Interview
Ludwigsburg | 07. April 2017

„Wir brauchen fairen Wettbewerb“

Heute tagt im Schlosshotel Monrepos der Verband der Südwestdeutschen Zeitungsverleger (VSZV). Im Interview spricht Verbandsvorsitzender Valdo Lehari, der Verleger des Reutlinger Generalanzeigers ist, über den Wert von gutem Journalismus, die Herausforderungen für die Branche und warum er gerne wieder einmal in Ludwigsburg ist.

VSZV-Vorsitzender Valdo Lehari: „Es geht um Glaubwürdigkeit und Vertrauen“.Foto: B. Weißbrod/dpa
VSZV-Vorsitzender Valdo Lehari: „Es geht um Glaubwürdigkeit und Vertrauen“.Foto: B. Weißbrod/dpa

Herr Lehari, wann waren Sie das letzte Mal mit dem Verband Südwestdeutscher ZeitungsverlegerinLudwigsburgzuGast?

Valdo Lehari: Wir sind nach 15 Jahren wieder einmal hier und ich erwarte mir eine schöne Zeit in Ludwigsburg. Sich in einer ehemaligen absolutistischen Hochburg zu treffen als wackere Demokraten und Träger von Pressefreiheit, ist immer etwas Besonderes.

Und was erwarten Sie von der Tagung?

Wir haben im Moment in unserer Branche ja sehr viele Herausforderungen, nicht nur was die Digitalisierung betrifft, sondern wie es überhaupt mit unserer Gesellschaft weitergeht, welche Rolle der Zeitungsjournalismus in Zukunft spielt und wie er finanziert werden kann. Dazu muss zunächst eine faire Wettbewerbssituation geschaffen werden. Wir brauchen das europäische Verlegerrecht, um mit Google überhaupt auf Augenhöhe verhandeln zu können. Auch muss die Mehrwertsteuer auf digitale Produkte den Printprodukten angeglichen werden. Damit die Branche nicht in Schwierigkeiten kommt, muss die Medienpolitik eingreifen.

Sie stellen heute auch die Imagekampagne „Jedes Wort wert“ vor. Hat sich der Wert des Wortes denn verändert?

Ich glaube, dass die Unkultur des Kostenlosen – an der wir nicht ganz unbeteiligt sind – sich die vergangenen Jahre sehr negativ ausgewirkt hat. Man kann letztlich alles mitnehmen, runterladen und klauen. Mit den Suchmaschinenbetreibern und Social Media gibt es ja tatsächlich Unternehmen, die zeigen, dass die Dinge nicht mehr zu bezahlen sind. Das ist der eine, pekuniäre Wert. Und der andere Wert ist die Rolle und Bedeutung von gutem Journalismus in der Demokratie. Im Moment geschehen vielfältigste Angriffe, Misshandlungen und Missachtungen – wie US-Präsident Trump mit der Presse umgeht oder was in der Türkei passiert, sei hier nur erwähnt.

78 Prozent der Bundesbürger lesen die gedruckte oder digitale Zeitung – und sie tun dies intensiv. Dies fand die Zeitungsmarketinggesellschaft in einer aktuellen Studie heraus. Mit diesem Befund müssten Sie doch mehr als zufrieden sein.

Ich meine sogar, dass wir in Baden-Württemberg bei über 80 Prozent liegen. Wir haben noch nie so viel Reichweite gehabt, das heißt, so viele Menschen über gedruckte und digitale Angebote angesprochen. Der entscheidende Punkt aber ist: Wie kann man dafür sorgen, dass wir in der digitalisierten Welt der Zukunft auch entsprechende Erlöse generieren können für die wertvollen Angebote, die wir produzieren und bereitstellen.

Ein Schwerpunkt der Tagung ist die journalistische Ausbildung. Wie in anderen Branchen auch wird es für Verlage immer schwieriger, qualifizierten Nachwuchs zu finden. Woran liegt das?

Der Wettbewerb um junge Menschen, die im Bereich Kommunikation tätig werden wollen, ist viel größer geworden. Jede Firma hat eine Pressestelle, hat eine Marketing- und Kommunikationsabteilung. Zum Teil machen wir aber auch selbst unsere Branche schlecht, so dass sich der ein oder andere junge Mensch sagt: Ich gehe lieber direkt bei Google, Microsoft oder großen Automobilkonzernen arbeiten. Aber man muss klar sagen: Wenn man bei der Zeitung arbeitet, ist man Mitarbeiter der Demokratie.

Wenn Sie aus Ludwigsburg nicht nur die Eindrücke der schönen Barockstadt mitnehmen, sondern auch eine Glaskugel im Park von Schloss Monrepos finden würden, was sähen Sie darin?

Ich sehe das 200. Jubiläum der Ludwigsburger Kreiszeitung im nächsten Jahr. Dieses Jubiläum zeigt, wieder und erneut, dass nicht die Gutenberg’sche Technik gefeiert wird, sondern qualitative journalistische Angebote, die alle unsere Verlage teilweise seit Jahrhunderten machen, gleichgültig auf welcher Plattform. Es geht um Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Fragen von Ulrike Trampus
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