Fasnetumzug Neckarweihingen
Neckarweihingen | 05. Februar 2018

Die Jecken treiben um wie das Wetter

64 Narrengruppen aus dem ganzen Gäu bespaßen die vielen Zuschauer am Straßenrand

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„Mistel – hexa!“ Wegen der Kürze der Fasnet in diesem Jahr lief der 34. große Umzug der 1. Fasnetzunft Ludwigsburg-Neckarweihingen Mistelhexen zwar in abgespeckter Form ab, doch es waren immerhin 64 Gruppen, welche in den gut bevölkerten Straßen Neckerweihingens umtrieben wie gestern das Wetter. „Symbadische“ Badener bis hin zum Ortenaukreis sorgten für einen schwäbisch-alemannischen Einschlag.

Baubürgermeister Michael Ilk sah sich schon gestern Vormittag von Narren umvölkert, als der Präsident der Mistelhexen, Stefan Diefenbach, die teilnehmenden Gruppen begrüßte und Jahresorden verlieh. Von den 90 angebotenen Übernachtungsplätzen wurde von insgesamt rund 1700 Umzüglern keiner in Anspruch genommen, denn so weit hatten es die Auswärtigen nun auch wieder nicht. So früh wie dieses Jahr ist die Fasnet, gerechnet ab dem ersten Frühjahrsvollmond, nur selten. Die Kampagne ist kurz und die Veranstaltungen sind eng getaktet.

Die freien Mondscheinhexen aus Offenburg in der Ortenau zum Beispiel waren dabei, weil der Neckarweihinger Umzug für sie „immer schön“ ist. Aus Neckarweihingen, sagten die Hästräger mit den aus echten Pferdeschweifhaaren langen Mähnen, nähmen sie stets nur gute Erinnerungen mit nach Hause. Aus Masken mit überwachsenden Zähnen grinsten sie die Zuschauer an.

 

Die Schwarzwälder sind gerade so gut wie jeden Tag unterwegs, und nichtsdestotrotz marschierte die Schanzel-Zunft Villigen mit 40 Leuten beim Umzug mit. Die Zunftmeister Andreas Wilhem und Katja Wälde ließen sich nicht lange per Einladung nach Ludwigsburg bitten. Das derbe Schwarzwälder Bauerngesicht wirkte dämonisch, aber auch freundlich, und die Karpatschenpeitsche war auch eher ein Symbol.

Im schwarzen Fleckleshäs die dunkle Jahrezeit symbolisiertend, brachten rot gefütterte Umhänge und rote Handschuhe Wärme in die Zuschauer, wobei die Glöckchen an der Hose schon den Frühling einläuteten.

Nach dem Motto „Ein Männlein steht im Walde“ lieferte die große Karnevalgesellschaft Rastatt ihre Vorstellung in Neckarweihingen ab. Deren Erdäpfler hatten den aus der Topinambourpflanze gebrannten Schnaps dabei, welcher in dieser Gegend mit Vorzug gebrannt wird, und machten in Neckarweihingen kräftig Werbung dafür. Auch das Raststätter Waldmännlein, von den Wurzelsepps am Leben gehalten, soll sich angeblich nicht nur von Kräutern ernährt, sondern diese auch in schärferer, flüssiger Form zu sich genommen haben.

Kein Geringerer als der Kurfürst hatte die Gajenmänndl aus Nußloch bei Heidelberg in die Barockstadt des Herzogs Carl Eugen geschickt. Sie wirbelten in grünen Jägerumhängen durch die Straßen. Quasi als Waldaufseher, wie es der Sage nach dort wirklich einen gegeben haben soll. Ganz im Sinne des Gaj- (Gäu-)-Aufsehers halfen die Raststätter im Straßenpublikum den alten Mütterlein und gingen mit den Waldfrevlern etwas gröber um.

Die schwäbische Frau ist ein „Mensch“: So lernten die Fasnetsfans gestern die Böblinger Lombamenscher kennen, eine freie Gruppe, die sich sämtlich weiblich um nur einen einzigen Lombaseggel schart. „Wir bespaßen die Leute mit echten Straußenfederwuscheln“, sagte die Sprecherin Barbara Michalik, welche mit ihren anderen Menschen jedes Jahr in einem neuen, selbst gemachten Kostüm auftritt. Dafür dürfen die Rüschen dann schon einmal aus Müllsack-Material sein.

Die Zuschauer beim 34. Neckarweihinger Umzug, darunter sogar zwei aus Köln mit einem kräftigen „Kölle, a laaf“, waren in Sachen Verkleidung nicht weniger kreativ. An ihnen tanzten jede Menge Gardemädchen vorbei, und Gugga heizten ihnen mit Ohrwürmern zum Mitsingen ein. Dazwischen flogen Küsschen, Konfetti und Bonbons, auch vom Umzugswagen um den Moderator Ralf Diefenbach und den Stadträten herunter, von denen jede Fraktion einen Vertreter zum Umzug geschickt hatte. Verpflegungstechnisch gab es auf dem Parkplatz der Willy-Krehl-Halle und in der Halle praktisch alles, was der Magen begehrt.

Weil die Mistelhexen, von denen alle auch im Umzug mitlaufen, die Großveranstaltung gar nicht alleine stemmen können und sie zudem erst den Tag zuvor Brauchtumsabend feierten, bieten auch Vereine an den Straßenrändern etwas an und bezahlen dafür einen Obulus an die Fasnetzunft. Kleine Turbulenzen hatte es bei der Organisation gegeben, weil nicht klar war, dass der Fußgängerweg über die Neckarbrücke erst ab dem heutigen Montag gesperrt ist.

von Heike Rommel
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