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Creditreform

Zahl der Schuldner im Kreis steigt leicht

Bevölkerungszuwachs lässt die Quote der überschuldeten Menschen aber sinken – Keine gravierenden Veränderungen für das laufende Jahr erwartet

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Stuttgart/Ludwigsburg. Es scheint auf den ersten Blick paradox: Die Zahl der Menschen im Landkreis Ludwigsburg, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können, hat im vergangenen Jahr um 132 zugenommen und liegt nun bei 33 944. Doch gleichzeitig nahm die Schuldnerquote um 0,04 Prozent ab, wie aus dem neuen Schuldneratlas von Creditreform Stuttgart hervorgeht. Thomas Schlegel, geschäftsführender Gesellschafter des Wirtschaftsauskunfts- und Inkassounternehmens, löste den Widerspruch gestern bei der Vorstellung des Schuldnernatlas 2019 für die Region auf. Die sinkende Quote sie alleine auf die gestiegene Bevölkerungszahl im Landkreis Ludwigsburg zurückzuführen.

Seit neun Jahren präsentier Creditreform die bundesweit gesammelten Daten zur Kreditwürdigkeit privater Verbraucher in der Region Stuttgart bis hinunter zu einzelnen Postleitzahlengebieten. So lässt sich ermitteln, in welchen Kommunen oder in welchen Ludwigsburger Stadtteilen die Zahl der verschuldeten Einwohner am höchsten ist und wo am niedrigsten.

Am besten schnitt im vergangenen Jahr die Gemeinde Löchgau ab, wo nur 5,35 Prozent der Bevölkerung in finanziellen Nöten steckt. Ein Jahr zuvor war Freudental noch Spitzenreiter gewesen. In Löchgau sank die Zahl der überschuldeten Menschen um mehr als 0,4 Prozentpunkte, also zehn Mal so stark wie im gesamten Landkreis. Als überschuldet gilt, wer seine finanziellen Verpflichtungen über längere Zeit nicht erfüllen kann, von gerichtlichen Mahnverfahren betroffen ist, einen Offenbarungseid geleistet oder Privatinsolvenz angemeldet hat.

Den höchsten Anteil an Menschen mit großen finanziellen Schwierigkeiten gibt es in Ludwigsburg-Eglosheim. Der Stadtteil liegt schon seit Jahren am Ende der Rangliste und belegt damit die Einschätzung von Creditreform, dass hohe Verschuldung vor allem ein städtisches Problem ist. „Überschuldung und Armut korrelieren in gewissem Maße“, sagte Schlegel.

Das macht sich auch in der Region Stuttgart bemerkbar. Die Landeshauptstadt hat mit 10,14 Prozent eine deutlich höhere Schuldnerquote als ihre Nachbarlandkreise. Am besten schneidet der Landkreis Böblingen (6,78 Prozent) ab, gefolgt von Esslingen (7,56) und Ludwigsburg (7,59).

Im Landkreis Ludwigsburg hat die harte Verschuldung im vergangenen Jahr deutlich abgenommen. Fast 600 Menschen weniger als noch 2018 waren in gerichtlichen Schuldnerverzeichnissen eingetragen, oder von anderen juristischen Maßnahmen betroffen. Dennoch ist diese Gruppe mit fast 20 000 Betroffenen deutlich größer als die der Verbraucher mit einer „niedrigen Verschuldungsintensität“, wie das Creditreform es nennt. Deren Zahl ist allerdings 2019 von 10 177 auf 10 634 gestiegen.

Mit dieser Entwicklung folgt der Landkreis Ludwigsburg dem Trend in der gesamten Region. Für Thomas Schlegel ist diese weiche Verschuldung ein Indiz dafür, dass „Personen zunehmend mit ihrem Einkommen nicht auskommen“ und so in Schuldenstress gerieten.

Allerdings ist die „unwirtschaftliche Haushaltsführung“, wie es der Schuldneratlas nennt, wenn Menschen über ihre Verhältnisse leben, nicht der wichtigste Grund für finanzielle Probleme. Ganz oben steht deutschlandweit immer noch die Arbeitslosigkeit, wie Creditreform unter Berufung auf das Statistische Bundesamt schreibt. Danach folgen persönliche Gründe wie Trennung, Scheidung oder Tod eines Partner und Krankheiten oder Unfälle. Erst danach folgt die unwirtschaftliche Haushaltsführung.

Obwohl sich in der Region Stuttgart insgesamt im vergangenen Jahr die Überschuldungssituation privater Verbraucher nicht wesentlich verändert hat, sieht Thomas Schlegel die Entwicklung längerfristig eher kritisch, weil der langfristige Trend nach oben zeigt. „Wenn die Überschuldung in den guten Jahren zugenommen hat, wie soll es in den schlechten Jahren werden?,“ fragte der Stuttgarter Creditreform-Chef rhetorisch mit Blick auf das stark gesunkene Wirtschaftswachstum.

Für das gerade begonnene Jahr rechnet Schlegel mit keinen gravierenden Veränderungen. Allerdings könnten sich die Umbrüche – etwa in der Automobilindustrie – auch auf die private Verschuldung in Stuttgart und Umgebung mittel- bis langfristig negativ auswirken.

Schlegel selbst wird diese Zahlen dann aber nicht mehr vorstellen müssen. Er zieht sich zum Jahreswechsel aus der Unternehmensführung zurück und übergibt die Leitung von Creditreform Stuttgart ganz an seinen Co-Geschäftsführer Fabian Strahler.

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