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Veranstaltungstechnik

„Wir geben nicht auf“

Keine Aufträge über viele Wochen: Ludwigsburger Firma Lautmacher trifft Krise mit voller Wucht

Umgeben von Veranstaltungstechnik: Michael Schopf im Lager seiner Firma. Foto: Holm Wolschendorf
Umgeben von Veranstaltungstechnik: Michael Schopf im Lager seiner Firma. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr gut und konservativ gewirtschaftet. Wir haben keine Schulden. Unser Equipment und unsere Fahrzeuge sind bezahlt. Einen kompletten Umsatzausfall kann aber kein Unternehmen über längere Zeit tragen“, sagt Michael Schopf, Inhaber der Firma Lautmacher, deren Kerngeschäft die Vermietung von Veranstaltungstechnik ist.

Die Coronakrise trifft das Ludwigsburger Unternehmen mit voller Wucht. Die Hälfte des Jahresumsatzes macht die Firma mit 26 Mitarbeitern (darunter sechs Auszubildende) in den Monaten von Mai bis August, 2019 wurde Lautmacher allein im Juli für mehr als 300 Veranstaltungen gebucht. Das wird in diesem Jahr wegen Corona anders sein: „Wir gehen davon aus, dass wir in diesen Monaten fast keinen Umsatz machen werden“, sagt Schopf. Nach und nach wurden alle Anfragen storniert, das Lautmacher-Auftragsbuch ist nun bis Ende Juli leer. „Es kommen aktuell auch keine Anfragen für die zweite Jahreshälfte.“ Schopf fürchtet, 2020 nur ein Drittel des bisherigen Jahresumsatzes von knapp drei Millionen Euro zu erreichen.

Wichtig seien nun „möglichst schnell günstige und langfristige Finanzierungshilfen, um die monatlichen Kosten in der umsatzlosen Zeit zu überleben. Wir haben früh reagiert, alle machbaren Kosten gesenkt und unsere Mitarbeiter früh in Kurzarbeit geschickt.“ Schopf ist skeptisch, dass die angekündigten staatlichen Hilfen schnell und unbürokratisch kommen: „Die Ämter sind komplett überlastet, die Erstattung oder Auszahlung von Kurzarbeitergeld kann noch Wochen dauern.“ Schopf hofft trotzdem: „Wir drücken die Daumen, dass es jetzt schnell geht.“

Auch Auszubildende betroffen

Lautmacher lagert mehr als 80 Tonnen Material – etwa Ton-, Licht-und Videotechnik, Stromversorgung, Bühnen und Eventmöbel –, mit dem laut Schopf jährlich mehr als 1400 Veranstaltungen ausgestattet werden. Die Firma stellt Fachpersonal, installiert Technik, plant und betreut Veranstaltungen. Zu Lautmacher-Kunden zählen etwa Unternehmen der Auto- und Zuliefererbranche, Kommunen, Kirchen, Industriekunden und Musiker.

Die Firma muss sich nun ohne Aufträge durch die kommenden Wochen kämpfen. „Wir geben auf jeden Fall nicht auf und versuchen unter allen Umständen, alle Mitarbeiter zu halten“, betont Schopf. „Ob wir das schaffen, hängt davon ab, wie lange es keine Veranstaltungen geben darf und wie unsere Kunden nach der Auszeit weiter machen. Hoffentlich überstehen das alle.“

Von der Krise sind auch Auszubildende der Branche betroffen. Angehende Veranstaltungstechniker müssen, als Teil ihrer Abschlussprüfung, einen sogenannten betrieblichen Auftrag ausführen, erklärt Schopf. Diese Aufgaben müssen bei Kunden vor Ort erledigt werden, was nun, nach Absage aller dafür in Frage kommenden Veranstaltungen, nicht mehr möglich ist. In dem für die Sommerprüfung vorgesehenen Zeitfenster von Februar bis Mitte Mai „sind somit auch viele Abschlussprojekte nicht mehr durchführbar“ – Projekte, die aber „für eine rechtskonforme Abschlussprüfung zwingend notwendig sind“ und auf die sich Azubis schon vorbereitet hätten, so Schopf. Damit nach Verschiebung und Streichung von Zwischenprüfungen wenigstens finale Tests stattfinden, gibt es eine in der Branche einmalige Regelung: Der betriebliche Auftrag ist kein realer, nur ein fiktiver, wird also ohne Publikum durchgeführt.

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