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PROJEKT

Wohlfühloasen für Mensch und Tier

Der Naturschutzbund und die Evangelische Heimstiftung haben sich für ein Projekt zusammengeschlossen: Gemeinsam säen, gießen, ernten, staunen – das soll auch in den Gärten von fünf Seniorenheimen im Landkreis künftig möglich sein. Deren Grünflächen werden naturnah umgestaltet. So entstehen kleine Wohlfühloasen für Bewohner und Mitarbeiter der Häuser und gleichzeitig wird etwas für den Erhalt der Artenvielfalt getan.

Auch der Garten des Ingersheimer Karl-Ehmer-Stifts wird im kommenden Jahr naturnah umgestaltet.Foto: Holm Wolschendorf
Auch der Garten des Ingersheimer Karl-Ehmer-Stifts wird im kommenden Jahr naturnah umgestaltet. Foto: Holm Wolschendorf

KREIS LUDWIGSBURG. Der Naturschutzbund Baden-Württemberg (Nabu) und die Evangelische Heimstiftung starten heute ein gemeinsames Projekt. „Blühende Gärten – miteinander für mehr Vielfalt“ wird es genannt. Ziel der Kooperation ist es, Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben und arbeiten, neue Erlebnisse zu ermöglichen und zugleich Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Co einen geeigneten Lebensraum zu schaffen. Im Zuge des Projektes sollen bis März 2022 und mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg Grünflächen von insgesamt 15 Seniorenheimen in der Region naturnah umgestaltet werden. Mit dabei sind auch fünf Einrichtungen im Kreis Ludwigsburg. Das Haus an der Metter in Bietigheim und das Karl-Ehmer-Stift in Ingersheim gehen jetzt an den Start. 2021 steigen das Karl-Gerok-Stift in Vaihingen, das Haus am Enzpark in Bissingen und das Pflegehaus Wittumhof in Ludwigsburg ein. Anwohner seien eingeladen, die Entwicklung der neuen Grünflächen zu begleiten und Anregungen für die eigene Gartengestaltung selbst aufzugreifen, so der Nabu.

Seit 2014 gibt’s das „Grüne Segel“

Die Evangelische Heimstiftung ist der größte Pflegeanbieter im Land und hat bereits seit 2014 ein eigenes Umweltmanagementsystem. Das Prädikat heißt „Grünes Segel“. Zum einen will sie damit ihrer diakonischen Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung gerecht werden, zum anderen nachhaltige Betriebsführung in ihren Häusern fördern sowie das Umweltbewusstsein der Mitarbeiter stärken. Die Idee für die neue Kooperation hatte Martin Suchaneck, der bei der Heimstiftung Referent für Umweltschutz ist und gleichzeitig Mitglied beim Nabu. „Naturnahe Gärten waren bei unserem Umweltmanagement schon immer ein Thema“, berichtet Suchaneck im Gespräch. Schließlich verfügten einige Einrichtungen der Heimstiftung über große Grünflächen. Er habe Kontakt zum Nabu aufgenommen, und im vergangenen Sommer sei die konkrete Projektidee schon entwickelt gewesen. Der Nabu habe sich dann um Fördermittel bemüht. Die 15 Einrichtungen, die für das Projekt ausgewählt wurden, haben alle das „Grüne Segel“ schon eingeführt. Entscheidend für die Projektteilnahme sei auch die Situation vor Ort gewesen, so Suchaneck. Insgesamt werde eine Fläche von 15 Fußballfeldern naturnah gestaltet. Ganz bewusst habe man sich bei der Auswahl der Einrichtungen auch für Häuser mit kleinen Gärten wie das Karl-Ehmer-Stift in Ingersheim entschieden. Es soll gezeigt werden, dass auch dort eine naturnahe Gestaltung möglich ist und Sinn macht.

Gemeinsam mit Bewohnern, Angehörigen, Mitarbeitern und auch Anwohnern soll nun überlegt werden, wie man durch die Gartengestaltung einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und gleichzeitig eine Wohlfühloase schaffen kann, erklärt Suchaneck. Zunächst werde bei einem Fachvortrag theoretisches Wissen vermittelt, dann folge ein Praxisseminar mit einem Gartengestalter. Vor Ort soll gemeinsam das Konzept für die Umgestaltung des Grünbereichs entwickelt werden. In Ingersheim und Bietigheim sind diese Vorbereitungen noch 2020 geplant. „Gemeinsam gebuddelt wird aber erst nächstes Frühjahr“, kündigt der Umweltreferent an, der bei den Aktionen selbst dabei sein wird. Er räumt ein, dass sich einige Senioren nicht mehr aktiv am Projekt beteiligen können. Aber am Ergebnis könnten sich alle erfreuen, so Suchaneck. Ihm ist auch klar, dass das Projekt zusätzliche Arbeit mit sich bringt. Dennoch sei er in allen ausgewählten Häusern auf Begeisterung für seine Idee gestoßen, versichert der Umweltreferent. „Es hat keine einzige Ablehnung gegeben. Offenbar tut es in Zeiten wie diesen auch mal gut, nicht nur an das Tagesgeschäft zu denken.“

Die Hausdirektorin des Ingersheimer Karl-Ehmer-Stifts, Kerstin Wulle, ist froh, dass ihr ehrenamtliche Helfer für die Umsetzung des Projekts zur Verfügung stehen. Auch der Hausmeister werde mitanpacken, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Alles, was getan werde, müsse sich in den Alltag integrieren lassen. Die Einrichtung hat dieses Jahr das „Grüne Segel“ der Heimstiftung verliehen bekommen. Da sei es nur konsequent, bei dem neuen Projekt mitzumachen, findet Wulle. Die Fläche, die neu gestaltet werden soll, liegt auf der Rückseite des Stifts, kann laut Hausdirektorin aber von den Aufenthaltsräumen aus gut eingesehen werden. So hätten alle etwas davon, auch diejenigen, die sich nicht mehr aktiv einbringen können. Bereits nächste Woche sollen der Einführungsvortrag und die Begehung des Geländes stattfinden.

Mitstreiter aus dem Quartier gesucht

Das Haus an der Metter in Bietigheim verfügt über einen wesentlich größeren Grünbereich mit Baumbestand. „Ich war sofort begeistert von dem Projekt“, sagt Hausdirektorin Ursula Uhlig. Kleinere Aktionen zur naturnahen Gestaltung des Gartens habe es schon gegeben. So wurden Insektenhotels gebaut und Mini-Wassertümpel angelegt. Ende November startet das Nabu-Projekt mit einer Begehung. „Da überlegen wir, was wir verbessern wollen und welche Kooperationen wir für die Umsetzung eingehen können“, so Uhlig. Ein wichtiger Aspekt sei es schließlich, das Quartier einzubeziehen.

Beim Nabu freut man sich über die neue Kooperation. „Dass wir von der Planung bis zur Umsetzung dabei sind, ist für uns neu“, sagt Projektleiterin Aniela Arnold. Aktionen zur Gestaltung von naturnahen Gärten seien bisher mit Privatpersonen und Vereinen gelaufen. Der Verband berate zudem Kommunen beim Anlegen von öffentlichen Grünflächen.

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