Sanierung
Affalterbach | 24. August 2017

Große Schäden am Fachwerk des Wehrturms

Die Löcher im Holz sind so groß, dass man einen fingerdicken Schraubenzieher hineinstecken kann, der Putz von den Gefachen bröckelt und die Farbe ist verwittert: Der Turm der Martinskirche muss saniert werden – Kosten, mit denen die Kirchengemeinde nicht gerechnet hatte.

Die Schäden am Holz im Turm sind gut zu erkennen.Fotos: Holm Wolschendorf
Die Schäden am Holz im Turm sind gut zu erkennen.Fotos: Holm Wolschendorf

Die Schäden am Turm kamen 2014 bei der Sanierung des Holzdachstuhls der Kirche ans Licht: Während das Mauerwerk aus Natursteinen noch gut aussieht, weist das Fachwerk große Schäden auf. Besonders stark betroffen sind die Nord- und Westseite. „Da müssen fast alle Hölzer ausgetauscht werden“, sagt Dieter Ries, Vorsitzender des Kirchengemeinderats. Dementsprechend groß war der Schock, als sich nach einer Befahrung des Turms aus dem 12. Jahrhundert das Ausmaß der Schäden herausstellte. Rund 271 000 Euro wird die Sanierung des Turms kosten. Sie muss möglichst schnell erfolgen, da die Kirche mit Turm als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung gilt.

Die Löcher an der Uhr sind schon von unten mit bloßem Auge zu erkennen. Fast alle Hölzer sind von Pilz und Schimmel befallen. 1956 habe man, so berichtet Ries, die Blechverkleidung am Fachwerk entfernt, schon damals Schäden erkannt und die Hölzer mit Edelstahlwinkeln verstärkt. Alle Fachwerkverbindungen halten nicht mehr ordentlich zusammen. Die Gefache stehen am oberen Ende zwei bis drei Zentimeter heraus. „Normalerweise muss das andersherum sein, damit das Wasser ablaufen kann“, so Ries. In den Gefachen befinden sich zudem Malereien und Intarsien, die restauriert werden müssen: „M.B. 26 ZZ“ und „DAN Geisler 1671“. Auch die Anschlüsse an die Läden für den Schallschutz sind gerissen und müssen wieder saniert werden. Ein Nachbar hatte sich wegen des Glockenläutens beschwert, die Läden mussten zum Lärmschutz eingebaut werden. Das war 2004.

Der Dachaufsatz mit der Schieferdeckung ist indes noch in Ordnung. Man muss den Dachstuhl zwar reinigen, da eine Zeit lang Tauben ein- und ausgeflogen sind. Der Dachstuhl an sich ist aber dicht. „Eine Woche vor der Befahrung gab es ein starkes Unwetter, der Dachstuhl war danach trocken“, sagt Ries. Am Mauerwerk wurde an einigen Stellen etwas herausgeklopft, vor allem rund um das Fenster, das früher den Eingang zum Wehrturm darstellte, gibt es Risse und Ausbrüche. Das wird ebenfalls saniert. Interessantes Detail: Die Mauern unten sind einen Meter dick, werden nach oben hin immer dünner und haben dann nur noch eine Stärke von 30 Zentimetern. Die vier Ecken des Turms sind mit 36 Zentimeter dicken und drei Meter langen Eichenbalken verstärkt. „Solche Balken gibt es heute gar nicht mehr so einfach zu kaufen. Da braucht es ein halbes Jahr Vorlaufzeit, wenn man die ersetzen müsste“, so Ries.

Von den 271 000 Euro Kosten muss die Kirchengemeinde die Hälfte selbst stemmen. Da die Dachsanierung um 50 000 Euro günstiger wurde und nur 280 000 Euro kostete, sind diese Mittel fast schon vorhanden. Der Zuschuss von der bürgerlichen Gemeinde wird auf 46 000 Euro geschätzt, der vom Landesdenkmalamt auf 25 000 Euro. 40 000 Euro gibt es aus dem Ausgleichsstock des Landes und 21 000 Euro vom Kirchenbezirk.

Die Risse im Innenraum der Kirche sind notdürftig ausgebessert worden. Zwei Risse blieben offen und werden alle vier Wochen gemessen, um zu sehen, ob sich die Kirche auf dem lockeren Untergrund weiter bewegt. „Sie sind kaum größer geworden“, freut sich Ries. Die Dachsanierung hat wohl etwas gebracht. Die Gründung der Kirche kann deshalb vielleicht auf die Ost- und Südseite beschränkt werden. „Hier ist der Boden wohl lockerer, da die Linde sehr stark wurzelt. Auch ist hier später die Sakristei nicht ganz fachmännisch angebaut worden“, erklärt Ries. Um den Boden zu stärken, wird Beton eingespritzt. Dies wird aber nicht vor 2020 geschehen. Rund 100 000 Euro sind hier veranschlagt.

Nach wie vor ist die Kirchengemeinde auf Spenden angewiesen. Der Freundeskreis der Martinskirche hat seit seiner Gründung 2011 rund 65 000 Euro mit Veranstaltungen wie Konzerten, Weißwurstfrühstück oder Kaffeenachmittag gesammelt. Viele Affalterbacher spenden auch ihr Geburtstagsgeld für die Kirche. „Für den Turm wird vielleicht noch mehr gespendet, da er auch ein Wahrzeichen des Ortes ist“, hofft Ries.

Patricia Rapp
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