Wahl zur Baubürgermeisterin
Ludwigsburg | 08. November 2018

„Als Planer wecken wir Vorstellungen“

Wohnbebauung, Stadtentwicklung, Verkehr, Energiewende, lebendige Innenstadt: Bei ihrer Vorstellung gestern im Gemeinderat rief Gabriele Nießen virulente Themen auf. Die Wahl der einzigen Kandidatin brachte dann eine kleine Überraschung: Immerhin sechs Stadträte verweigerten ihr die Zustimmung.

Die 1200 Kilometer für Hin- und Rückreise haben sich gelohnt: Gabriele Nießen wird ab 1. März 2019 Baubürgermeisterin in Ludwigsburg.Foto: Andreas Essig
Die 1200 Kilometer für Hin- und Rückreise haben sich gelohnt: Gabriele Nießen wird ab 1. März 2019 Baubürgermeisterin in Ludwigsburg.Foto: Andreas Essig

Ludwigsburg hat nach 20 Jahren wieder eine Bürgermeisterin: Gestern Abend wurde Gabriele Nießen vom Gemeinderat in ihr neues Amt als Baubürgermeisterin gewählt. Dabei wird der 54-Jährigen nicht entgangen sein, dass von den 37 Stimmen lediglich 29 auf sie entfielen. Bei zwei Enthaltungen waren es sechs Stadträte, die mit Nein stimmten.

Es ist allerdings zu erwarten, dass die versierte Stadtbaurätin mit elf Jahren in der Kommunalverwaltung damit umgehen kann. Selbstbewusst erhöhte die gebürtige Düsseldorferin ihre zehn Minuten Redezeit auf launige 25, streifte ihr Studium der Raum- und Umweltplanung in Kaiserslautern und stellte ihre 15 Jahre beim renommierten Frankfurter Architektur- und Planungsbüro Albert Speer+Partner heraus. „Als Planer sind wir verantwortlich dafür, welche Vorstellungen und Visionen wir wecken“, sagte sie, und zog die Linie zur Kommunalverwaltung. Man müsse seine Versprechen auch einhalten.

Neuer Job nach Clinch mit OB

Nach vier Jahren als Fachbereichsleiterin Planen und Bauen im 20 000-Einwohner-Städtchen Eschwege (Hessen) machte sie 2011 als Baubürgermeisterin den Sprung ins niedersächsische Oldenburg mit über 160 000 Einwohnern. Mit 650 Mitarbeitern ist sie dort zuständig für Verkehr, Gebäudewirtschaft, Hochbau und Umweltschutz. Weil der dortige OB ihr die Wiederwahl im Oktober 2019 verweigert habe, habe sie eine neue Herausforderung gesucht, ging Gabriele Nießen in die Offensive. Der interne Streit zwischen Stadtverwaltung und Gemeinderat und der Disput mit ihrem Chef war längst in der Öffentlichkeit diskutiert worden.

Offensiv zeigte sich Gabriele Nießen auch in Sachen Wohnbaupolitik. „Wie komme ich eigentlich an die Grundstücke, auf denen gebaut werden soll?“, schlüpfte sie in die Rolle des kommunalen Bauträgers. Und schnitt mit der Entwicklung von Wohnbauflächen ein umstrittenes Thema an – ist die Stadt doch sozusagen im Dauerclinch mit den Bauträgern, die sich in ihrer Entfaltung beschränkt sehen.

Vorkaufsrecht als Regulator

Um sich Vorkaufsrechte zu sichern, müssten die Kommunen mehr auf Bund und Länder zugehen, sagte sie, ein weiteres Element sei die konzeptgebundene Vergabe von Bauprojekten. Wie sie später am Rande sagte, sei es für die städtebauliche Entwicklung auch ausschlaggebend, Konzepte vor das Geld zu stellen.

Ob unbewusst oder mit Blick auf Ludwigsburgs Diskussionen um Kostenexplosionen: Nießen betonte, die Preisgestaltung der Bauprojekte transparent halten zu wollen. Auf Nachfrage betonte sie, die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat sei ein hohes Gut: Sie werde „genau zuhören, welche Ideen Sie haben“, und nannte Miteinander, Respekt, Haltung.

Innenstadtentwicklung, hohe Stickoxidbelastung oder der Ausbau von Kitas und Schulen – Nießen zog viele Parallelen zwischen ihrer derzeitigen Aufgabe in Oldenburg und den Themen in Ludwigsburg. Besonders lobte sie hier den sorgsamen Umgang mit dem barocken Erbe im Städtebau und den Gestaltungsbeirat. „Ich musste diesen in Eschwege und Oldenburg erst einführen.“

Zu ihrem Amtsantritt am 1. März will Nießen mit ihrem Eheman, zwei Töchtern und einem Sohn zwischen 14 und 18 Jahren nach Ludwigsburg ziehen. Geübt hat sie das „Grüß Gott“ statt des „Moin“ gestern schon im Ratssaal. Und gibt Vorschusslorbeeren: Ludwigsburg gehöre mit 100 000 Einwohnern zu den Städten, „die lebens- und liebenswert sind“. Die Bestätigung kam prompt: Mit Blumen und einem Hohenecker Sauvignon gratulierte ihr eine ganze Riege von Fachbereichsleitern vor der Tür.

von janna werner
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