Logo

Kampfmittelbeseitigung

Zwei englische 250-Kilo-Bomben im Seewald entschärft - insgesamt vier Bomben entdeckt

Zwei englische 250-Kilo-Bomben erfolgreich entschärft – Bei einer dritten fehlt der Zünder, die vierte ist bereits zerstört

350_0900_31533_kr_box.jpg
Foto: Alfred Drossel
350_0900_31534_Kr_boy.jpg
350_0900_31535_kr_bom5.jpg

Korntal-Münchingen. Gegen 10.30 Uhr ist es am Sonntagmorgen im Seewald zwischen Kallenberg und Korntal geschafft. Der erfahrene Entschärfer Christoph Rottner schraubt die beiden Zünder der englischen Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg hinaus und gibt Entwarnung. Die Kaventsmänner des Typs GP 500 werden verladen und abtransportiert. Sie lagen drei Meter tief unter dem Waldboden in einem Abstand von etwa 200 Metern entfernt. Bei einer dritten Bombe fehlte der Zünder, die vierte war zerstört. Ursprünglich gingen die Experten, die einen der gefährlichsten Jobs haben, die man machen kann, bloß von drei Exemplaren aus.

Vor rund drei Wochen hatten sie die explosiven Relikte des Zweiten Weltkriegs in dem kleinen Erholungswald auf Aufklärungsfotos der Royal Air Force entdeckt. Sondierungsgrabungen bestätigten schließlich den Verdacht. Am frühen Sonntagmorgen wurden die Blindgänger dann freigegraben und in den Bombentrichtern entschärft. Die 250 Kilo schweren Teile einfach so zu transportieren, wäre zu gefährlich gewesen. Denn kein Panzerwagen der Welt könnte eine detonierende Fliegerbombe abschirmen. Es gibt auch keine Schutzkleidung für die Entschärfer, die ihr Leben bei einer unkontrollierten Explosion schützen könnte.

Wenn Blindgänger bewegt werden, ist es auch denkbar, dass sie plötzlich in die Luft gehen. Die Lösung: Identifizieren des Zündmechanismus. Ein heikler Moment, denn wenn ein Zünder in der Bombe ist, ist sie auf jeden Fall scharf. Er muss also dringend entfernt werden. „Es gibt Aufschlagzünder und chemisch-mechanische Langzeitzünder“, sagt Mathias Peterle, stellvertretender Amtsleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg. „Gefährlich sind beide.“ Je älter eine Bombe ist, desto unberechenbarer werde sie zudem. Denn das Verfallsdatum für den Sprengstoff ist 76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs weit überschritten.

„Zwei der im Seewald liegenden Fliegerbomben haben mechanische Zünder“, sagt Peterle. Rätselhaft bleibe, warum bei einer Bombe der Zünder fehlt. Das vierte Objekt war, ohne zu detonieren, zerbrochen. 120 Kilogramm Sprengstoff lagen noch in der Metallhülse in dem kleinen Waldstück.

Peterle vermutet, dass die Bomben vom Angriff auf Stuttgart vom Juli 1944 stammen. Damals hatten etwa 1000 alliierte Flugzeuge ihre tödliche Last abgeworfen. Einen zweiten Angriff der Air Force hatte es am 28. Januar 1945 gegeben.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von LKZ (@ludwigsburgerkreiszeitung)

Schon morgens um 8 Uhr waren rund 45 Bewohner des Ortsteils Kallenberg aufgefordert worden, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen. Dabei habe es keine Probleme gegeben, bestätigt Diana Jäger-Hein vom Fachbereich öffentliche Sicherheit der Stadtverwaltung. Sie erinnert sich noch an die bis dahin letzte Bombenentschärfung im Februar 2019 bei Münchingen und vermutet, dass eine Flakstellung der Wehrmacht Ziel des damaligen Luftangriffs gewesen sein könnte.

Die Polizei sperrte während der Entschärfung die Bundesstraße10 von der Autobahnanschlussstelle Zuffenhausen bis Stuttgart sowie die Daimlerstraße in Kallenberg ab. 15 Streifenwagen des Polizeireviers Ditzingen und Beamte der Stuttgarter Polizei hatte den Seewald gesichert. „Jogger und Spaziergänger mussten abgewiesen werden“, sagt der Einsatzleiter Sven Schüler. Besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben.

Autor: