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Über die Grenzen

Zwei Vereine helfen Menschen in Not

Von Corona lassen sich der Ottmarsheimer Verein „Hand in Hand for Angola“ und die in Erligheim ansässige Kinder- hilfe-Ghana in ihrem Engagement nicht aufhalten – auch, wenn die Pandemie das Spendensammeln erschwert. Samuel Mavinga und Ramona Stahl erzählen, wie es derzeit läuft und was sich getan hat.

Die Kinderhilfe-Ghana hat mit Hilfe von Spenden in Kalabuley Schulgebäude für Kinder aus sozialschwachen Familien gebaut. Fotos: privat
Die Kinderhilfe-Ghana hat mit Hilfe von Spenden in Kalabuley Schulgebäude für Kinder aus sozialschwachen Familien gebaut. Foto: privat
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Besigheim-Ottmarsheim/Erligheim. Rund ein Jahr ist es her, dass Samuel Mavinga den Verein „Hand in Hand for Angola“ ins Leben gerufen hat. Doch dann kam Corona. Wie ist es dem noch jungen Verein seither ergangen? Konnte er schon etwas in Angriff nehmen? „Ich hatte mir mehr versprochen“, antwortet Mavinga, der den ersten Vorsitz innehat. Denn Corona habe den ersten Planungen, um Spenden zu generieren, einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Eigentlich wollte ich mit meiner kleinen Eventagentur verschiedene Veranstaltungen machen, zum Beispiel eine Vernissage in der Alten Kelter.“ Des Weiteren hätte man sich gern am Besigheimer Weihnachtsmarkt beteiligt und örtliche Firmen angeschrieben. Doch in Zeiten, in denen viele Geldnot hätten, habe man auch von letzterem Abstand genommen. Dennoch sagt Mavinga: „Wir sind zufrieden und konnten einiges bewegen.“

Knappe 6000 Euro seien durch Mitgliedsbeiträge und Spenden vergangenes Jahr zusammengekommen. Was Mavinga, der vor rund 20 Jahren als Flüchtling aus dem Kongo nach Deutschland kam und familiäre Wurzeln in Angola hat, beiläufig erzählt: Er selbst spendet monatlich ebenfalls. Wie bewerkstelligt er das? Seine Eventagentur bringt in Zeiten von Corona doch sicherlich keinen sonderlich großen Profit ein. Mavinga, der in Besigheim als Streetworker bekannt ist, lacht. Er sei deswegen derzeit als Sozialarbeiter bei der Tammer Bildungsakademie „Restart“ tätig, berichtet er und ergänzt: „Ich nage nicht am Hungertuch, aber die dort unten in Angola schon.“ Und wie heiße so schön ein deutsches Sprichwort, sagt der 28-Jährige: „Kleinvieh macht auch Mist.“

Bei einer Reise nach Luanda erfuhr Mavinga, wo Not herrscht. Den Menschen in den Randgebieten der Hauptstadt Angolas fehlt es an Einkaufsmöglichkeiten und medizinischer Versorgung. Der von Mavinga zusammen mit sechs Mitstreitern gegründete Verein will dort daher zunächst einen Supermarkt mit Apotheke bauen. Da sollen Lebensmittel und Medikamente so günstig verkauft werden, dass die Einwohner sie sich leisten können. Später soll auf einem anderen Grundstück rund zehn Kilometer entfernt, das Mavinga über seinen Vater erhalten hat, eine Schule entstehen, in der Kinder kostenlos unterrichtet werden. Mit den ersten Geldern habe man voriges Jahr für den Supermarkt einen Wassertank und für sanitäre Anlagen einen Abwassertank installiert sowie das Gelände umzäunt. Außerdem habe man mit dem Rohbau des Nebengebäudes angefangen, in dem später ehrenamtliche Mitarbeiter unterkommen sollen. Eine Kontaktperson vor Ort habe die Arbeiten überwacht. Zudem freut sich Mavinga darüber, dass die Mitgliederzahl von „Hand in Hand for Angola“ auf 20 gestiegen ist. Darüber hinaus habe man „Restart“ als Partner gewinnen können, berichtet der Vorsitzende und hofft, noch weitere Bildungsakademien als Partner zu finden. Derweil habe das noch in Gründung befindliche „Conetworkspace“ in Tamm, kurz CNS, das Arbeitsräume für Netzwerker vermieten möchte, bereits seine Unterstützung zugesichert, sagt Mavinga, der zu dessen Gründungsmitgliedern gehört.

Während das Projekt von „Hand in Hand for Angola“ noch am Anfang steht, kann die in Erligheim ansässige Kinderhilfe-Ghana bereits auf einige erfolgreiche Jahre zurückblicken. Deren Initiatorin Ramona Stahl ist mit 32 Jahren kaum älter als Mavinga. 2004 hat sie zusammen mit ihrer Mutter Renate Stahl und neun Mitstreitern den Verein gegründet, um einer Schule für Kinder aus sozialschwachen Familien in Kalabuley zu ordentlichen Schulgebäuden zu verhelfen. „Denn zuvor gab es dort nur Bretterverschläge mit Wellblechdach, ohne Boden und Schulbänke“, erinnert sich Ramona Stahl, die damals als Freiwillige vier Monate lang dort gearbeitet hat. Bei Regen habe daher kein Unterricht stattfinden können. Inzwischen stehen zwei Schulgebäude, das dritte und letzte ist im Bau. Bis Ende dieses Jahres soll es fertig- gestellt werden – sofern Corona die Pläne nicht durchkreuzt und die Bauarbeiten nicht, wie im Frühjahr 2020, wegen der Pandemie wieder über Monate ruhen müssen.

Das war allerdings nicht die einzige Schwierigkeit für die Kinderhilfe-Ghana voriges Jahr. Wie für „Hand in Hand for Angola“, hat das Virus auch für sie das Spendensammeln erschwert. Die übliche Beteiligung an den Weintagen im Sommer fiel ebenso flach wie der traditionelle Weihnachtsbasar und die Kuchenverkäufe im Frühjahr und Herbst. Damit gingen dem Verein jeweils zwischen 1000 und 1500 Euro durch die Lappen. Zudem habe man keine Möglichkeiten gehabt, sich öffentlich zu präsentieren und so potenzielle Spender auf sich aufmerksam zu machen, erklärt Stahl.

Glücklicherweise habe jedoch zumindest die jährliche Travestieshow von Daphne Blamage in Erligheim im Februar 2020 zugunsten der Kinderhilfe noch stattfinden können. Und es gebe trotz allem treue Spender, die zusätzlich zu den rund 70 Mitgliedern die Arbeit des Vereins unterstützen, und eine Kontaktperson vor Ort, die sich um den Fortgang auf der Baustelle kümmert.

Info: Weitere Informationen zu den beiden Vereinen gibt es im Internet unter www.hand-in-hand-for-angola.com und www.kinderhilfeghana.de.

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