DITZINGEN | 30. Januar 2012

„Musik bildet die Persönlichkeit“

Gleichbleibend hohe Teilnehmerzahl beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“

Jessica Lieb gehörte zu den 200 jungen Musikern, die im Schulzentrum in der Glemsaue vor die Jury traten.
Jessica Lieb gehörte zu den 200 jungen Musikern, die im Schulzentrum in der Glemsaue vor die Jury traten.
Bilder: Holm Wolschendorf
Der 14-jährige Colin Sauerzapf aus Remseck ging in der Kategorie Blockflöte in den Wettbewerb.
Der 14-jährige Colin Sauerzapf aus Remseck ging in der Kategorie Blockflöte in den Wettbewerb.

Er ist fast 50 Jahre alt und dennoch ist seine Anziehungskraft ungebrochen: Bei der Regionalrunde des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ stellten sich am Wochenende in Ditzingen fast 200 Teilnehmer den Juroren. Ein Schwerpunkt waren in diesem
Jahr die Bläser. Rebecca Ade ist gewaltig aus der Puste. Soeben hat die 19-Jährige ihren Auftritt vor der vierköpfigen Jury beendet. Eine starke Viertelstunde höchster Konzentration liegt hinter der jungen Oboistin, verbunden mit einer gewaltigen konditionellen Leistung. „Ich fühl mich fast wie nach einem Marathonlauf“, ringt sie hörbar nach Luft, „vor allem der Bach hat mich gestresst“. „Der Bach“, das war das Andante aus der Sonate g-Moll mit Klavierbegleitung, das erste Stück ihres Vortrags. Zwei Fantasiestücke von Carl August Nielsen sowie ein Teil der „Six Metamorphoses after Ovid“ von Benjamin Britten, das war das Wettbewerbsprogramm der 19-Jährigen.Zwar hat es zum Schluss nicht zum Landeswettbewerb gereicht, direkt nach ihrem Vortrag war Rebecca Ade aber zufrieden mit sich und ihrer musikalischen Leistung. Die Ditzingerin ist im „Jugendmusiziert“-Geschäft schon ein „alter Hase“. 2001 trat sie zum ersten Mal an, damals noch mit der Blockflöte, den bislang größten Erfolg feierte sie im vergangenen Jahr als Mitglied eines Oboen-Trios, das es bis zum Bundesentscheid geschafft hat. Ende September begann sie mit den Vorbereitungen und intensiven Proben für den Wettbewerb. Das sind durchaus übliche Zeitspannen, bestätigt Manfred Frank, der Leiter der Jugendmusikschule Ditzingen, die seit zehn Jahren den Regionalwettbewerb im Kreis Ludwigsburg ausrichtet. Auch er ist also ein „alter Hase“, der genau weiß, was die Wettbewerbs-Teilnahme für die jungen Musiker bedeutet. „Da ist es dann mit einer halben Stunde üben am Tag nicht mehr getan“, schildert Frank. Vielmehr müssen die Schüler ein Stück über Wochen hin bearbeiten, hier feilen, da schleifen „und dann fällt dem Lehrer immer noch irgendeine kleine Nachlässigkeit auf“. Die jungen Musiker, die in der Regel von ihrem Lehrer für den Wettbewerb gemeldet werden, haben deshalb schon „ein tiefergehendes Interesse“ an ihrem Instrument, an ihrem Unterricht. Doch nach Franks Erfahrung profitieren sie auch in großem Maße – vom Prozess der Vorbereitung ebenso wie vom Auftritt vor der Jury. „Für die Persönlichkeitsentwicklung ist das überaus wertvoll. Die Kinder und Jugendlichen lernen durchzuhalten, sie lernen, sich intensiv mit einer Sache zu beschäftigen, sie lernen, die Höhen und Tiefen in der Vorbereitung durchzustehen und sind am Ende sehr stolz, wenn sie im Wettbewerb gut abgeschnitten haben“. Und trotz aller Veränderungen in der Schullandschaft: Musikunterricht erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, sagt Bärbel Häge-Nüssle, Leiterin der Musikschule Marbach-Bottwartal und wie Frank Mitglied im Regionalausschuss „Jugend musiziert“. Allerdings verschieben sich die Gewichte nach ihrer Beobachtung etwas. „Leider führen die höheren Belastungen durch das achtjährige Gymnasium immer wieder dazu, dass auch begabte Schüler mit dem Musikunterricht aufhören“ – und das sei schon ein bisschen traurig.
Für die 200 Mädchen und Jungen, die am Wochenende ihr Können auf der Block- und der Querflöte, auf der Trompete, auf dem Fagott, an der Gitarre oder dem Klavier gezeigt haben, spielten solche Überlegungen (noch) keine Rolle. Sie waren mit Feuereifer und Begeisterung bei der Sache. „Es macht Spaß, im Wettbewerb zu zeigen, was man erarbeitet hat“, sagt auch Rebecca Ade und atmet noch einmal tief durch. Ob sie „den Bach“ jetzt erst mal links liegenlässt, verrät sie aber nicht.

SABINE FRICK
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