Unfall am Marktplatz
Ludwigsburg | 11. August 2018

„Es hätte jeden von uns treffen können“

Für die Polizei ist der Fall erledigt: Laut einer Sprecherin waren Sturmböen dafür verantwortlich, dass ein Kran eine große Steinvase vom Dach der katholischen Kirche am Marktplatz gedrückt hat. Im Restaurant „Alte Sonne“ herrscht auch am Tag nach dem Beinahe-Unglück große Erleichterung darüber, dass niemand verletzt wurde.

Das Dach der katholischen Kirche wurde notdürftig mit Folie geflickt (links). Ein Teil der Straße bleibt weiterhin gesperrt.Fotos: Holm Wolschendorf
Das Dach der katholischen Kirche wurde notdürftig mit Folie geflickt (links). Ein Teil der Straße bleibt weiterhin gesperrt.Fotos: Holm Wolschendorf
Die beschädigte Wand der „Alten Sonne“.
Die beschädigte Wand der „Alten Sonne“.

Nach dem kuriosen Unfall sind gestern alle Betroffenen damit beschäftigt, sich um die Schäden zu kümmern. Ermittlungen wird es wohl keine geben. Da der Sturm den Kran gedreht habe, sei der Fall für die Polizei erledigt, so eine Sprecherin. Jetzt seien die Versicherungen am Zug. Die Höhe des Gesamtschadens ist nicht bekannt und wird von der Polizei auch nicht ermittelt.

Wie berichtet hatte der Kran am Donnerstag eine mehrere Hundert Kilo schwere Ziervase vom Dach der katholischen Kirche am Marktplatz gestoßen. Der Steinkoloss hat mehrere Löcher ins Kirchendach geschlagen und war dann auf die Terrasse des Restaurants „Alte Sonne“ gefallen, wo die Vase in zwei große und Hunderte kleine Teile zerbrochen ist. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

500 Ziegel müssen erneuert werden

„Wichtig ist für uns, dass wir das Dach sturmfest verschließen, denn es soll nicht reinregnen“, sagt Jörg Huber, Kirchenpfleger bei der katholischen Kirche. Er war auch gestern wieder am Ort des Geschehens, der „Austausch mit allen Beteiligten ist sehr gut.“ Damit meint Huber vor allem den betroffenen Bauherren und die Baufirma, die dafür verantwortlich sind, dass auf der gegenüberliegenden Seite der katholischen Kirche der Baukran steht. Dort wird nämlich gerade das Eckhaus am Marktplatz renoviert.

Die Baustelle musste auf engstem Raum eingerichtet werden, „die Straßenverkehrsbehörde hat der Baufirma die Einrichtung der Baustelle auf der erforderlichen Fläche genehmigt“, sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung. Der Betrieb und die Sicherheit des Krans liegen aber außerhalb der städtischen Genehmigungsbefugnisse, so die Verwaltung weiter. Dafür gebe es Regelungen durch den Tüv, Berufsgenossenschaften und allgemeine technische Vorschriften. „Wir sind sehr froh, dass keine Person verletzt wurde“, so der Sprecher weiter.

„Unglaublich froh“, ist auch Jörg Huber. „Der Schreck war groß“. Huber ist es sogar gelungen, trotz Sommerferien einen Handwerker zu finden, der ab der kommenden Woche, die Schäden am Kirchendach beseitigen will. Wie hoch die Kosten sind, kann Huber noch nicht sagen. Billig werde es allerdings nicht. Allein 500 Ziegel müssen erneuert werden.

„Auch die Nachbildung der Steinvase dürfte kostspielig sein“, ist Huber überzeugt. Fünf der insgesamt sieben vasenförmigen Zierelemente waren erst vor drei Jahren abgenommen und restauriert worden. Bis heute sind nicht alle wieder angebracht. Schon damals hatte die Kirche Sorge wegen der Sicherheit, da ein Teil der Skulpturen bröselig geworden war. „Nicht auszudenken, wenn ein solches steinernes Ungetüm hier, mitten im nicht zuletzt toursitischen Herz der Barockstadt, zerbrochen und hinabgefallen wäre“, sagte ein Mitarbeiter der Kirche damals unserer Zeitung.

Teil der Terrasse bleibt gesperrt

Kerstin Durst kann auch am Tag nach dem Beinahe-Unglück kaum fassen, was sich vor ihrem Restaurant „Alte Sonne“ ereignet hat. „Es hätte jeden von uns treffen können. Es ist unglaublich, was da passiert ist.“ Einen Teil seines Außenbereichs kann das Restaurant derzeit nicht nutzen. Da der Italiener nebenan aber gerade Betriebsferien hat, kann die „Alte Sonne“ ausweichen. Kaputte Stühle, Tische und ein zerstörter Sonnenschirm – der Schaden für ihr Restaurant dürfte einige Tausend Euro betragen, sagt Durst.

Bleibt die Frage, warum die Feuerwehr erst recht spät am Unglücksort erschienen ist. Zunächst hieß es, sie sei wegen des Sturms nicht ausgerückt. „Da ist irgendetwas falsch gelaufen. Normalerweise hätten wir da gleich hin müssen“, stellt Hans-Peter Peifer, der stellvertretende Kommandant, gestern klar. Im Normalfall hätten die Kollegen auch die losen Ziegel mit der Drehleiter vom Kirchendach geholt, so Peifer. Als das Einsatzleiterfahrzeug der Feuerwehr dann am Donnerstag vor Ort war, hatten aber bereits Zimmerleute der benachbarten Baustelle damit begonnen, das Dach zu sichern und notdürftig abzudichten.

Christian Walf
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige