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Immobilien

Wohnqualität wichtiger als Job-Nähe

Studie der Sparda-Bank: Immobilienpreise steigen im Landkreis prozentual stärker als in der Stadt Ludwigsburg

Die Preise für Neubauten steigen weiter. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Preise für Neubauten steigen weiter. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Stuttgart/Ludwigsburg. Trotz Coronapandemie, Wirtschaftslage und Preissteigerungen lohnt es sich, in Wohneigentum zu investieren. Ein Einbruch oder Preisblasen sind nicht in Sicht. Das ist das Fazit einer Studie, die die elf Sparda-Banken zum Immobilienerwerb bundesweit erstellt haben.

„Die Immobilienpreise steigen im Umland prozentual stärker als in Ludwigsburg“, sagt Michael Bley von der Sparda-Bank Baden-Württemberg mit daraus resultierenden Angaben zum Kreis Ludwigsburg. Begründung des Leiters der Ludwigsburger Filiale: Als Folge der Pandemie würde für die Wahl der Immobilie die Wohnqualität wichtiger als die Nähe zum Arbeitsplatz. Aber Bau- und Nebenkosten hindern viele Normalverdiener am Immobilienerwerb. Die Folge: Es sind eher kleinere Flächen und verdichtete Bauweisen gefragt.

Die durchschnittliche Investitionssumme für den Kauf einer Immobilie in Baden-Württemberg ist von 264000 Euro 2019 auf 354000 Euro 2020 gestiegen. Statistisch kostete der Quadratmeter im Südwesten 3308 Euro. Das sind 600 Euro mehr als im Bundesschnitt. Im Landkreis liegt der Wert mit 4278 Euro auf Platz sechs und 970 Euro über dem Landesschnitt.

Filialleiter Bley: „Mit 79 Prozent Preissteigerung seit 2005, sieben Prozentpunkte über dem Landesschnitt, belegt der Landkreis Ludwigsburg Platz zwölf unter den 44Landkreisen.“ Zum Vergleich: Schlusslichter sind die Landkreise Main-Tauber (plus 32 Prozent) und Tuttlingen (plus 36 Prozent). Spitzenreiter die Städte Freiburg, Stuttgart und Ulm mit je rund 110 Prozent. Im Schnitt lag die erworbene Wohnfläche im Südwesten bei 107 Quadratmetern (Bund: 132 Quadratmeter), wofür im Südwesten aber acht Jahresgehälter erforderlich waren (Bund: 7,4 Jahre).

Und noch zwei Werte erhebt die Sparda-Bank in ihrem fünften Immo-Report: Die durchschnittliche Darlehenshöhe lag zuletzt bei 300000 Euro, was 85 Prozent der Kosten entspricht. Entsprechend brachten die Käufer 54000 Euro Eigenkapital ein. Mit einer Zuzugsquote von 11,1 Personen, bezogen auf 1000 Einwohner zwischen 18 und 30 Jahren, liegt der Landkreis Ludwigsburg aber sogar einen Prozentpunkt unter dem Landesschnitt. Bley: „In diesem Ranking liegen die Universitätsstädte mit Werten um die 50 ganz weit vorne.“

Die Coronapandemie hat die Sicht auf die eigene Wohnsituation und Präferenzen zudem erheblich verändert. Immer mehr Mieter – fast ein Fünftel – hat über einen Umzug nachgedacht, fast jede Zehnte hat sich konkret nach einem neuen Zuhause umgeschaut. Die genannten Gründe sind der Wunsch nach mehr Platz (42 Prozent), einer schöneren Umgebung (55 Prozent), einem (größeren) Garten oder Balkon oder schnellerem Internet (44 Prozent). Durch den Ausbau von mobilem Arbeiten verliert zudem die Wegstrecke zum Arbeitsplatz an Bedeutung.

Trotz aller finanzieller Unsicherheiten, die mit der Coronapandemie einhergehen, bleibt der Wunsch nach Wohneigentum groß: Jeder vierte Mieter bis 50 Jahre plant in den nächsten zwei bis drei Jahren oder zu einem späteren Zeitpunkt einen Immobilienkauf. Dies zeigt sich auch in der Bereitschaft von 49 Prozent der Befragten, sich für den Erwerb stark oder sogar sehr stark einschränken zu wollen (2019: 40 Prozent).

Insbesondere spielen weiterhin niedrige Zinsen potenziellen Käufern in die Karten: Im Vergleich zu 2008 liegt die Ersparnis bei einem Durchschnittsinvestment von 350000 Euro bei mehr als 130000 Euro. Gleichzeitig steigen aber die Kaufnebenkosten, weil diese prozentual fällig sind: Grunderwerbssteuer, Makler- und Notarkosten liegen mittlerweile bei 44000 Euro für eine durchschnittliche Immobilie, ein Anstieg gegenüber 2010 um 72 Prozent. Zudem steigen die Baukosten durch Materialknappheit und gesetzliche Vorgaben weiter.

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