Eglosheim
Ludwigsburg | 14. Februar 2018

Der Kugelstoßer mit Goldmedaille

Paralympics-Sieger Niko Kappel erzählt an der Ludwigsburger Hirschbergschule in einer Kooperationsklasse aus seinem Leben

Der vielseitig engagierte Medaillengewinner Niko Kappel inmitten der Schüler der Hirschbergschule. Foto: B. Stollenberg
Der vielseitig engagierte Medaillengewinner Niko Kappel inmitten der Schüler der Hirschbergschule. Foto: B. Stollenberg

Niko Kappel ist an diesem Morgen locker drauf und gut gelaunt. Der Welzheimer erzählt von seinen Fußballkumpels, von seinen Reisen, vom Kugelstoßtraining und von seinem Handicap, das für ihn nie ein Hemmnis war. Der Paralympics-Goldmedaillengewinner im Kugelstoßen stand Schülern einer Kooperationsklasse an der Eglosheimer Hirschbergschule Rede und Antwort.

Kappel hatte sogar die Goldmedaille aus Rio dabei und jeder durfte sie mal in die Hand nehmen. Der 20-Jährige erklärte sogleich, dass die Medaille sogar Geräusche macht, wenn man sie schüttelt. Gold, Silber und Bronze klingen dabei unterschiedlich, so dass auch Sehbehinderte gleich erkennen, um welche es sich handelt. Niko Kappel ist kleinwüchsig, das heißt seine Körpergröße von 1,41 Metern entspricht nicht der Norm.

Kleinwüchsigkeit gilt vor allem wegen verschiedener Begleiterkrankungen als Beeinträchtigung, die Niko Kappel aber nach eigenem Bekunden nie erlebt hat. „Ich habe schon immer gerne Fußball gespielt und gehörte der B- und A-Jugend an“, erzählte Kappel. Als Mittelstürmer entschied er so manche Begegnungen. „Ich war balltechnisch ziemlich stark und habe Freistöße und sogar Kopfbälle geschossen“, sagte er selbstbewusst.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, lautet ein Sprichwort und das traf auch auf Niko Kappel zu. Denn Spieler aus Gegnermannschaften lachten oft über den kleinwüchsigen Kicker, doch das Lachen blieb ihnen nach dem ersten von Nico Kappel geschossenen Tor im Halse stecken. Er war dabei immer der Mann für die erste Halbzeit, länger habe seine Puste aufgrund seiner Beeinträchtigung nicht gereicht.

Was für ihn vor allem wichtig war: Die Mannschaft stand ohne Wenn und Aber zu ihm, da konnten ihm dann auch Diskriminierungen von außen nichts anhaben. Deshalb ist Fußball für den VfB-Fan nach wie vor ein beliebtes Hobby.

Vor zehn Jahren begann er mit dem Kugelstoßen und sein Talent wurde bald erkannt. „Ich trainiere sechs Tage in der Woche jeweils drei bis vier Stunden“, erzählte er auf Nachfrage. Krafttraining gehöre da auch dazu, bestätigte der 20-Jährige auf die Frage eines Schülers. Die Sechstklässler wollten von dem Paralympics-Sieger ganz viel wissen und Niko Kappel beantwortete alle Fragen mit großer Offenheit.

Beispielsweise ob er in der Schule gemobbt wurde. „Ich hatte immer einen gut funktionierenden Freundeskreis“, sagte er. Sein Rat: Nicht immer nach den Schwächen, sondern nach den persönlichen Stärken schauen. „Jeder kann seinen Platz in der Gesellschaft finden“, das machte Niko Kappel deutlich.

Die Schülerfragen waren aber auch ganz praktischer Natur: Wo kauft er seine Kleider, wie ist das mit dem Autofahren, welche Schuhgröße hat er und spielt er gerne Playstation? „Hosen müssen schon mal umgenäht werden“, berichtete der Goldmedaillengewinner, der kein speziell ausgerüstetes, dafür aber ein gut zu verstellendes Auto fährt, er trägt Schuhgröße 39 und freie Zeit im Trainingslager verbringt er gerne an der Spielkonsole. Und wie ist das mit gesunder Ernährung? Als Werfer esse er ausgewogen, Pommes sollten es aber nicht sein.

Bei angesagter Musik kennt er sich ebenfalls aus und er engagiert sich auch politisch: Der 20-Jährige gehört dem Welzheimer Gemeinderat an. Rio de Janeiro und viele andere Weltstädte: Ein Paralympics-Sieger kommt ganz schön herum in der Welt, wie er erzählte. Da hörten die Sechstklässler mit Bewunderung zu.

Niko Kappels Besuch war Beweis, dass Behinderung kein Makel sein muss, dass bei funktionierendem Umfeld vieles möglich ist. Ein solcher Zusammenhalt wird auch in der Kooperationsklasse an der Hirschbergschule gepflegt.

Hier lernen Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam. „Wir beschäftigen uns auch immer wieder mit Behinderungsformen, mit denen manche von uns ständig kämpfen müssen“, berichtete der hier tätige Sonderpädagoge Patrick Geurds. Und so werden auch gerne Gäste eingeladen, die aus ihrem Leben erzählen. „Seit vergangenem Jahr gibt es die Kooperationsklasse und wir haben schon ein gutes Miteinander gefunden“, betonte die Klassenlehrerin Mechthild Krämer im Gespräch mit unserer Zeitung. Als weitere Klassenlehrerin ist hier außerdem die Sonderpädagogin Michaela Reutter tätig, überdies gibt es Unterrichtshelfer.

Angelika Baumeister
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