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Einweihung

Wohnen in der Mitte, toben in der Rinne

Korntal feiert sein neues Zentrum: 55 Wohnungen, ein Supermarkt und Hochwasserschutz mit Spielplatz – Schultes: Wir sind noch nicht am Ende

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Zentral wohnen, einkaufen und spielen: Korntals neue Mitte. Die Stadt steckte 2,5 Millionen Euro in das Projekt, ein Investor satte 20 Millionen. Fotos: Benjamin Stollenberg
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Korntal. Ein Spielplatz in der „Regenrinne“. Das ist das herausstechende Element von Korntals neuer Mitte. Und der neu gestaltete Platz rund um das ebenfalls neue Wohnhaus mit dem Supermarkt, die aber ein privater Investor baute.

„Es ist ein typisches Schubladen-Projekt“, sagte Bürgermeister Joachim Wolf bei der offiziellen Einweihung am Dienstagabend. Denn fast 30 Jahre alt sind die ersten Überlegungen, das Gelände an Brunnen-, Mirander und Goerdelerstraße gegenüber der Grundschule zu überplanen. 1990 wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt, dessen Entwürfe allerdings ad acta gelegt wurden. 2010 wurde die verfahrene Karre wieder freigeschaufelt.

Zwei Platzregen fluteten das Gelände um den früheren Feuersee. Bis zu einem Meter hoch stand das Wasser 2009 und 2010 auf dem Parkplatz. Auch deshalb wurde ein Gesamtkonzept für das Areal entwickelt. „Zentral war, die Goerdelerstraße mit allen Versorgungsleitungen zu verlegen, um überhaupt ein Baugelände mit vernünftigem Zuschnitt zu bekommen“, betonte der scheidende Technische Beigeordnete der Stadt, Ralf Uwe Johann, der das Projekt maßgeblich vorantrieb. Gleichzeitig wurde die Brunnenstraße vom Verkehr abgehängt. Damit sei nun ein gelungener und lebendiger Begegnungsort für die Bürger geschaffen worden.

Insgesamt wurden zwei Häuser mit Nebengebäuden abgerissen, um Platz zu schaffen. 250 000 Euro kostete das. Vor allem für das Projekt eines privaten Investors, der dort für 20 Millionen zwei Häuser mit 55 Wohnungen, die alle lange vor dem Richtfest verkauft waren, eine Gastronomie und den Edeka-Supermarkt baute, trotz stolzer Preise. Die Anlieferung des Vollsortimenters mit 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche ist ins Gebäude integriert. Der eröffnete vor stark einem halben Jahr. Unter dem kompletten Gelände erstreckt sich eine große Tiefgarage mit rund 120 Stellplätzen plus denjenigen, die den Wohnungen zugeordnet sind. Das waren nur knapp 50.

Das Retentionsbecken, das künftig Wolkenbrüche abfedern soll, fasst oberirdisch 300 Kubikmeter Wasser. In diesem Becken ist ein Spielplatz angelegt. Pfahlbauten und Brücken werden von den Kindern begeistert angenommen. Trotz Mikrofon müssen bei der Einweihung die Ohren gespitzt werden, um den Reden zu folgen. Darunter sind sogenannte Rigolen verbaut, die noch einmal 700 Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Insgesamt doppelt so viel, wie der alte Parkplatz schluckte.

Das Kriegerdenkmal wurde abgebaut und am Feuerseeweg wieder aufgestellt. Es ist ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Vermisst, aber nicht vergessen“, der 1962 vom Verband der Heimatvertriebenen eingeweiht wurde. Ebenfalls umgezogen sind die Reste des Steinhauses. Ein Gebäude aus der Frühzeit Korntals. Erst Waschhaus, später Backhaus und bis 1960 genutzter Polizeiarrest. 1984 wurde es bis auf ein Außenwandfragment abgebrochen.

Die Stadt Korntal-Münchingen kostete das Projekt rund 3,5 Millionen Euro. Den kommunalen Haushalt belastet es allerdings kaum, weil es weitgehend über Landeszuschüsse und Grundstücksverkäufe finanziert wurde.

Ganz neu ist der Bücherschrank, der vom Freundeskreis der Stadtbücherei an zentraler Stelle aufgestellt wurde: ein ausrangierter Getränkekühlschrank, der neu beklebt wurde. Veronika Unfried lädt Leseratten ein, sich dort zu bedienen oder Ausgelesenes in gutem Zustand dort abzugeben. Derzeit sind rund 50 Bücher für alle Altersgruppen und Interessenlagen zu haben. „Wir werden das Angebot und das Umfeld pflegen“, kündigte sie eine „coole Sache“ an. Von der Mittwochsgesellschaft wurde zudem an der Bürgerbus-Haltestelle an der Johannes-Daur-Straße eine seniorengerechte Bank spendiert.

Bürgermeister Wolf dankte den Anwohnern, dass ihnen während der dreijährigen Bauphase der Geduldsfaden nicht riss. Trotz des vielen Lärms und Drecks. Er hoffe, dass das Ergebnis für die Unbill entschädige, dass der Platz angenommen und benutzt werde.

Wolf kündigte an: „Wir sind noch lange nicht am Ende.“ Als Nächstes soll nämlich das alte Feuerwehrhaus abgerissen werden, in dem noch Hort und Rotes Kreuz untergebracht sind. Dort sollen drei Stadtvillen gebaut werden. In einem dritten Schritt soll noch ein weiteres Wohn- und Geschäftshaus an der Mirander Straße entstehen. Wann das alles umgesetzt werden soll, ist noch völlig offen. Das nächste Schubladenprojekt?