs Tapetenlösen und den Haftgrund benötigen: Die Grundierung wird aufgesprüht anstatt, wie es früher üblich war, gewalzt.

Wichtig sei bei den Sprühgeräten die Ergonomie, betont Stockburger: „Der Griff darf beim Tragen nicht in die Hand schneiden.“ Auch dass die Hand nicht abgewinkelt werden müsse, das Gelenk gerade bleibe, sei ergonomisch sinnvoll – das unterstütze „ermüdungsfreies Arbeiten“. Für den effizienten Einsatz der Geräte sei die Düse entscheidend, mit der Menge und Tröpfchengröße „auf das genau passende Maß“ reguliert werden könnten. Das spare die Menge des eingesetzten, „häufig sehr teuren Sprühmittels“ und sei deshalb auch nachhaltig, betont Stockburger, dessen Firma weitere Schritte in Richtung Umwelt- und Klimaschutz geht.

Mit der Anschaffung neuer Maschinen „haben wir unseren Strombedarf in den vergangenen drei Jahren um 25 Prozent reduziert“. Mit dem Bau der neuen 3300 Quadratmeter großen Halle 2012 sei die Produktionsfläche zwar auf 9000 Quadratmeter gewachsen; „aber wir verbrauchen trotzdem nicht mehr Energie, weil wir die Prozesswärme aus der Produktion nutzen, um das Gebäude zu heizen“, so der Geschäftsführer.

Außerdem würden viele Geräte nicht mehr in Folie, sondern in Kartons verpackt – Mesto liefert jährlich mehr als 40000 Pakete in mehr als 60 Länder aus. Außerdem „gibt es bei uns jedes Ersatzteil, das garantieren wir, 20 Jahre lang, nachdem ein Gerät das letzte Mal produziert worden ist“, so Stockburger.

Die Firma kam vergleichsweise gut durch die Coronakrise – weil die Bauindustrie kaum pausierte und sich viele Menschen um den eigenen Garten kümmerten und dafür Sprühgeräte benötigten. Und weil es zu Beginn der Pandemie „einen Hype“ um kleine Sprüher für die Flächendesinfektion gegeben habe: „In diesem Bereich waren wir zeitweise ausverkauft“, sagt Stockburger.

Doch andere Folgen der Krise treffen auch Mesto, etwa die laut Stockburger „extrem hohen“ Rohstoffpreise. „2020 haben wir eine Tonne Stahl für 670 Euro eingekauft, jetzt zahlen wir dafür mehr als 1800 Euro.“ Auch die Preise für Kunststoff und Messing seien gestiegen. Die Folge: Die Kosten werden an Kunden weitergegeben, die Produkte um rund fünf Prozent teurer. Einige Materialien seien zudem oft nicht verfügbar. „Und es ist derzeit unmöglich, kurzfristig einen Container für den Export zu bekommen“, sagt Stockburger. Dafür sanken in der Coronakrise die Reisekosten „von hundert auf null“. Doch auch die für Firmen wie Mesto wichtigen Messeauftritte entfielen – was es schwieriger machte, neue Kunden zu gewinnen.

Ebenso die Frachtkosten für Produkte aus Asien haben sich erhöht, aber viel bezieht Mesto ohnehin nicht aus Fernost. „Wir fertigen fast alles vor Ort und beziehen die Rohstoffe, wenn möglich, aus Deutschland und Europa“, sagt Stockburger. Der Chef, sagen befragte Mitarbeiter der Firma, sorge für eine Atmosphäre „offener Türen und flacher Hierarchien“, die Zusammenarbeit sei „fair und menschlich“, heißt es. Das Unternehmen biete zudem viele Aufgaben in zahlreichen Bereichen – ob in Produktion, Verwaltung, Vertrieb und Logistik, ob in Metallverarbeitung, Oberflächenbehandlung und beim Spritzen von Kunststoffteilen. Die gesamte Wertschöpfungskette liegt dort in einer Hand, wo die Firma 1919 gegründet wurde – in Freiberg.

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