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STIPENDIUM

Zwei junge Leute mit großen Zielen

Mit dem Stipendienprogramm „Talent im Land“ werden seit 2003 begabte Schüler auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife unterstützt. Zu den 50 neuen Stipendiaten gehören auch Rana Çetin (18) aus Remseck und Onil Malki (16) aus Bietigheim-Bissingen. Bei einem Besuch in der Redaktion haben wir die beiden ambitionierten jungen Leute kennengelernt.

Onil Malki und Rana Çetin freuen sich, dass sie unterstützt werden. Foto: Björn Hänssler
Onil Malki und Rana Çetin freuen sich, dass sie unterstützt werden. Foto: Björn Hänssler

REMSECK/ BIETIGHEIM-BISSINGEN. Die soziale und wirtschaftliche Lage der Eltern ist in Deutschland immer noch maßgeblich dafür, welche Bildung junge Menschen erhalten. Das Projekt Talent im Land (TiL) nimmt sich Jugendlichen an, die aufgrund ihrer Herkunft auf ihrem Weg zum Abitur oder zur Fachhochschulreife einige Hürden zu überwinden haben. Um sich für gerechte Bildungschancen für begabte Schüler einzusetzen, wurde TiL von der Robert Bosch Stiftung und der Baden-Württemberg Stiftung 2003 initiiert. Beide Stiftungen fördern die gemeinsam aufgenommenen Stipendiaten bis 2022. Seit 2019 tragen die Baden-Württemberg Stiftung und die Josef Wund Stiftung das Programm.

Rana Çetin ist in Usbekistan geboren, hat mit ihren Eltern und Geschwistern aber schon in der Türkei sowie Bosnien-Herzegowina gelebt, bevor sie vor zwei Jahren nach Deutschland kam. Seit etwa einem Jahr wohnt die Familie in Remseck. Die 18-Jährige geht aufs Goethe-Gymnasium in Ludwigsburg und ist jetzt in der elften Klasse. Sie beschreibt sich selbst als sehr ehrgeizig und zielstrebig. „Das hat Vor- und Nachteile“, sagt sie, manchmal überfordere sie sich dadurch. Rana nimmt die Schule sehr ernst, denn sie möchte unbedingt ein richtig gutes Abitur machen und danach Medizin studieren. Ihr großer Traum: als Ärztin Menschen in Afrika helfen.

Dieses Schuljahr habe sie bisher fast nur gelernt, berichtet die junge Frau. Für Hobbys sei so gut wie keine Zeit geblieben. Kein Wunder: Rana hilft auch noch ihren beiden jüngeren Geschwistern bei den Hausaufgaben und unterstützt ihre Eltern. Obwohl die 18-Jährige sehr gut Deutsch spricht, will sie unbedingt ihren Wortschatz erweitern. „Und ich kann noch nicht gut genug auf Deutsch schreiben“, stellt sie selbstkritisch fest. Rana hat sich deshalb fest vorgenommen, mehr zu lesen. Und sie hofft, dass dann doch noch irgendwie und irgendwo ein bisschen Zeit bleibt für Hobbys. „Ich liebe Sport“, sagt die 18-Jährige. Sie macht Taekwondo, fährt gerne Inliner und mag Folkloretanz.

Onil Malki nimmt sich viel Zeit für seine Hobbys. Er spielt Fußball, übt jeden Tag Klavier, tanzt, trifft gerne Freunde. „Ich unterstütze meine Eltern, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, und andere Verwandte“, berichtet der 16-Jährige, der auch noch Klassensprecher ist. Er besucht die zehnte Klasse in der Realschule Bissingen. „Ey, wie machst du das“, fragt Rana anerkennend. Denn sie weiß, dass Onil zudem gute Noten schreibt. Der grinst nur. Auch er hat große Ziele. Nach der Realschule möchte er das Abitur machen. Am liebsten würde er ein Fachgymnasium mit Schwerpunkt Gesundheit und Pflege besuchen. Onil denkt da beispielsweise an die Mathilde-Planck-Schule in Ludwigsburg. Auch sein großes Ziel ist es, Medizin zu studieren. Woher dieser Wunsch kommt? Es gebe einige Ärzte in seiner Familie, berichtet der junge Mann, der aus Syrien stammt und seit etwa viereinhalb Jahren mit seinen Eltern und einer Schwester im Bietigheimer Stadtteil Buch lebt. Seine beiden älteren Brüder studieren in Berlin und Freiburg. Die Cousine ist ebenfalls TiL-Stipendiatin. „Wir sind eine große Familie“, lacht Onil.

Nicht nur der Berufswunsch der beiden Jugendlichen ist identisch. Sie haben auch die gleichen Lieblingsfächer: Englisch, Mathe und Chemie. Dass sie ins Stipendienprogramm aufgenommen wurden, freut beide natürlich riesig. Und sie schwärmen von einem Wochenende, bei dem sie die anderen Stipendiaten bereits kennengelernt haben. „Alle sind supernett. Da sind schon Freundschaften geschlossen worden“, berichtet Onil. Und Rana meint: „Wir fühlen uns schon wie eine Familie.“

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