Bottwartalbahn
Ludwigsburg | 23. Februar 2017

„Die Chance war noch nie so groß“

Landtagsabgeordneter Daniel Renkonen sieht gute Voraussetzungen für Realisierung – Wohlwollen, Skepsis und ein Vortrag

Schon auf dem Abstellgleis: Der „Entenmörder“ am Bahnhof Steinheim. Archivfoto: Heide Schmidt
Schon auf dem Abstellgleis: Der „Entenmörder“ am Bahnhof Steinheim. Archivfoto: Heide Schmidt

Eines können sich Hans-Joachim Knupfer und Wolfram Berner – ausgewiesene Kenner der historischen Bahnline – zugute halten: Dank ihrer Aktionen bleibt das Projekt Reaktivierung der Bottwartalbahn im Gespräch.

Und zur Zeit mehren sich auch öffentlich die Stimmen, die die knapp 13 Kilometer lange Schienenverbindung von Marbach nicht nur bis Beilstein, sondern 2,5 Kilometer weiter durchs Schozachtal vorangetrieben sehen wollen.

Das liegt auch am Entwurf des Regionalverkehrsplans, der seit Dezember vergangenen Jahres vorliegt. Darin bekommt die Strecke zwischen Marbach und Beilstein die Nummer 50, ihrem Bau wird eine „hohe verkehrliche Wirksamkeit infolge deutlicher Reisezeiteinsparungen“ attestiert. Prädikat: „Maßnahme der hohen Dringlichkeit.“

Die Fortführung der Strecke über Beilstein hinaus ins Schozachtal ist mit der Nummer 88 ausgewiesen; die zusätzlichen Kilometer erhöhten „das Wirkungspotenzial der Bahn“, heißt es im Entwurf des Regionalverkehrsplans.

Das alles ist nicht neu, das stand bisher auch schon so im Regionalverkehrsplan. Neu ist die Tatsache, dass sich in den Rathäusern der Anrainerkommunen die Erkenntnis durchsetzt, dass vor allem die Fortführung der Trasse durchs Schozachtal Richtung Heilbronn und die Anbindung ans dortige Stadtbahnnetz sinnvoll sein könnte.

„Die Frage, wie sich die Raumschaft Schozachtal zu dem Thema stellt, wird für uns zunehmend wichtig“, sagt Großbottwars Bürgermeister Ralf Zimmermann. Ob sich die Bottwartalbahn in dieser Form rentiere, sei noch nie geprüft worden.

Im Jahr 2004 hatte ein Gutachten einen Kostenfaktor von 0,89 bei elektrischem Betrieb und von 1,03 bei Dieselbetrieb ergeben. Sobald der Faktor größer als eins ist, übersteigt nach dieser Berechnung der Nutzen die Kosten. Nach diesem Ergebnis hatten die Kommunen damals das Projekt nicht weiter verfolgt. Eigentlich sei das Projekt nie zu Ende geplant worden, bedauert Zimmermann und plädiert dafür, in nächster Zeit „Abstimmungsgespräche“ mit den Bürgermeisterkollegen entlang der möglichen Trasse zu führen. Es soll sogar schon Terminvorschläge geben.

Derzeit kommen überhaupt positive Signale für das Projekt. In einer Pressemitteilung fordert der grüne Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen: „Jetzt ist es an der Zeit, dass die betroffenen Akteure das Thema wieder auf die Tagesordnung setzen und langfristig die Reaktivierung der Strecke angehen.“ Die Chance dafür sei derzeit so groß wie nie. Das liege zum einen an den Luftreinhalteplänen, zum anderen setze sich die Erkenntnis durch, dass es Zeit sei für eine Alternative zur motorisierten Mobilität. Demnächst wolle sich Verkehrsminister Winfried Hermann vor Ort umsehen.

Die CDU Großbottwar begrüßt ebenfalls diese Entwicklung. „Wir haben uns schon in den 1990er Jahren für eine Bottwartalbahn ausgesprochen“, sagt der CDU- Stadtverbandsvorsitzende Dr. Andreas Strohm. Kritikpunkt sei damals der fehlende Anschluss Richtung Heilbronn gewesen. „Im Hinblick auf die Entlastung der Straßen, der Stärkung der Entwicklungsachse Bottwartal und dem Anschluss von Gewerbeflächen ist eine Bahn genau das, was uns fehlt.“

Skeptisch bleibt Günter Perlinger, Fraktionsvorsitzender der Oberstenfelder SPD: „Ich finde die Bottwartalbahn erstrebenswert, wir haben die Trasse auch frei gehalten, allein mir fehlt der Glaube an die Realisierbarkeit.“ Schließlich müsse das Projekt auch finanziert werden. Derzeit geht man von Kosten in Höhe von 75 Millionen Euro aus.

Die Linke bewertet die hohe Dringlichkeitsstufe der Bottwartalbahn im Regionalverkehrsplan „sehr positiv“.

Hans-Joachim Knupfer, der ehrenamtliche Streiter für die Bahn, will jedenfalls nach und nach in Vorträgen alle möglichen Varianten vorstellen, auch die Einbindung ins Stadtbahnnetz von Heilbronn. Die Bedürfnisse und die Pendlerströme seien jedenfalls da. Wenn alle wollen, könnten die ersten Züge innerhalb von zwölf bis 15 Jahren rollen.

Info: Bildervortrag „Endstation Steinheim? Zur Bedeutung der Bottwartalbahn für die Urmenschstadt“, Donnerstag, 9. März, 20 Uhr, Klostermuseum Steinheim.

Andrea Nicht-Roth
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