Veranstaltungsreihe
Ludwigsburg | 04. März 2015

Eisvögel und tönende Flaschenpost

Erste Neckar Open im Casa Mellifera am Hungerberg sehr gut besucht – Zehnminütige Kurzvorträge begeistern das Publikum

Sie erzählen von sich und vom Neckar: Bild oben Dennis Bühler, wie man ihn vom Weinberg kennt, Bild unten (von links) Volker Heyn, Martin Tschepe und Sabine Bayer. Foto: Oliver Bürkle
Sie erzählen von sich und vom Neckar: Bild oben Dennis Bühler, wie man ihn vom Weinberg kennt, Bild unten (von links) Volker Heyn, Martin Tschepe und Sabine Bayer. Foto: Oliver Bürkle
Sie erzählen von sich und vom Neckar: Bild oben Dennis Bühler, wie man ihn vom Weinberg kennt, Bild unten (von links) Volker Heyn, Martin Tschepe und Sabine Bayer. Foto: Oliver Bürkle
Sie erzählen von sich und vom Neckar: Bild oben Dennis Bühler, wie man ihn vom Weinberg kennt, Bild unten (von links) Volker Heyn, Martin Tschepe und Sabine Bayer. Foto: Oliver Bürkle

Im Casa Mellifera am Hungerberg ging’s zu wie im Bienenstock. Beim ersten Neckar Open war der Vortragsraum brechend voll. Die Patin der Veranstaltungsreihe und vier Referenten informierten die Zuhörer über ihre persönliche Sicht auf den Fluss. Dazu gab’s Flaschenpostmusik, Fischbrötchen und viel Applaus.

„Wir möchten den Menschen den Fluss wieder näherbringen“, erklärt Susanne Thie vom Neckar Käpt‘n, die die Patenschaft über die Neckar Open übernommen hatte. Man wolle zeigen, dass aus der ehemaligen graubraunen, stinkenden Brühe der Bundeswasserstraße durch konsequenten Umweltschutz wieder ein sauberer Fluss geworden ist, der an fünf Millionen Menschen vorbeizieht. „Ich selbst bin absolut begeistert über die Naturparadiese, die bislang entstanden sind.“ Die Ufergestaltung in Ludwigsburg und Marbach, der Remsecker Neckarstrand und die Zugwiesen zum Beispiel. Diese Schönheit müsse in die Köpfe der Menschen transportiert werden.

Wie oft und wie lange Sabine Beyer aus Remseck bereits frühmorgens in den Zugwiesen war, konnte sie nicht mehr zählen. Mit Fotoapparat und Filmkamera beobachtete sie Eisvögel. Wie sie ganz knapp über dem Wasser fliegen, wie sie Fische jagen und wie sie ihr leuchtend buntes Gefieder in der Sonne trocknen. Eine beeindruckende Collage, die von der Seniorin zusammengestellt worden war.

Den Neckar vom anderen Ufer beschrieb der angehende Weinbaumeister Dennis Bühler. Mit seiner Tierwelt und der Aussicht. Und er erzählte, wie mühsam es ist, die Poppenweiler Steillagen zu bestellen und als Landschaftsbild zu erhalten. Ein Quadratmeter Weinbergmauer koste rund 700 Euro, meinte er, und in Württemberg seien so viele Steine verbaut, wie bei den Pyramiden von Gizeh. Er zollte den vielen älteren Rentnern Respekt, die sich in den kleinen Wengerten die schwere Arbeit antun und stellte die bange Frage: „Wer macht es, wenn die nicht mehr können.“ Dann werde sich die Brombeere die Terrassen holen. 1000 Stunden Arbeit würden in einem Hektar Wengert stecken. „Wir brauchen die Unterstützung von Politik und Behörden und von Kunden, die unsere Arbeit auch wertschätzen“, appellierte Bühler, regional zu kaufen. Sonst habe sich das Thema Steillage in den nächsten Jahren von selbst erledigt. Die jetzigen Förderungen bezeichnete er als Witz.

„Es gibt jetzt kein zurück mehr.“ Martin Tschepe und Volker Heyn vom Ludwigsburger Schwimmverein wissen, worauf sie sich einlassen. In zwölf Etappen wollen sie den Neckar auf einer Länge von 362 Kilometern bis zur Mündung in den Rhein durchschwimmen. Das sind Tag für Tag gut 30 Kilometer. Am 13. Juni soll’s losgehen.

Die beiden stellten ihr Projekt „Bahn 9“ stilecht in Neopren-Schwimmanzügen vor. Zehn Sponsoren seien gewonnen und Kultusminister Andreas Stoch habe die Schirmherrschaft übernommen. Jetzt suchen sie noch jede Menge Spender, denn sie schwimmen für den guten Zweck und wollen behinderten Menschen in ihrem Verein kostenlosen Schwimmunterricht ermöglichen.

Der Künstler „Rochus“, alias Matthias Schwedes, machte Musik auf gefundenem Strandgut wie Flaschen, Tüten, Schüsseln. Experimentelle Klangcollagen nach interessanten Eigenkompositionen mit überlagernden Loops des Asperger Percussionisten. „Mich faszinieren und inspirieren Klänge.“ Und so zaubert er sogar aus quietschenden Styroporkügelchen zwitschernde Vogelwelten. Die Zugwiesen-Guides boten dazu Kleinigkeiten zum Essen an: Fischbrötchen unter anderem und Wein von Steillagen.

Info: Die nächsten zehnminütigen Kurzvorträge im Rahmen von „Neckar Open“ im Casa Mellifera am Hungerberg gibt es am Dienstag, 24. März, und am Donnerstag, 24. April. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Thomas Faulhaber
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