Ludwigsburg | 13. Oktober 2017

„Ich musste jetzt die Reißleine ziehen“

Das Café Zichorie im MIK schließt zum Jahresende – Stadtverwaltung sucht einen neuen Pächter

Mit einer Tafel am Eingang des MIK hat Antonio Arnesano versucht, auf das Café mit Innenhof aufmerksam zu machen. Archivfoto: Wolschendorf
Mit einer Tafel am Eingang des MIK hat Antonio Arnesano versucht, auf das Café mit Innenhof aufmerksam zu machen. Archivfoto: Wolschendorf

Per Anzeige sucht die Ludwigsburger Stadtverwaltung nach einem neuen Pächter für das Café Zichorie im MIK in der Eberhardstraße. Antonio Arnesano hat sich entschieden, den Café-Betrieb zum Jahresende abzugeben. Der Pachtvertrag wäre eigentlich noch bis April 2018 gelaufen.

„Ich muss die Reißleine ziehen“, sagt Arnesano. „Es hat nicht gereicht.“ Knapp fünf Jahre hat er das Café, dem er selbst den Namen Zichorie gab, geführt. Mit viel Herzblut und Engagement. „Die Zichorie hat von Anfang an mit dem normalen Tagesbetrieb als Café keine Chance gehabt.“ Das liege in erster Linie an der Lage. Zu versteckt sei die Gastronomie. „Das ist ja wie ein Bunker, man wird kaum wahrgenommen.“

Die Architektur des ehemaligen Garnisonsgebäudes ist offenbar ein Grundproblem für die dortige Gastronomie. Von der Eberhardstraße, dem Haupteingang des MIK, ist von einem Café nichts zu sehen. Mit einer Tafel hat Arnesano versucht, auf sich und seinen bewirtschafteten Innenhof aufmerksam zu machen. Von der Wilhelmstraße aus fällt die Eingangstüre nur aufmerksamen Passanten ins Auge. Selbst die eigens verlegte Bushaltestelle habe daran kaum etwas geändert, sagt der Café-Betreiber. Und wer einmal in die Zichorie reingefunden hat, hat kaum Ausblick nach draußen. „Aber man möchte doch gucken und unterhalten werden.“

Ein kleines Stammpublikum habe er sich dennoch erarbeitet, aber damit allein komme man nicht über die Runden, obwohl die Stadt bei der Miete Zugeständnisse gemacht habe. Das sei „die Omi, die nach dem Markt einen Kaffee trinkt“, Gäste, die zum Frühstück kommen, oder Mittagspäusler, die von Arnesano mit drei bis vier Gerichten pro Tag bekocht werden.

Mit Veranstaltungen hat sich Arnesano ein zweites Standbein aufgebaut. Es gab Lesungen, Konzerte und Open-Air-Kino im Innenhof. Aber: „Viele Tage und Nächte und noch mehr Arbeitsstunden haben finanziell nicht den gewünschten Ertrag erbringen können.“ Sein Engagement sei nicht honoriert worden.

„Die Stadtverwaltung müsste das Café mehr als Veranstaltungslokalität statt als Gastronomiebetrieb sehen“, ist der Barista überzeugt.

Wie es für ihn persönlich weitergeht, weiß er noch nicht. Erst mal führt er den Betrieb bis Jahresende weiter, macht wie geplant seine Veranstaltungen und steht nach wie vor auch für private Veranstaltungen und Feiern zur Verfügung. Zum Schluss soll es noch einen Flohmarkt geben, bei dem unter anderem seine Tortenplatten-Sammlung, Gläser, Tassen und mehr den Besitzer wechseln sollen. Danach brauche er Zeit, um erst mal zu sich selbst zu kommen und endlich die seit drei Jahren anstehende Knie-Operation anzugehen.

Julia Essich-Föll
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