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Renovierung

Wirbeln für runderneuerte Orgel

Instrument in der Vaihinger Stadtkirche gilt als Kulturgut – Entscheidung für Orgelbauer aus Rommelshausen

Kantor Hansjörg Fröschle, Orgelbaumeister Tilman Trefz und Dekan Reiner Zeyher (von links) freuen sich. Foto: Albert Arning
Kantor Hansjörg Fröschle, Orgelbaumeister Tilman Trefz und Dekan Reiner Zeyher (von links) freuen sich. Foto: Albert Arning

Vaihingen. Der Organist strahlt und ist glücklich, der Dekan versprüht Zuversicht, der Orgelbauer ist zufrieden. Das sind Eindrücke einer Pressekonferenz zum Thema Orgel der Vaihinger Stadtkirche. Ihr technischer Neubau wird kommen. Unter vier Bewerbern hat der Kirchengemeinderat Tilman Trefz aus Rommelshausen einstimmig zum Sieger der Ausschreibung gekürt.

Seit vier Jahren wird unterm Kaltenstein das Projekt Orgelerneuerung betrieben. Der Orgelbau-Förderkreis hat breit in der Öffentlichkeit geworben, über 300 Patenschaften für Orgelpfeifen wurden abgeschlossen. Jetzt, so Dekan Reiner Zeyher, soll mit einer neuen Kampagne „gewirbelt“ werden. „Mein Ton in unserer Orgel“, heißt die Initiative. Erst wenn zwei Drittel der veranschlagten Kosten – 410 000 Euro – eingesammelt sind, wird der Vertrag mit der Orgelbauwerkstatt abgeschlossen.

„Wir sind guten Mutes, dass wir das bis November schaffen“, sagt Zeyher. „Es fehlen noch rund 60 000 Euro“. Gesucht werden vor allem Menschen, die eine Patenschaft für eine der 2400 Pfeifen übernehmen. Sie gibt es ab 25 Euro, die sichtbaren großen Pfeifen vorn im barocken Prospekt kosten 2000 Euro. Für die technische Erneuerung der Orgel gibt es übrigens keine Zuschüsse, die Kirchengemeinde muss das Vorhaben komplett selbst stemmen. Reiner Zeyher: „Die Orgel ist mit ihrer wunderbaren Akustik ein Kulturgut.“ Kirchliche und bürgerliche Gemeinde würden das Projekt gemeinsam schultern.

Orgelmusik hat in der Stadtkirche eine lange Tradition. Schon 1521 ist eine Orgel nachgewiesen. Das Aussehen und einige Pfeifen stammen von 1712. 1968 wurde ein neues Werk eingebaut. Allerdings wurde damals von einem renommierten Orgelbaubetrieb Material eingebaut, das aus heutiger Sicht völlig ungeeignet für die langlebige Nutzung und Klimabeständigkeit ist. Kirchenmusikdirektor Hansjörg Fröschle, der seit 35 Jahren Kantor in Vaihingen ist, klebt ständig Bruchstellen. Klapper- und Reibgeräusche stören, Töne bleiben hängen, Halterungen brechen ab. Schon 1978 war eine erste Renovierung notwendig, 2002 erfolgte eine weitere Instandsetzung. Inzwischen erscheint nur eine nachhaltige Lösung sinnvoll. Das wurde auch in einem Gutachten bestätigt.

Im Zusammenhang mit der 2021 anstehenden Innenrenovierung des Gotteshauses wird nun die große Lösung angegangen. Die erneuerte Orgel wird ins historische, acht Meter hohe Gehäuse eingebaut. Im Hauptwerk und im Positiv soll der barocke Klang einer typisch süddeutschen Orgel mit 39 Registern wieder auferstehen.

Orgelbauer Tilman Trefz hat unter anderem die Orgeln in Nagold und Horb saniert. „Die Vaihinger Orgel hat mit ihrem Materialmix erstaunlich lange gehalten“, meint der 42-Jährige. Er wird auf seitliche Anbauten verzichten und die symmetrische Gliederung des Gehäuses in klassischer Ordnung bewahren. Im hinteren (unsichtbaren) Bereich wird er die Technik asymmetrisch anordnen, denn der Zugang zum Turm muss natürlich erhalten bleiben. Das Klangerlebnis werde dadurch nicht gestört. Dazu kommt allerdings auch Elektronik. Schon jetzt freut sich Kirchenmusikdirektor Fröschle auf den künftig wärmeren Klang und auch darauf, Register (Klangreihen) im Voraus speichern zu können. Verschwinden wird übrigens das Rückpositiv am Rande der Empore. Seine 650 Pfeifen werden in die Hauptorgel eingebaut. Im Mai 2021 soll die Orgel komplett ausgebaut werden. In diesem Jahr steht die Innensanierung an. Ziel ist es, dass das Instrument am 1. Advent 2022 wieder erklingt. Der Orgelbauer hält den Zeitplan für „ambitioniert, aber nicht ausgeschlossen“.

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