Filmnacht
Ludwigsburg | 11. September 2017

1179 Minuten lang Harry Potter

Ausdauer ist gefragt, und zwar ganz gehörig. Rund 22 Stunden dauerte die lange Harry-Potter-Nacht im Union-Kino. In derselben Zeit erreicht man das australische Sydney. Mit einem Zwischenstopp.

Für die lange Filmnacht haben sich alle gut gerüstet: Claudia Rönfeldt mit Hogwart-Shirt, Harry-Potter-Decke und Popcorn, andere haben taschenweise Smoothies, Äpfel oder Studentenfutter dabei. Foto: Holm Wolschendorf
Für die lange Filmnacht haben sich alle gut gerüstet: Claudia Rönfeldt mit Hogwart-Shirt, Harry-Potter-Decke und Popcorn, andere haben taschenweise Smoothies, Äpfel oder Studentenfutter dabei. Foto: Holm Wolschendorf

Das Ticket für die Langstreckenserie kostet 35 Euro. Startzeit Freitag 18 Uhr. Destination: Zaubererschule Hogwarts. Geplante Landung zurück in der Realität am nächsten Tag gegen 15.45 Uhr. Aber nur, wenn der böse Lord Voldemort oder seine fiesen Gefolgsleute nicht dazwischen funken.

Die Bordverpflegung ist karg. Es gibt einen Hotdog als Zwischensnack und eine Butterbrezel zum Frühstück gegen 6.30 Uhr. Für Getränke muss jeder selber sorgen. 65 Muggel-Passagiere machen sich auf die Zeitreise. Sie begleiten Harry, Hermine, die Weasleys und Draco Malfoy vom Kind zum jungen Erwachsenen. Und obwohl sie alle die Filme mindestens zehn Mal gesehen, die Bücher alle mehrfach gelesen haben, fiebern sie jede einzelne der insgesamt 1179 Minuten mit.

Vorausgesetzt, sie machen zwischendurch nicht ein kleines Nickerchen. Was fast alle tun. Auch wenn im Gegensatz zum Flug nach Australien mehrere Pausen eingelegt wurden. Nach jeder der acht Folgen eine. Zwischen zehn und 20 Minuten.

„Gegen Mitternacht wird’s trotzdem gefährlich“, meint Tim aus Besigheim. Dann hat der 18 Jahre alte Auszubildende in der Regel seinen Tiefpunkt. Er hat sich den Freitag extra frei genommen, um ausreichend ausgeruht an den Start zu gehen. Seine Szene schlechthin: Als Lord Voldemort sich im Feuerkelch leibhaftig zeigt. „Zu viele schöne Filme, zu viele großartige Szenen“, Ann-Kathrin kann sich für keinen Favoriten entscheiden. „Ich bin mit den Büchern und Filmen mitgewachsen“, erklärt die 22-Jährige die Faszination an Potter.

Claudia aus Walheim ist voll ausgerüstet. T-Shirt von Hogwarts, die Kapuzenjacke von dem Potter-Haus Griffindor, dazu Käppi, Decke, Kissen. „Ich glaube ich stehe es durch“, meint sie nach 14 Stunden Schlaf. Gleich der erste Teil „Stein der Weisen“ gefällt ihr am besten und die traurigste Szene sei, als Sirius Black in „Orden des Phoenix“ stirbt. Alexa treibt es immer noch die Tränen in die Augen, wenn der freie Hauself Dobbie die „Heiligtümer des Todes“ nicht überlebt“.

Gegen die drohende Gefahr des Einschlafens sind sie aber alle gerüstet. Üppig haben sie Schlafreserven gebildet und Energydrinks dabei. Die 14-Jährige Maja hat in ihrer Tasche zusätzlich Äpfel, Studentenfutter, Cornflakes und grünen Tee. Sie hat alle acht Folgen schon einmal am Stück gesehen und auch durchgehalten. „Mit eisernem Wille ist das zu schaffen“, meint sie. Es sei wie ein trimagisches Turnier nur im Sitzen.

Stefan ist 18, Marie 16. Die beiden haben vor dem Projekt „Potter-Marathon“ erst viel geschlafen und dann ordentlich Cola getrunken. Sie haben Doping in Form von Smoothies Vitamine zum Trinken dabei. „Wir schaffen’s“, meinen die zwei aus Vaihingen. Schließlich würde eine gute Party auch nicht schon um Mitternacht enden. Teil drei „Der Gefangene von Askaban“ ist ihre Lieblingsfolge der Oktologie.

Matratzenlager wird nicht gebraucht

Die Film-Reisenden sind überwiegend jung, haben Decken und Kissen dabei. Trotzdem: Spätestens zur Halbzeit liegen die Füße über den Stuhllehnen, die Köpfe oft auf Schulter oder Schoß des Nachbarn. Trotzdem, auch im Morgengrauen wird gelacht, geweint, gegruselt. Es ist eine eingeschworene Potter-Community.

Auch Kino-Besitzer Claus Wollenschläger mischt sich unters Publikum. „Ich werde alle Folgen sicher nicht überstehen“, schätzt er. Das glaubt er auch von anderen. Deshalb öffnete er Kino zwei für ein Matratzenlager. Es wurde nicht gebraucht.

Bislang lockten die Potter-Filme rund 150 000 Besucher in seine Lichtspielhäuser und zählen damit zu den Bestsellern auf der Leinwand. „Hier findet jeder seine Figur, mit der er sich identifizieren kann“, erklärt er den Erfolg. Den Wunsch nach einer langen Potter-Nacht hätten die Zuschauer geäußert.

Landung perfekt: Willkommen zurück in Ludwigsburg, Solitudestraße: Wie nach einem anstrengenden Australienflug haben die Gesichter reichlich Entfaltungsmöglichkeiten. Sie sind gezeichnet wie Potter: Die Augen sind rot, die Schritte sind steif. „Es war geil, aber jetzt will ich nur noch unter die Dusche und in mein Bett“, meint Lisa.

Thomas Faulhaber
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