Entsorgung
Ludwigsburg | 29. Juni 2017

AVL schürt Unsicherheit am Froschgraben

Abfallverwertungsgesellschaft bringt Laufzeitverlängerung der Schwieberdinger Deponie bis 2042 ins Gespräch – Doch Landrat Rainer Haas schreitet ein

Blick auf die Schwieberdinger Georgskirche und die Deponie: Bisher hieß es immer, dass 2025 am Froschgraben Schluss sein soll. Archivfoto: Alfred Drossel
Blick auf die Schwieberdinger Georgskirche und die Deponie: Bisher hieß es immer, dass 2025 am Froschgraben Schluss sein soll. Archivfoto: Alfred Drossel

Im Sommer 2015 ist die Stimmung auf der Deponie Froschgraben prima. Schwieberdinger Bürger nehmen mit dem damaligen Technikchef der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft, Albrecht Tschackert, das Gelände in Augenschein und schmieden große Pläne – für eine Nachnutzung der Deponie, die seit Ende der 90er Jahre in Betrieb ist. Die AVL hat im Sommer 2015 auch schon das Laufzeitende für den Froschgraben datiert: auf 2025. Seitdem kursieren Pläne für eine Motocross-Strecke und ein Freilufttheater in Schwieberdingen oder eine Halle für Bogenschützen, Platz für wilde Natur, Wanderwege und Landwirte.

Zwei Jahre später kann von Vorfreude keine Rede mehr sein – und das liegt nicht nur an den bevorstehenden Mülltransporten aus dem Neckarwestheimer Kernkraftwerk und der Affäre um den Schutt aus Karlsruher Atomanlagen, die Tschackert den Job gekostet hat. In Unterlagen für den Aufsichtsrat bringen die AVL-Chefin Ina Jansen und der Tschackert-Nachfolger Tobias Mertenskötter offenbar eine Laufzeitverlängerung bis ins Jahr 2042 ins Gespräch, was in Schwieberdingen erneut für Aufregung sorgt.

„Die Thematik ist brisant“, sagt der Mediziner Dierk-Christian Vogt, der Sprecher der Bürgerinitiative Froschgraben-freigemessen ist. Sie macht ausdauernd mobil gegen den Freimessmüll auf dem Froschgraben. Vogt: „Das Vertrauen in die AVL und die Landkreisverwaltung schwindet immer mehr.“ Sein Mitstreiter Erwin Wild wird noch deutlicher: „Der Vorgang verwundert sehr und löst neue Empörungen aus.“

Erschwerend kommt hinzu, dass das Kreishaus zunächst nichts zur Auflösung beitragen kann. „Wegen des Befüllungszeitraums der Deponie besteht noch Klärungsbedarf“, sagt eine Sprecherin des Landrats Rainer Haas im Mai. Sie verweist auf den AVL-Aufsichtsrat, der noch eingebunden werden müsse.

Die Hängepartie sorgt auch im Schwieberdinger Rathaus für Irritationen. „Für uns ist die ins Gespräch gebrachte Laufzeitverlängerung eine neue Information, die nicht nachvollziehbar ist“, sagt Bürgermeister Nico Lauxmann. Er verweist auf die Geschäftsgrundlage, die vor einigen Jahren zwischen der AVL, dem Landkreis Ludwigsburg und der Gemeinde Schwieberdingen beschlossen wurde, als es um die Erhöhung der Deponie ging. Lauxmann: „Damals war immer von 2025 die Rede. Über eine weitergehende Laufzeit ist nicht gesprochen worden.“ Das habe auch sein Vorgänger Gerd Spiegel so versichert.

Die AVL sieht die Laufzeitdaten offenkundig eher als Planspiel. „Das Jahr 2025 beruhte bisher auf einer Prognose, die anhand von Füllmengen erstellt wurde“, sagt eine, die es wissen muss, unserer Zeitung. „Wie sich die Mengen tatsächlich entwickeln, kann jedoch nicht berechnet werden. Der Kreis muss aber natürlich gewährleisten, dass seine Deponien die anfallenden Mineralstoffe aus der Region Stuttgart auch entsorgen können.“

In dieser Woche hat sich nun Landrat Rainer Haas in den Fall eingeschaltet und mit Lauxmann telefoniert. Der Bürgermeister: „Wir sind nicht bereit, dass die Geschäftsgrundlage geändert wird.“ In dem Gespräch hat sich Haas wohl auf das Jahr 2025 als Laufzeitende festgelegt. Der Landrat steht in Schwieberdingen seit langem am Pranger und legt keinen gesteigerten Wert mehr auf weitere Scherereien.

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Philipp SChneider
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