Umweltschutz
Ludwigsburg | 09. Dezember 2017

Eine Säule schluckt Staub

Mann + Hummel weitet Forschungsprojekt zur Luftverbesserung aus – Filter auch für Bremsen

Drei Autos sind künftig in der Region als Testfahrzeuge zur Feinstaubbeseitigung unterwegs. Fotos: Holm Wolschendorf
Drei Autos sind künftig in der Region als Testfahrzeuge zur Feinstaubbeseitigung unterwegs. Fotos: Holm Wolschendorf

Sie ist weiß, zwei Meter hoch, etwa so dick wie eine Litfaßsäule und soll einen Beitrag dazu leisten, eines der großen Probleme der Region und speziell der Landeshauptstadt zu bewältigen: die schlechte Luftqualität. Seit dieser Woche steht die „Feinstaubfresser-Säule vor dem Hauptquartier des Ludwigsburger Filterspezialisten Mann + Hummel. Der erweitert damit sein im Sommer begonnenes Forschungsprojekt. Das Unternehmen will herausfinden, wie sich Filtertechnologie einsetzen lässt, um die Feinstaubbelastung zu senken.

Die Säulen könnten später einmal an stark befahrenen Straßen wie etwa dem Stuttgarter Neckartor stehen, so wie jetzt schon der Prototyp an der Schwieberdinger Straße. Und es müssen nicht unbedingt Säulen sein, in die die Technologie eingebaut wird. Denkbar seien auch andere Formen, etwa flache Gehäuse an Bushaltestellen, sagte Projektleiter Jan-Eric Raschke gestern bei der Vorstellung der Feinstaubfresser-Säule. Die stationäre Lösung setzt im Prinzip auf die gleiche Technologie, die Mann + Hummel auch in seinen Feinstaubfresser-Testwagen einsetzt. Ein Ventilator saugt Luft an und leitet sie über ein Filtervlies, dass den Feinstaub bindet. Hinzu kommt die Steuerungs- und Sensortechnik, um laufend Messwerte erfassen und übertragen zu können.

Wie viele Feinstaubfresser-Säulen entlang einer belastete Straße oder an einer verkehrsreichen Kreuzung aufgestellt werden müssten, um die Luftbelastung deutlich zu verbessern, können Raschke und seine Mitarbeiter derzeit noch nicht sagen. Denn die Versuche laufen gerade erst an, die Säule vor dem Technologiezentrum des Familienunternehmens ist noch alleine.

Erhebliche Effekte registrieren die Mann + Hummel-Ingenieure dagegen schon jetzt bei einer anderen Anti-Feinstaub-Innovation: einem Filter für die Bremsen. Der habe im Labor und auf dem Prüfstand bereits seine Wirkung bewiesen und solle nun zeigen, wie er in der Praxis bei Schnee, Matsch, Kälte und Salz funktioniere, heißt es seitens der Entwickler.

Denn der Abrieb von Bremsen und Reifen, aber auch der aufgewirbelte Staub von der Straße seien beim Pkw-Verkehr viel gravierender als das, was aus dem Auspuff kommt. „Nur zehn Prozent des Feinstaubs kommen aus dem Abgasstrang“, betonte Projektleiter Raschke.

Im Sommer hat der Ludwigsburger Filterspezialist mit einem Testwagen begonnen, inzwischen sind drei Fahrzeuge verschiedener Hersteller unterwegs, um sowohl die Bremsstaubfilter wie auch die Dachboxen mit dem Feinstaubfresser weiterzuentwickeln. Gegenüber dem ersten Modell wurde die Filteranlage nun mit einem Ventilator ausgerüstet, damit auch im Stand oder bei langsamer Fahrt eine ausreichende Reinigungsleistung erzielt wird.

Um die 2018 in Stuttgart drohenden Fahrverbote zu verhindern, kommt die Feinstaubfresser-Technologie aber wohl zu spät. Bei Mann + Hummel spricht man von Entwicklungszeiten von zwei bis drei Jahren.

Jürgen Schmidt
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige