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Wo Masken keine Mangelware mehr sind

Private nähen für Aldinger Wohngruppe der Lebenshilfe – Mensateam wechselt Job

Freude bei allen Beteiligten: v.l. Annika Müller (Hygienebeauftragte), Siegfried Tabler (Heimbeirat), Oliver Nothdurft (Behindertenbeauftragter),Daniela Fosseler (Heimbeirätin),Jörg Dauenhauer-Gutstein (Einrichtungsleiter) sowie die Näherinnen Anett
Freude bei allen Beteiligten: v.l. Annika Müller (Hygienebeauftragte), Siegfried Tabler (Heimbeirat), Oliver Nothdurft (Behindertenbeauftragter),Daniela Fosseler (Heimbeirätin),Jörg Dauenhauer-Gutstein (Einrichtungsleiter) sowie die Näherinnen Anett Wolf und Jasmin Pfisterer. Foto: Ramona Theiss

Kreis Ludwigsburg. Schutzmasken sind ein echtes Mangelprodukt – doch dass man diese auch selbst herstellen kann, zeigen derzeit immer mehr Freiwillige. Denn der Bedarf ist da, zeigt etwa der „Hilferuf“ der Lebenshilfe Ludwigsburg, die sich kürzlich an den Behindertenbeauftragten der Stadt Remseck, Oliver Nothdurft, wandte. Es ging um eine Wohngruppe in Aldingen, in der Menschen mit Einschränkungen zusammen mit ihren Betreuern leben. Dort fehlte es unter anderem an Schutzmasken. Oliver Nothdurft fackelte nicht lang und rief in seinem Netzwerk zum Maskennähen auf, Anleitungen finden sich im Internet inzwischen ja zuhauf.

Der Remsecker Behindertenbeauftragte berichtet nun, dass er im positiven Sinne „überrannt“ worden sei. Er bekam Stoff in Form von einem halben Schrank voll Leintüchern und Bettbezügen der kürzlich mit 90 Jahren verstorbenen Tante, mit Monogramm bestickt, gestärkt und mit Seidenbändern zusammengefasst. Einige ältere Frauen hätten ihren Wäscheschrank geöffnet und beste Aussteuerwäsche aus ihren jungen Jahren zur Verfügung gestellt. Auch an fleißigen Näherinnen mangelte es nicht. Zudem meldeten sich Menschen, die zwar nicht nähen können, aber gerne beim Zuschneiden der Stoffe in die Maskenform helfen wollten, berichtet Nothdurft weiter.

Die Resonanz und Hilfsbereitschaft war enorm, so dass die Lebenshilfe innerhalb von vier Tagen 140 Masken erhalten hat. Eine Zahnarztpraxis aus Aldingen habe zusätzlich 100 Einwegmasken für dringende Termine außer Haus zur Verfügung gestellt. In einer Mitteilung der Aldinger Einrichtung heißt es, dass die Bewohner die selbstgenähten Masken mit Freude benutzten. Auch die Korntal-Münchinger Sozialstation war von dem Mangel betroffen, wie die anderen Pflegedienste bekomme sie keine Schutzausrüstung mehr über den Landkreis, teilte die Stadt mit. Abhilfe schaffen nun die Mitarbeiterinnen der Realschul-Mensa. Die hatten die schulfreie Zeit zunächst zum Großputz genutzt, sich nach Bekanntwerden der Not aber sofort bereit erklärt, in die Produktion von Mundschutzmasken einzusteigen.

Nach der zügigen Beschaffung von Stoff- und Gummibandspenden aus dem Kollegenkreis, sitzt das Mensateam nun seit Mittwoch vergangener Woche an den Nähmaschinen der Realschule und produziert unermüdlich Masken. 100 hatten sie bis Freitag geschafft. „Wir freuen uns sehr über die Bereitschaft zu dieser wichtigen Aktion und sprechen unseren herzlichsten Dank aus“, so Fachbereichsleiter Michael Siegel. Und die Aktion bekommt nun weitere Unterstützung. Denn auch das Mensateam der Flattichschule hat angeboten, bei Bedarf in die Herstellung der Mundschutzmasken einzusteigen.

Im Ditzinger Pflegezentrum Haus Guldenhof werden ebenfalls noch dringend Masken gebraucht, weshalb die Fördervereinsvorsitzende dringend nach Nähern sucht. Schnittmuster und Stoff sowie Gummi gibt es bei der Heimleiterin Sigrid Hessler. Sie ist unter der Telefonnummer (0 71 56) 3.09.00.13 zu erreichen.

Ohnehin gibt es derzeit zumindest von einem reichlich: Anleitungen. Das Kernzeitteam Hochdorf hat aber auch an die ohne Internetanschluss gedacht und ein Schnittmuster für verschiedene Gesichtsgrößen im Amtsblatt veröffentlicht (für alle abrufbar unter www.eberdingen.de, Rathaus, Mitteilungsblatt KW 14). (red)