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Hornmoldhaus

Zeugen der Frühgeschichte

In einem neuen Raum sind archäologische Funde zu sehen – Virtuelle Eröffnung am Museumstag

Der neue Raum im Hornmoldhaus rückt die Grabungsfunde aus der Vergangenheit in den Mittelpunkt. Museumsleiterin Dr. Catharina Raible hofft, dass das Stadtmuseum bald wieder öffnen darf.Foto: Alfred Drossel
Der neue Raum im Hornmoldhaus rückt die Grabungsfunde aus der Vergangenheit in den Mittelpunkt. Museumsleiterin Dr. Catharina Raible hofft, dass das Stadtmuseum bald wieder öffnen darf. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Die Eröffnung des neuen Ausstellungsraumes im Stadtmuseum Hornmoldhaus fand gestern am Internationalen Museumstag lediglich virtuell statt: Oberbürgermeister Jürgen Kessing schloss die Türe auf und gab den Blick frei in die Frühgeschichte der Stadt.

Rund 20000 Gäste kommen jedes Jahr ins Stadtmuseum. Als dessen Leiterin Dr. Catharina Raible vor mehr als zwei Jahren ihren Posten übernahm, stellte sie fest, dass es wichtig sei, bei Ausstellungen unterschiedliche Themenbereiche abzudecken, kunsthistorische ebenso wie gesellschaftliche.

Unterschiedliche Epochen

Mit Blick auf den Einsatz moderner Medien will Raible einen Mittelweg gehen. „Ich finde es wichtig, dass man sich da öffnet“, sagt sie. Andererseits dürfe man nicht zum „Sklaven der Technik“ werden, und deren Einsatz dürfe auch nicht zur Spielerei werden. Das Exponat müsse in einem Museum stets im Mittelpunkt stehen, so die Auffassung der Leiterin.

Mit dem neuen Raum hat sie dies konsequent umgesetzt. Im zweiten Stock des Stadtmuseums ist der Archäologieraum mit Funden aus den unterschiedlichen Epochen der Stadt modernisiert worden.

Oft im Zusammenhang mit neuen Bauprojekten wie dem Ausbau der Straßen oder der Ansiedlung von Gewerbebetrieben stellten Archäologen zahlreiche Funde sicher. So liegen für die Gemarkung von Bietigheim-Bissingen sowohl Relikte aus der älteren Jungsteinzeit vor, die aufgrund ihrer Gestaltung als Bandkeramik (5700 bis 5000 vor Christus) bezeichnet werden, und auch der jüngeren Kulturen, die meist nach den jeweiligen Hauptfundorten benannt sind.

Auch aus der relativ kurzen römischen Siedlungszeit (1. bis 3. Jahrhundert nach Christus) ist eine Vielzahl von Fundstücken erhalten geblieben. Neben meist zufällig entdeckten Objekten – beispielsweise den Statuen römischer Schutzgötter, die bei Bauarbeiten geborgen wurden – vermitteln vor allem die Reste des römischen Gutshofs in der Flur „Weilerlen“ einen Eindruck von der Kultur und den Wirtschaftsstrukturen der Römer im mittleren Neckarland. Bei diesen Grabungen haben sich der jetzt über 90-jährige Rektor Manfred Kurz und seine Frau hervorgetan. Das Gebiet „Weilerlen“ zählt zu den bedeutenden Fundorten in der Stadt und hat im neuen Ausstellungsraum auch den entsprechenden Platz bekommen. Aufgrund der Steinbauweise blieben vielerorts die Fundamente der römischen Anlagen erhalten und waren meist über Jahrhunderte sichtbar.

Aus den Annalen

Die Überreste des römischen Gutshofs „Weilerlen“, dort wo jetzt der Obi-Baumarkt steht, wurden beispielsweise im 16. Jahrhundert von dem Bietigheimer Stadtschreiber und Erbauer des Hornmoldhauses Sebastian Hornmold in den „Bietigheimer Annalen“ beschrieben. Da heißt es, dass die Funde „…ausgegraben, also hinweggebrochen, und zu ainem guten Ackerbau gebracht“ wurden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lieferte der Bietigheimer Oberförster Friedrich August Fribolin (1821–1910) weitere Hinweise auf archäologische Funde und unter Eduard Paulus erfolgte von 1885 an eine archäologische Landesaufnahme mit wesentlichen Informationen zu Fundstellen.

Auch aus alemannischer und mittelalterlicher Zeit sind Überreste von Gebäuden und Gräbern entdeckt worden. Besonders nördlich und nordwestlich der Altstadt sowie südlich des Bissinger Ortszentrums befanden sich Begräbnisplätze. Neben Einzelfunden, die bei Kanal- und Bauarbeiten entdeckt wurden, erbrachte eine Grabung des Landesdenkmalamts in den Jahren 1984/1985 im Bereich von Kelter und Stadtkirche wichtige Erkenntnisse zur einstigen Bietigheimer Burg.

All diese Funde oder Kopien waren schon bisher im Museum zu sehen. Doch jetzt wurden sie in dem neuen Raum in ein besonderes Licht gerückt. Dabei werden auch neue Medien eingesetzt, die anschaulich und plastisch informieren. Der Umbau ist gelungen, der Raum stahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus und kann als ein Höhepunkt des Museumsbesuchs bezeichnet werden. „Jetzt wollen wir unsere Schätze wieder der breiten Öffentlichkeit zeigen“, sagt Catharina Raible und hofft auf eine baldige Wiedereröffnung des Museums. Bis dahin können sich Interessierte auf der Homepage der Stadt einen Film anschauen.

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