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Freiraum für Freiberg

Wohnen und Arbeiten auf dem A81-Deckel

Wenn 2027 die Internationale Bauausstellung (IBA) in der Stadtregion Stuttgart stattfindet, könnte für die Bürger der Stadt Freiberg ein Traum in Erfüllung gehen: der Bau eines Deckels über die Autobahn. Verwaltung und Planer haben am Dienstagabend im Gemeinderat unter dem Titel „Freiraum für Freiberg“ eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, die eine bebaute Landschaftsbrücke über die A81 vorsieht. Einer zeigt sich besonders beeindruckt von der Vision, die Wirklichkeit werden könnte: IBA-Intendant Andreas Hofer.

Die Landschaftsbrücke über der Autobahn in Freiberg, wie ihn sich die Planer vorstellen. Zwischen Autobahn und Gebäudeebene dienen die Tiefgaragen sowie Lager- und Technikräume als Puffer. Visualisierungen: Structure Lightweight Design Stuttgart
Die Landschaftsbrücke über der Autobahn in Freiberg, wie ihn sich die Planer vorstellen. Zwischen Autobahn und Gebäudeebene dienen die Tiefgaragen sowie Lager- und Technikräume als Puffer. Visualisierungen: Structure Lightweight Design Stuttgart
Die Landschaftsbrücke über der Autobahn in Freiberg, wie ihn sich die Planer vorstellen. Zwischen Autobahn und Gebäudeebene dienen die Tiefgaragen sowie Lager- und Technikräume als Puffer. Visualisierungen: Structure Lightweight Design Stuttgart
Die Landschaftsbrücke über der Autobahn in Freiberg, wie ihn sich die Planer vorstellen. Zwischen Autobahn und Gebäudeebene dienen die Tiefgaragen sowie Lager- und Technikräume als Puffer. Visualisierungen: Structure Lightweight Design Stuttgart

Freiberg. Seit die drei Dörfer Beihingen, Geisingen und Heutingsheim in den 1970er Jahren zur Stadt Freiberg wurden, gibt es dort zwei Wünsche: weniger Lärm seitens der Autobahn81, welche die Stadt in der Mitte durchschneidet, und das Zusammenwachsen zu einer Einheit. Das Konzept unter dem Titel „Freiraum für Freiberg“ könnte die Antwort auf diese Wünsche sein. Die Vision: Eine Landschaftsbrücke soll künftig auf einer Länge von 400 Metern die A81 überspannen. Der Deckel wird material- und kostensparend in hybrider Leichtbauweise geplant, darauf könnten Wohn- und Bürogebäude sowie öffentliche Grünflächen entstehen. Weil sie von dem Konzept überzeugt ist, wurde es 2019 von der Intendanz der Internationalen Bauausstellung in das IBA’27-Netz aufgenommen.

Für eine Realisierung der Vision kommt der Stadt Freiberg zugute, dass der Bund einen Ausbau der A81 von sechs auf acht Spuren plant. Dadurch werden teure Lärmschutzmaßnahmen erforderlich. Mit dem Deckel würden die sich erübrigen. Auf ihm könnte zudem auf einer rund zwei Hektar großen Fläche ein neues Stadtquartier entstehen.

Bezüglich des Tragwerks setzt die Machbarkeitsstudie auf ein Hybridsystem. Demnach sollen in Bereichen mit Gebäuden und Erschließungsflächen Fachwerk-Verbundträger aus Stahl und Beton verwendet werden. Auf diese Weise können Gebäude über die gesamte Breite der Autobahn geplant werden. Für öffentliche und private Grünflächen sollen Grünbrückensegmente in Leichtbauweise geplant werden. Die einzelnen Module können laut der Studie beliebig miteinander kombiniert werden. Im westlichen Bereich der Autobahn, angrenzend an den Stadtteil Geisingen, sieht das Konzept zwei- bis dreigeschossigen Wohnbau vor. Im östlichen Teil sollen vier- bis siebengeschossige Häuser eine Verbindung zur Stadtmitte herstellen. Zwischen der Gebäudeebene und der Autobahn werden – sozusagen als Puffer – vier Tiefgaragen-Ebenen mit insgesamt 160 Stellplätzen vorgesehen. Laut der Studie können die Gebäude in Holzleichtbauweise sowie als Passivhäuser errichtet werden. Dabei soll allen möglichen neuen Formen des Wohnens und Zusammenlebens Rechnung getragen werden. Vom Starterhaus für zwei Personen über vertikales Clusterwohnen bis zum Mehrgenerationenwohnen ist alles denkbar.

Mit dem Deckel wird die Lärmbelastung vor allem an beiden Seiten der Autobahn deutlich reduziert, so ein weiteres Ergebnis der Studie. An den beiden Tunnelportalen sollen die Schallimmissionen beispielsweise durch optimierte Fenster reduziert werden. Der Schallschutz für die Gebäude auf der Brücke ist durch die Stahlbeton-Deckenkonstruktion mit Pufferzone (Tiefgarage, Lager- und Technikräume) gegeben.

Rechtlich betrachtet, gehört die Autobahn dem Bund. Mit dem Deckel wird laut Studie kein neues Grundstück, sondern ein Bauwerk geschaffen. Zivilrechtlich sei die Umsetzung grundsätzlich möglich, eine juristische Bewertung könne erst nach Vorlage der tatsächlichen Planung erfolgen. Für die Umsetzung des Projekts wird die Zustimmung und Mitwirkung des Bunds vorausgesetzt.

Die Kosten des Projekts werden inklusive Deckel (83,6 Millionen Euro), Tiefgarage (7,1 Millionen Euro) und Bebauung (35,3 Millionen Euro) mit 126 Millionen Euro angegeben. Als Erlös aus dem Verkauf der Wohnfläche wird ein Überschuss von zwölf Millionen Euro angegeben. In einem nächsten Schritt sollen die Bürgerbeteiligung sowie Gespräche mit dem Bund erfolgen.

IBA’27-Intendant Andreas Hofer zeigte sich bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie vor der Presse begeistert von der Idee. Allein die Tatsache, dass aus drei Dörfern ein Zentrum entstanden ist, bezeichnete er als „faszinierend“. Hinsichtlich der Überdeckelung der Autobahn erwarte er sich „viel Spirit“. Wie auf einer solchen Fläche neue Räume entwickelt werden können, sei sehr reizvoll. „Unter dem Aspekt unterstützen wir das sehr gerne“, sagte Hofer.

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