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Stadtbahn

Wo 2021 Weichen gestellt werden

Mit Schwieberdingen ist eine sechste Kommune dem Zweckverband Stadtbahn beigetreten. Im neuen Jahr rücken nun der Zeitplan, der Kostenrahmen und die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über das Großprojekt in den Vordergrund.

Eine Stadtbahn auf dem Weg von Ludwigsburg nach Schwieberdingen: So stellt sich der ökologisch orientierte VCD die neue Nahverkehrswelt im Kreis Ludwigsburg vor. Foto: W. Bischof (p)
Eine Stadtbahn auf dem Weg von Ludwigsburg nach Schwieberdingen: So stellt sich der ökologisch orientierte VCD die neue Nahverkehrswelt im Kreis Ludwigsburg vor. Foto: W. Bischof (p)

Kreis Ludwigsburg. Die Zeiten, als Schwieberdingen bei der Stadtbahn auf das Abstellgleis rollte, sind vorbei. Im Sommer attestierte ein Gutachten der Gemeinde, dass ein Ast von Markgröningen oder Möglingen zum Gewerbegebiet technisch machbar wäre – und die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts nach Ludwigsburg und Remseck doch nicht gefährden würde. Schwieberdingen kann mit einem Pfund besonders wuchern: Seinem größten Arbeitgeber, dem Autozulieferer Bosch, der rund 6800 Menschen in der Gemeinde beschäftigt und ein großes Interesse an einer besseren ÖPNV-Verbindung hat.

Pünktlich zu Weihnachten hat jetzt auch die Schwieberdin- ger Kommunalpolitik einstimmig beschlossen, dem in diesem Herbst gegründeten Zweckverband Stadtbahn beizutreten, der das Vorhaben planen, bauen und betreiben soll. Die Gemeinde sitzt damit an einem Tisch mit dem Landkreis, der Kreisstadt Ludwigsburg, Markgröningen, Möglingen, Remseck und dem Zweckverband Pattonville.

Zu Beginn des kommenden Jahres soll das XXL-Projekt nun trotz der Pandemie wieder an Fahrt aufnehmen. Auf dem Programm stehen die konstituierende Sitzung des Zweckverbandes und die Wahl eines Geschäftsführers. Hohe Priorität räumt Landrat Dietmar Allgaier auch den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über den Erwerb der Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg ein, die zuerst in Betrieb gehen soll. Ein Sprecher des Landrats sagt unserer Zeitung: „Bisher sind die Gespräche gut verlaufen. Wir wollen sie jetzt zielgerichtet fortsetzen.“ In der Vergangenheit hat sich die DB bei vergleichbaren Projekten stets als hartnäckiger Verhandlungspartner gezeigt.

Die Kosten für das Mammutvorhaben werden derzeit auf rund 216 Millionen Euro geschätzt. Dazu gehören die Reaktivierung der Markgröninger Bahn sowie die Herstellung von drei innerstädtischen Linienästen nach Ludwigsburg-Schlösslesfeld, Oßweil und Remseck-Aldingen. Im Kreis rechnet man damit, dass noch etwa 32 Millionen Euro an Planungskosten obendrauf kommen. Das Manko an der Rechnung: Sie hat schon einige Jahre auf dem Buckel.

In die Karten spielt den Projektpartnern aber, dass der Bund seine Zuschüsse kürzlich auf 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten erhöht hat. Die Kofinanzierung des Landes erstreckt sich auf 57,5 Prozent der vom Bund nicht abgedeckten Bau- und Planungskosten. Für die Markgröninger Bahn könne sich das Engagement des Bundes gar auf 90 Prozent am Invest erhöhen, weil der Gesetzgeber Reaktivierungen besonders berücksichtigen will. Allerdings sind laut Kreis noch nicht alle Einzelheiten abschließend geklärt.

Die Freien Wähler und die Grünen drücken im Kreistag deshalb aufs Tempo. Sie haben vor der Weihnachtspause einen gemeinsamen Antrag eingebracht, der auf den Zeitplan und die Kosten abzielt. Sie wollen im ersten Quartal 2021 wissen, wann mit dem Baubeginn und der Inbetriebnahme der Markgröninger Bahn und der Ludwigsburger Innenstadtstrecke zu rechnen ist. Darüber hinaus fordern sie ein Konzept, aus dem hervorgeht, in welcher Höhe und wann Mittel für Investitionen notwendig werden – und wie sich Bund und Land an der Stadtbahn konkret beteiligen. „Derzeit ist unklar, wann die weiteren Schritte für die Umsetzung der Stadtbahn erfolgen und welche Kosten dafür anfallen“, heißt es in dem Antrag der beiden Fraktionen. Die Freien Wähler und der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) halten einen Start der Markgröninger Bahn ab 2023 für denkbar.

Die Kreisverwaltung arbeitet nach eigenen Angaben bereits an der Erstellung des Zeitplans, so wie er zum jetzigen Stand des Projekts vorgelegt werden könne. Dasselbe gelte für den angefragten Kostenplan. „Der Antrag entspricht der Vorgehensweise der Kreisverwaltung“, so der Sprecher des Landrats. Der Detailierungsgrad werde sich mit der Fortentwicklung des Projekts weiter ausdifferenzieren.

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