Schäferlauf
Markgröningen | 13. Juli 2018

Freie Wähler warnen vor Spardiktat

Markgröningen geht es finanziell weiter schlecht. Doch das Markenzeichen der Stadt, der Schäferlauf, soll nach Ansicht der Freien Wähler nicht herhalten, wenn Löcher im Haushalt gestopft werden müssen.

Setzen den Haushalt der Stadt Markgröningen unter Druck: Der defizitäre Schäferlauf und die Sanierungskosten für die Sozialunterkunft am Gerbergässle, in der es im Sommer 2017 brannte. Archivfoto: Dan Becker
Setzen den Haushalt der Stadt Markgröningen unter Druck: Der defizitäre Schäferlauf und die Sanierungskosten für die Sozialunterkunft am Gerbergässle, in der es im Sommer 2017 brannte. Archivfoto: Dan Becker

Die finanzielle Schlagseite der Stadt Markgröningen ist in diesem Jahr noch stärker, als ohnehin schon angenommen. Nach Angaben des Finanzexperten Michael Fischer weist der städtische Haushalt 2018 mittlerweile eine Lücke von gut 860 000 Euro aus – das sind knapp 640 000 Euro mehr als noch vor Weihnachten prognostiziert. Dafür verantwortlich sind zwei Faktoren: Abschreibungen, die um eine Million Euro höher ausfallen, und die Sanierung der abgebrannten Sozialunterkunft am Gerbergässle. Dafür benötigt die Stadt dieses Jahr wohl 200 000 Euro. Obendrauf kommen Schulden von mehr als 15,5 Millionen Euro, die längst die Kommunalaufsicht alarmiert haben.

Die Stimmung in der Kommunalpolitik ist im Angesicht dieser Bilanz mies. Der SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes spricht von einer „prekären Haushaltslage“, die GAL von „sehr ernüchternden Zahlen“. In der Debatte, wie die städtischen Finanzen in den Griff zu bekommen sind, ploppt jetzt ein Thema wieder auf, das bereits seit einiger Zeit für Aufregung sorgt: der Schäferlauf, der den Namen der Stadt Markgröningen weit über die Grenzen trägt und am besten noch in diesem Jahr immaterielles Kulturerbe der Unesco werden soll.

Das Problem: Mit dem viertägigen Brauchtumsfest verdient die Stadt kein Geld. Im Gegenteil: Jedes Jahr muss sie Beträge in sechsstelliger Höhe dazuschießen. Der Kämmerer Klaus Schmelzer und sein Team verlangen jetzt, dass nicht nur die Verluste bei der städtischen Musikschule „mit höchster Priorität“ zu behandeln seien – sondern auch beim Schäferlauf.

Diese Forderung bringt die Freien Wähler auf die Palme. „Es wird der Sache nicht gerecht, die Musikschule und den Schäferlauf in einem Atemzug zu nennen“, sagte der Ratsherr und Stimmenkönig Rainer Gessler im jüngsten Gemeinderat. Für die größte Markgröninger Fraktion ist der Wettstreit auf dem Stoppelfeld ein Imageträger für die Stadt, der zwar Geld koste, aber den Menschen sehr wichtig sei. Gessler: „Die Diskussionen über den Schäferlauf müssen aufhören. Wir sollten ihn aus dem Schaufenster nehmen.“

Dort steht das Fest seit knapp zwei Jahren. Im Dezember 2016 kündigte der Bürgermeister in seiner Haushaltsrede an, dass mit Blick auf den sich damals schon in Schieflage befindlichen Haushalt „alles auf den Prüfstand“ müsse – auch der Schäferlauf. „Wir haben natürlich nicht das Ziel, ihn abzuschaffen“, so Kürner damals. „Aber wir streben Veränderungen an.“ In diesem Jahr soll der Markgröninger Marktplatz etwa zum ersten Mal mit Live-Musik bespielt werden. Eine Arbeitsgruppe hat sich zudem das Ziel gesteckt, das Traditionsfest inhaltlich weiter zu stärken.

In ihren Haushaltsreden zu Beginn des Jahres bekannten sich alle vier Fraktionen durch die Bank dazu, pfleglich mit dem Schäferlauf umzugehen. Der CDU-Fraktionschef Erich Hutflus: „Das Thema ist sehr emotional.“ Das hat sich offenbar auch im jüngsten Gemeinderat gezeigt – und zwar hinter verschlossenen Türen. Dort soll es zu einem handfesten Streit gekommen sein. Im Mittelpunkt: Freie Wähler, CDU und die Kämmerei.

Die städtischen Finanzfachleute rufen jetzt als „oberstes Ziel“ die Erfüllung der Pflichtaufgaben aus. Damit meint der Kämmerer Schmelzer, Kitaplätze bereitzustellen und die Zuweisungsquoten für Flüchtlinge zu erfüllen. „Wir haben ein Problem auf der Ausgabenseite“, sagt die CDU-Stadträtin Claudia Thannheimer. Teure Bauprojekte wie die Sanierung des Bildungszentrums am Benzberg oder die Runderneuerung der Bahnhofstraße schlagen hier ins Kontor. Dagegen zeigen die Einnahmen bei der Gewerbesteuer nach oben. Von sechs Millionen Euro geht es wohl auf 6,2 Millionen Euro hinauf.

Philipp SChneider
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