Wechsel
Walheim | 12. Juli 2018

Ein Bürgermeister aus Leidenschaft mit dickem Fell

Am heutigen Donnerstag wird Albrecht Dautel offiziell verabschiedet, am Sonntag verkündet der scheidende Bürgermeister als letzte Amtshandlung das Ergebnis der Wahl seines Nachfolgers, ein Tag später ist Dienstbeginn im Bönnigheimer Rathaus. Zum Abschied blickt der 42-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung zurück auf seine knapp 13-jährige Amtszeit in Walheim.

Hat viel für Walheim erreicht, aber nicht alle seine Ziele umsetzen können: Bürgermeister Albrecht Dautel. Archivfoto: Alfred Drossel
Hat viel für Walheim erreicht, aber nicht alle seine Ziele umsetzen können: Bürgermeister Albrecht Dautel. Archivfoto: Alfred Drossel

Als Dautel im Jahr 2005 auf dem Chefsessel im Walheimer Rathaus als jüngster Bürgermeister im Landkreis Platz nahm, war die finanzielle Lage im Ort angespannt. „Ich habe mit einem Kassenkredit von 750 000 Euro angefangen, momentan haben wir zwei Millionen liquide Mittel“, erklärt Dautel. Dank der guten konjunkturellen Lage sei Walheim dazu fähig, wichtige Investitionen zu tätigen.

Als große, gelungene Projekte nennt er die umfassende Sanierung der Gemeindehalle oder den Umbau der ehemaligen Werkstatt Pfander zum Feuerwehrmagazin. „Doch ich will meine Zeit als Bürgermeister nicht am Geld festmachen“, sagt Dautel. Viel wichtiger ist ihm die Weiterentwicklung des Dorfs. Die Ortskernsanierung hat sich durch seine gesamte Amtszeit gezogen und wird auch noch seinen Nachfolger beschäftigen. Der scheidende Bürgermeister, der eine Politik der Nachverdichtung statt Flächenfraß betrieben hat, erzählt nicht ohne Stolz, dass Walheim auch ohne Ausweisung eines Neubaugebiets 200 Einwohner hinzugewonnen habe. „Ich bin überzeugt, dass es mit dieser gemäßigten Entwicklung weitergeht“, so Albrecht Dautel. In Hinsicht auf die Gewerbeentwicklung habe man sich vor 30 Jahren für die Beteiligung an der Ottmarsheimer Höhe entschieden.

Nicht gelungen ist die Ansiedlung eines Discounters – an dem einen Standort aus planerischen Gründen, am anderen wegen der gescheiterten Grundstückverhandlungen. „Es gibt Zeiten, in denen viel funktioniert und andere, in denen etwas nicht klappt“, sieht er ganz nüchtern, dass nicht immer alles wunschgemäß verläuft. Enttäuscht zeigt sich Dautel aber über die zeitlichen Verzögerungen beim Bau der dringend benötigten Krippe. Auch wenn er dann bereits als Bürgermeister in der Nachbarkommune Bönnigheim waltet, ist er gespannt auf das Ergebnis der Generalunternehmer-Ausschreibung. Die Entscheidung gegen den Bau einer Lärmschutzwand entlang der Schienenstrecke widerspricht zwar seinen jahrelangen Bemühungen für einen aktiven Lärmschutz. „Doch wichtig ist, dass diese Streitfrage von den Bürgern entschieden wurde“, sieht er den Bürgerentscheid auch als interessante Erfahrung.

Und dann kehrt Dautel bei seiner Bilanz wieder zu den rundum positiven Ergebnissen zurück, wie die Gasversorgung, die sukzessive weiter ausgebaut werden soll. Ein großer Coup ist auch mit der Renaturierung des Baumbachs gelungen, die der Zweckverband Industriegebiet als Ausgleichsmaßnahme für die Erweiterung Ottmarsheimer Höhe finanziert hat. Auch das Projekt Umgestaltung der Neckarwiese bei einem Eigenanteil von gerade mal 60 000 Euro ist rundum gelungen. „Das ist schön und strahlt in den Alltag rein“, freut sich Dautel über solche Erfolge.

Über die Gemeindegrenzen hinaus wird sein Engagement bei der Förderung des Enztalradwegs oder als Geschäftsführer von Ilek sehr geschätzt. „Die Steillagen gehören zu den Neckargemeinden einfach dazu“, ist für Dautel Grund genug, sich ideell für deren Erhalt einzubringen. Grund zur Freude bietet auch die kürzlich erfolgte Neueröffnung des Römerhauses mit neuer Konzeption und saniertem Dach, womit ein von Anfang an bestehendes Problem behoben wurde.

Dass vonseiten einiger Gemeinderäte auch wiederholt heftig auf ihn geschossen wurde, sieht Dautel gelassen. Natürlich gebe es Meinungsverschiedenheiten, aber das sehe er nicht als Zwist. „Wenn jemand mit einem Affen auf der Schulter in die Sitzung kommt, wird das Problem entweder gelöst oder derjenige muss den Affen behalten. Ich nehme ihn jedenfalls nicht auf meiner Schulter mit nach Haus“, zieht er einen bildhaften Vergleich.

Sein Fazit für die Zeit als Bürgermeister in Walheim: „Ich habe es keinen Tag bereut, dass ich mich dieser Aufgabe gestellt habe. Ich werde sie mit Hingabe bis zum letzten Tag erledigen“, so Dautel, der sich mit einem Augenzwinkern als Motivator, Rechtsberater und Friedensrichter bezeichnet. Jetzt freut er sich nach der selbstgewählten Zäsur auf seine neue Aufgabe als Bürgermeister von Bönnigheim mit Wohnsitz in Walheim.

Beate Volmari
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