Fuchshofstraße
Ludwigsburg | 12. Oktober 2018

„Standort der Eishalle steht nicht infrage“

Diesen Herbst feiert die Ludwigsburger Kunsteisbahn ihren 40. Geburtstag. Die Halle war mehrfach totgesagt, doch seit Jahren steigen die Besucherzahlen. Die Stadtwerke investieren fleißig und rechnen noch mit etlichen Jahren Betrieb.

Manche Dinge scheinen nie aus der Mode zu kommen. Schlittschuhlaufen gehört offenbar dazu. Anders lässt sich jedenfalls der Besucheransturm in der Eishalle in der Ludwigsburger Oststadt nicht erklären. Seit Jahren rennen vor allem Kinder und Jugendliche der Einrichtung die Türen ein. Mittlerweile kommen pro Saison – die nur von Mitte Oktober bis Mitte März dauert – knapp 80 000 Besucher. Dementsprechend einfach ist es, mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke, Bodo Skaletz, über die Zukunft der Eishalle zu sprechen. „Der Standort steht nicht infrage“, stellt Skaletz unmissverständlich klar.

In den vergangenen vier Jahrzehnten stand die Halle mehrfach vor dem Aus. Die Gründe dafür waren unterschiedlich. Zuletzt war ihr Standort im Zuge der Diskussion über das Neubaugebiet an der Fuchshofstraße und die Neuordnung des Sportparks Ost problematisiert worden.

Für den Betreiber, die Stadtwerke, gibt es dagegen überhaupt keine Probleme: „Wenn Jugendliche in der Eishalle Freude und Spaß haben, dann ist mir das lieber, als wenn sie irgendwo mit der Wodkaflasche rumhängen“, sagt Skaletz. Er setzt ganz klar auf viele weitere Jahre Betrieb, Daher investieren die Stadtwerke auch weiterhin in die Halle. Vor fünf Jahren waren es 180 000 Euro für die Steuerung der Kältemaschinen, Abzugsrohre und eine Wasseraufbereitungsanlage. Letztes Jahr haben die Stadtwerke nochmals gut eine halbe Million Euro in die Tragwerkskonstruktion und das Kühlaggregat gesteckt.

Andernorts werden die Hallen aus den 70er Jahren bereits wieder abgerissen – bei der Oßweiler Mehrzweckhalle ist das zum Beispiel geplant –, der Eishalle bescheinigt Skaletz dagegen noch eine lange Lebensdauer. „Im Moment machen wir uns da überhaupt keine Gedanken. Die Halle hat keinerlei Schwächen.“ Selbst nach ihrem 50. Geburtstag könnte man sie noch weiter nutzen, ist Bodo Skaletz überzeugt.

Ab dem zweiten Jahr Verluste

Auch finanziell stellt die Eishalle mittlerweile keine allzu große Belastung für die Stadtwerke mehr dar. Zumindest die laufenden Kosten können in den meisten Jahren über die Einnahmen gedeckt werden.

Interessant und ungewöhnlich war die Geschichte der Halle von Anfang an. Als „Europas modernstes Eisstadion“ wurde sie am 9. November nach nur sechs Monaten Bauzeit eröffnet. Architekt war der Anfang des Jahres verstorbene Kurt Knecht. Zunächst war eine private Bauherrengemeinschaft für die Eishalle zuständig. Schon gleich im zweiten Betriebsjahr mussten die Investoren aber Verluste verkraften. Mitte der 80er Jahre forderten sie von der Stadt sogar Kredite.

In der Saison 1998/99 übernahmen die Stadtwerke schließlich die Halle für 2,5 Millionen Mark von den Investoren. Die Einrichtung wies damals ein jährliches Defizit von 100 000 Mark auf.

In diesen Zeitraum fällt auch das Urteil gegen einen Ex-Manager der Halle, der im November 1998 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Als Geschäftsführer der beiden Kunsteisbahnen in Bietigheim und Ludwigsburg hatte dieser 450 000 Mark an Firmengeldern beiseitegeschafft, um damit unter anderem die Sanierung seines Hauses in Stuttgart zu bezahlen und sich einen schicken Mercedes 300 CE anzuschaffen. 1993 floh er in die USA und wurde erst kurz vor dem Prozess ausgeliefert.

Anfang des neuen Jahrtausends folgten wieder schlechte Nachrichten für die Schlittschuhläufer. Damals kam die Idee auf, die Halle für eine aufstrebende Sportart umzubauen und in eine Basketball-Arena zu verwandeln. Nach langen und heftigen Diskussionen wurde der Plan im Frühjahr 2003 aber verworfen.

Sogar das olympische Feuer war dort

Natürlich hat die Halle im Laufe ihrer Geschichte auch einige Höhepunkte erlebt. Am 22. Januar 1994 trug Axel Kromer die olympische Flamme auf ihrem Weg zu den Olympischen Winterspielen im norwegischen Lillehammer durch die Stadt. Tausende begeisterte Menschen verfolgten seinen Lauf vom Rathaus zur Kunsteisbahn. In der Halle wurde das olympische Feuer von einer begeisterten Menge begrüßt, ehe es der Marathonläufer Herbert Steffny weiter Richtung Grünbühl trug.

Und nach Auskunft der Stadtwerke gehören viele der Eislauffreunde aus den Anfangstagen noch heute zu den Besuchern. Unter anderem Lotte Ribeiro, die 1952 Weltmeisterin im Rollkunstlauf wurde und lange Trainerin im Team der Kunsteisbahn war.

Der 40. Geburtstag startet heute mit der ersten Eisdisco in der Saison (Infokasten). Bis Anfang März können alle Schlittschuhbegeisterten dann jeden Freitag die Halle rocken.

Christian Walf
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