Enzbrücke
Besigheim/Walheim | 03. März 2018

Bund lehnt Unterführung ab

Radfahrer und Fußgänger müssen die B 27 auch weiterhin an einer Ampel überqueren

Die Ampel bleibt: Beim Neubau der Enzbrücke wird es keine Radwegunterführung geben, Fußgänger und Radfahrer müssen die B 27 weiter an einer Ampel überqueren. Archivfoto: Ramona Theiss
Die Ampel bleibt: Beim Neubau der Enzbrücke wird es keine Radwegunterführung geben, Fußgänger und Radfahrer müssen die B 27 weiter an einer Ampel überqueren. Archivfoto: Ramona Theiss

Die neue Enzbrücke zwischen Besigheim und Walheim wird ohne Radwegunterführung gebaut. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat den Wunsch der Kommunen Walheim und Besigheim geprüft – und abgelehnt. Die Begründung: Die voraussichtlichen Mehrkosten für eine Radwegunterführung von mehr als 650 000 Euro und erhebliche Eingriffe in geschützte Biotope seien nicht zu rechtfertigen, heißt es in einem Brief des Ministeriums, der unserer Zeitung vorliegt. Angeführt wird aber auch der geringe Radverkehr an dieser Stelle. Damit müssen Radfahrer und Fußgänger auch weiterhin die B 27-Brücke mithilfe einer Ampel überqueren.

Genau dagegen hatten die betroffenen Kommunen sowie Organisationen und Verbände aber lange protestiert und sich für eine barrierefreie Radwegunterführung starkgemacht: In Gemeinderatssitzungen sprachen sie sich gegen die Ampellösung aus, es gab Treffen zwischen den Behörden, einen Klingelprotest und Gespräche mit Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Landesverkehrsminister Winfried Hermann. Die Kommunen hatten außerdem angeboten, sich finanziell an der Unterführung zu beteiligen. Doch all das hat den Bund nicht überzeugt. Der Brückenneubau kommt – wie vom Regierungspräsidium Stuttgart ursprünglich geplant – ohne Unterführung. Allerdings werde man den Ersatzneubau so ausführen, dass die Radwegunterführung nachträglich realisiert werden könne, heißt es in einem Brief des Landesverkehrsministeriums an die Stadt Besigheim. Und: „Wir haben unser Möglichstes getan, um den Bund zu überzeugen.“

Wie mehrfach berichtet, soll die vielbefahrene Enzbrücke für knapp vier Millionen Euro erneuert werden. Etwa zwei Jahre dürfte der Neubau der Brücke dauern. Der Verkehr wird währenddessen weitgehend ungestört fließen können, denn der Neubau soll neben der Bestandsbrücke errichtet werden. Wie das Regierungspräsidium Stuttgart erklärte, werde es zu keinen zeitlichen Verzögerungen kommen. Aktuell würden die Ausführungsplanung der Straße sowie der Brückenentwurf erstellt. Bereits Ende des Jahres könnten erste Vorabmaßnahmen beginnen. Die Behörde hatte sich stets gegen die Unterführung ausgesprochen, vor allem mit Blick auf die Kosten und den Naturschutz. Das Bundesverkehrsministerium hat sich dieser Argumentation nun angeschlossen.

In Besigheim und Walheim reagierte man gestern enttäuscht auf die Entscheidung aus Berlin. Die Unterführung wäre eine sehr gute Sache gewesen und hätte gut zum Radkonzept der Stadt Besigheim gepasst, sagte Bürgermeister Steffen Bühler. Zumal man auf Besigheimer Seite den Enztalradweg erst erneuert habe. Noch deutlicher äußerte sich Walheims Bürgermeister Albrecht Dautel: „Als Kommunen werden wir zuerst hingehalten, dann vertröstet und letztlich wird unser Anliegen abgewiegelt. Bloße Lippenbekenntnisse eines Regierungspräsidenten und eines Landesverkehrsministers helfen eben nicht weiter, sondern bremsen die Entwicklung an solchen Stellen und sorgen für Politikverdrossenheit.“ Leider fehle beim Land die Bereitschaft, sich konstruktiv und wirklich mit den Anliegen der Kommunen auseinanderzusetzen, obwohl sich die Maßnahme innerhalb des „Radnetz Baden-Württemberg“ befinde, was eigentlich ein Herzensanliegen des Verkehrsministers sein müsste, ärgert sich Dautel.

Christina Kehl
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